Urlaub am Ballermann:Bußgeld statt Bier

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Die Nacht durchgemacht, und am Morgen geht's gleich weiter? Trunkene Touristen sind für die Einheimischen auf Mallorca schon lange eine Pein. (Foto: Manuel Geisser/imago images)

Mallorca verbietet an einigen Brennpunkten, öffentlich Alkohol zu trinken. Ob Sauftouristen das abschreckt?

Glosse von Stefan Fischer

Das Oktoberfest, der Kölner Karneval und das Feuerwehrfest in Kogl bei Tulln haben zweierlei gemeinsam: Aufgrund beispiellosen Alkoholmissbrauchs kommt es bei diesen Anlässen mehr oder weniger regelmäßig zu ärgerlichen, widerlichen, nicht selten auch strafrechtlich relevanten Folgen. Jedoch gilt in München, am Rhein und ebenso in Niederösterreich: Nach ein paar Tagen, spätestens aber nach ein paar Wochen, ist alles vorüber. Wie wüst und punktuell peinsam die jeweiligen Exzesse auch sein mögen: Ihre zeitliche Beschränkung ist eine kaum zu unterschätzend tröstliche Aussicht.

Etliche Bewohner Mallorcas müssen ohne diesen Trost leben. Auch wenn es saisonale und lokale Schwankungen in der Intensität des Trinkerterrors gibt: Jahrein, jahraus grölen und grapschen, krakeelen und kotzen, pöbeln und pinkeln trunkene Touristen ohne Sinn und Verstand auf der Baleareninsel herum. Und das nicht ausschließlich in irgendwelchen exterritorialen Urlaubergettos, sondern inmitten der Einheimischen, vor deren Haustüren, an deren Stränden, in deren Kneipen. Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen wollen am Wochenende in Palma de Mallorca demonstrieren gegen die Auswüchse des Tourismus auf der Insel, zu denen die öffentlichen Trinkgelage definitiv zu rechnen sind.

Die Inselregierung ihrerseits hat auf diesen jahrzehntealten, sich jedoch zunehmend verschärfenden Missstand einmal mehr recht hilflos reagiert. Rund um den Ballermann und in anderen Partyzonen auf Mallorca ist künftig der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit offiziell verboten. Wer dort am Strand oder in der Einkaufsstraße mit einer offenen Dose Whisky-Cola erwischt wird, kann ein Bußgeld von bis zu 1500 Euro aufgebrummt bekommen. Das entscheidende Wort ist wohl: kann. Die Kontrollen werden mutmaßlich eher sporadisch stattfinden.

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Es ist noch nicht ewig her, da war das ein Inbegriff von Urlaubsromantik: Mit ein paar Leuten und drei Flaschen Wein oder zehn Flaschen Bier an den abendlichen Strand gehen, ein Lagerfeuer entzünden, sich Geschichten und zunehmend auch Unfug erzählen, ein wenig knutschen, unter Sternen im Meer baden, aber bei alldem keinem Unbeteiligten übermäßig auf den Geist gehen.

Inzwischen aber müssen spezielle Verordnungen erlassen werden, weil immer mehr Menschen jedes Maß und Ziel fehlt. Längst geht es nicht mehr nur um torkelnde Touristen, sondern um fatale Unfälle, weil immer wieder volltrunkene Urlauber von ihren Hotelbalkonen stürzen. Die einen finden ihren Zimmerschlüssel nicht, meinen sich jedoch erinnern zu können, die Balkontür offen stehen gelassen zu haben, und überschätzen darüber ihr Talent zum Drei-Promille-Fassadenklettern, andere glauben, vom fünften Stock in den Pool hechten zu können, wieder andere verlieren schlicht das Gleichgewicht.

Ob Prävention hilft? Auf einen Versuch käme es an. Vielleicht sollten die Mallorquiner die Bußgelder also zweckgebunden verhängen: Um sich damit Reisen an die Herkunftsorte ihrer Peiniger zu finanzieren - und es dort richtig krachen zu lassen. Ganz alttestamentarisch: Promille um Promille. Vielleicht geht wenigstens einigen Sauftouristen dann ein Licht auf.

Stefan Fischer ist vor allem in der Fremde gerne Herr seiner Sinne. (Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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