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Tourismus in Spanien:Neustart auf Mallorca

Die Playa de Palma Ende September - auch im Oktober geht das Geschäft bei badewarmem Wetter weiter.

(Foto: AFP)

Nach der Insolvenz von Thomas Cook versucht die Insel, zum Tagesgeschäft der Nachsaison zurückzukehren. Doch unter der Oberfläche brodelt es.

An der Playa de Palma scheint die Sonne, immer noch. Hier, wo sehr viele Hotelbetten von Reiseveranstaltern wie Thomas Cook gebucht werden, ist von Krise auf den ersten Blick nichts zu sehen. Bei badewarmen 25 Grad herrscht jetzt, Mitte Oktober, entspannte Stimmung. Kinder planschen im Wasser, in den Cafés sitzen Pärchen, Eltern spazieren mit Kinderwägen. Sie genießen das milde Herbstlicht und die angenehmen Temperaturen.

Und wie sieht es hinter der Kulisse aus? An den Rezeptionen der Hotels hat man sich offenbar verständigt, auf Nachfragen mit einer fast gleichlautenden Floskel zu antworten: "Wir sind davon nicht betroffen. Fragen Sie doch mal nebenan." Auch im Cook's Club, einem Hotel, das Thomas Cook erst im Mai an der Playa de Palma eröffnet hat, möchte keiner der Offiziellen etwas sagen. Und die Angestellten am Grill und hinter der Rezeption wissen selbst nicht, was die Insolvenz für sie bedeuten wird. "Noch arbeiten wir", sagt eine Kellnerin und wischt über den glänzenden Tresen. Viel zu tun hat sie nicht. Das Restaurant ist leer, am Pool liegen zwei Gäste.

Vereint in Verzweiflung: zwei Mitarbeiterinnen von Thomas Cook im September am Flughafen von Palma. Bis heute wissen viele Hoteliers, Eventveranstalter oder Busunternehmen nicht, wie es weitergeht.

(Foto: Jaime Reina/AFP)

Mallorca, den Eindruck gewinnt man schnell, will eines auf keinen Fall: mit geschäftsschädigenden Begriffen wie Krise oder Pleite in Verbindung gebracht werden. Nach der Insolvenz von Thomas Cook versucht die Insel, zum Tagesgeschäft der Nachsaison zurückzukehren. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Für Thomas Cook waren die Balearen eines der wichtigsten Zielgebiete. 43 500 Urlauber hat der Konzern Ende September dort im Stich gelassen. Er hatte 27 Gesellschaften in Spanien, 14 davon auf Mallorca. Die Zentrale für Spanien stand am Stadtrand von Palma, Thomas Cook betrieb auf den Balearen 20 eigene Hotels, viele Gäste kamen mit den Thomas-Cook-Airlines. 2018 hatten sie zusammen mit Condor gut 1,2 von 16 Millionen Touristen auf die Inseln gebracht.

300 000 Touristen bleiben der Insel voraussichtlich bis Frühjahr fern, denn sie hatten mit Thomas Cook oder der Tochterfirma Neckermann ihren Urlaub gebucht. Mindestens 3400 direkte Arbeitsplätze fallen weg. Der Vorfall sei auf den Inseln "beispiellos", sagte ein Mitglied der balearischen Regionalregierung. Nach dem ersten Schock wird jetzt debattiert, welche Lehre Mallorca daraus ziehen sollte. Könnte das Ereignis zu einem Wandel im Tourismusmodell führen? Weg von den Reiseveranstaltern, die derzeit mehr als 60 Prozent der Urlauber auf die Insel bringen, hin zu mehr Direktbuchungen? Oder könnte die Krise zu einer aktiven Reduzierung der Besucherzahlen führen, wie das Umweltschützer und Bürgerbewegungen fordern?

"Die Insolvenz sollte uns vor Augen führen, wie anfällig unser Wirtschaftsmodell ist", sagt Margalida Ramis von der größten Naturschutzgruppe der Inseln, Gob. Auch in der Branche selbst gibt es erstmals selbstkritische Töne. Die Grande Dame des balearischen Tourismus, Carmen Riu, sagte im balearischen Fernsehen IB 3: "Wir sollten über eine Obergrenze nachdenken. Wenn zu viele Touristen kommen, leiden unsere Inseln. Wir schaden uns damit selbst."

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Riu ist Chefin des gleichnamigen, familiengeführten Konzerns. Sie profitiert von der Insolvenz, denn das Unternehmen ist seit den 1950er-Jahren am Touristikkonzern Tui beteiligt, dem großen Nutznießer der Pleite. Das Unternehmen rechnet im kommenden Jahr mit 500 000 zusätzlichen deutschen Gästen. Auf Mallorca will die Tui AG ihr Angebot massiv ausbauen. Der Konzern verspricht "sorgenfreies Buchen" für ehemalige Thomas-Cook-Kunden und lernt auf der Insel gerade ehemalige Angestellte von Thomas Cook an.