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Mecklenburg-Vorpommern:Ort fürs Extraglück

In Wismar kann man dem Bösen fern bleiben.

Von Ulrike Nimz

1921 ging das Grauen in Wismar von Bord. Ein blutgieriger Untoter, begleitet von einem Rudel Ratten und, ja: der Pest. Als Friedrich Wilhelm Murnau den Alten Hafen als Kulisse für seinen Stummfilmklassiker "Nosferatu" wählte, wird er gewusst haben, warum. Gleich drei gotische Backsteinkirchen überragen die Hansestadt, "Rote Hünen" genannt. Möwen mit der Spannweite von Flugsauriern stoßen auf Räucherfischbrötchen herab, und das Bächlein, das hinein in die Weltkulturerbe-Altstadt führt, heißt: Grube. Wer das Böse auf Abstand halten will, quert am besten die Schweinsbrücke, wienert dort eines der vier freundlichen Bronzeferkel für ein bisschen Extraglück und desinfiziert sich anschließend die Hände. Zum Beispiel im Karstadt-Stammhaus am Marktplatz, einem viergeschossigen Jugendstilbau, der vom einstigen Glanz der Handelskette zeugt. Von der bewegten Vergangenheit erzählen auch die sprechenden Straßennamen: Sargmacherstraße, Bademutterstraße, Tittentasterstraße. Letztere war der Legende nach so eng, dass zwei Menschen nicht aneinander vorbeikamen, ohne sich zu berühren. Derzeit Wismars vielleicht einzige No-go-Area.

© SZ vom 29.10.2020
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