Mit dem Kanu nach Rom Rom, die stille Stadt

Der Petersdom vom Tiber aus gesehen - so wirkt das quirlige Rom ungewöhnlich ruhig.

(Foto: dpa)

Es kostet Überwindung, in Castel Giubileo am Rand der Metropole noch einmal in die müffelnden Neoprenanzüge zu schlüpfen. Ein letztes Mal die Kanus über einen Trampelpfad zum Tiber hinunterzutragen, vorbei an Plastikmüll und den Bretterbuden von Obdachlosen. Der Fluss hat hier endlich Fahrt aufgenommen.

Ist nicht mehr seicht und lehmfarben, sondern beinahe schwarz und tief. Er gurgelt, zupft an den Booten, bildet in der Nähe von Brückenpfeilern tückische Strömungen.

Von hier unten am Tiber betrachtet, ist Rom ganz anders. Grüner, friedlicher. Vor allem stiller. Nach einer Flutkatastrophe im 19. Jahrhundert wurden im Stadtgebiet über den Flussufern mächtige Schutzmauern errichtet. So befinden sich die Kanuten nun gleichzeitig außen vor und mittendrin im Herzen der Stadt. Vom Verkehrslärm ist nur ein entferntes Rauschen zu hören. Aus der Froschperspektive fällt der Blick auf stuckverzierte Palazzi und matt schimmernde Kirchenkuppeln.

Nachdem man tagelang durch ein ländliches Gebiet gepaddelt ist, wirkt die monumentale Pracht fast einschüchternd. Dann taucht hinter einer Flussbiegung der weiße Marmorbau des Ponte Milvio auf. Jeder Stein an dieser Brücke atmet Geschichte, wurde Zeuge von weltbewegenden Ereignissen. Im Jahr 312 schlug hier Kaiser Augustus seinen Rivalen Maxentius, die Heere des Mittelalters erreichten Rom über die Milvische Brücke.

An diesem Bauwerk, von dem jetzt eine Menschenmenge auf die bunten Kanu-Tupfer am Fluss starrt, endet auch die Internationale Tiber-Abfahrt. Weiterzufahren, bleibt wegen gefährlicher Stauwehre nur wirklichen Könnern vorbehalten. Gemessen am Einzug von Kaisern und Königen, mutet ein kleines Kanugeschwader in der Ewigen Stadt eher unspektakulär an.

Trotzdem ist es ein triumphales Gefühl, hier seinen Kahn an Land zu ziehen - nur einen Steinwurf von Engelsburg und Petersdom entfernt.

Informationen

Anreise: Von Norden über die A 1, Ausfahrt Arezzo, ca. 40 Minuten nach Florenz, weiter über die SS 73 und 221.

Kanutour: Während der einwöchigen "Discesa Internazionale del Tevere" (25. April -1.Mai) werden die Unterkünfte organisiert, im Preis von 180 Euro inbegriffen sind Abendessen und Rücktransport, www.discesadeltevere.org

Kanukurse werden vom Club in Città di Castello angeboten, www.canoacastello.it, oder vom Kanuklub Rom, www.gruppocanoeroma.it

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