Tourismus und Demokratie Vom Urlaub in der Türkei profitiert nur das Regime

Schönes Urlaubsland - düsteres Land für Andersdenkende: die Türkei

(Foto: Getty Images)

Der drastische Verfall der Lira macht den Türkei-Urlaub jetzt noch ein bisschen günstiger. Aber man tut den inhaftierten Kritikern von Erdoğan und der Demokratie damit keinen Gefallen.

Kommentar von Monika Maier-Albang

Es ist schade um dieses Land, das ja nicht nur ein schönes Urlaubsland ist. Die Türkei hat traumhafte Strände wie die Dünenlandschaft von Patara oder den hellen Kies von Ölüdeniz, der das Wasser so karibisch türkis wirken lässt. Die Sinterterrassen in Pamukkale sind wieder strahlend weiß, das Wetter ist stabil freundlich, die Gastgeber sind es auch. Und doch liegt ein dunkler Schleier über der Türkei.

Ihr Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine Gefolgsleute von der AKP, einst Hoffnungsträger für das Land, haben es zu einem düsteren Ort für alle Andersdenkenden werden lassen. Allein, dass man offen über die akute Wirtschaftskrise in der Türkei spricht, reicht jetzt schon, um als Gegner des Regimes ins Visier der Behörden zu geraten.

Gerade zieht der Tourismus in der Türkei wieder an. Nicht nur die russischen, auch deutsche Gäste buchen wieder. Und viele, die schon dort sind oder die kommenden Wochen erst fahren, werden den drastischen Verfall der Lira aufmerksam verfolgen: Ihr Urlaub wird jetzt noch ein bisschen günstiger.

Die Lira taumelt - doch wer trägt die Schuld?

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An den Küsten von Antalya bis Bodrum lässt sich die Realität leicht ausblenden

Dass Urlauber in die Türkei kommen, ist erfreulich für die Menschen, die von ihnen leben. Und natürlich lässt es sich nach wie vor schön und unbeschwert an den Küsten von Antalya bis Bodrum liegen - nur blendet man damit die Realität aus. Man kann nicht einfach zur Normalität zurückkehren, schulterzuckend den Verlust von Rechtsstaatlichkeit hin- und gleichzeitig das Geschenk eines vom türkischen Staat subventionierten Fluges annehmen. Und sich daran erfreuen, was für ein tolles Schnäppchen man gemacht hat.

Man tut den inhaftierten Kritikern des Regimes, der Meinungsfreiheit, den Resten der Demokratie damit keinen Gefallen. Die einzige Möglichkeit, die ein Urlauber hat, Einfluss auf die Politik eines Landes zu nehmen, ist Geldentzug. Was ja nicht gleichbedeutend sein muss mit Liebesentzug.

Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für die Türkei gerade entschärft. Das ist ein nachvollziehbarer Schritt, weil die Türkei den Ausnahmezustand aufgehoben hat - de facto allerdings besteht er in Notstandsgesetzen fort. Es sei weiterhin von einem "erhöhten Festnahmerisiko auszugehen", stellt die Behörde fest. Betroffen seien "insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige mit engen privaten und persönlichen Bindungen in die Türkei. Auch geringfügige, den Betroffenen unter Umständen gar nicht bewusste oder lediglich von Dritten behauptete Berührungspunkte" mit der Gülen-Bewegung könnten für eine Festnahme ausreichen. Das ist eine wohltuend klare Sprache. Und eigentlich ja auch Warnung genug.