Ein Staatsbankett, kein Problem auf dieser Terrasse. Die Tafel ist lang genug. Den Blick auf den Omesberg und den Rüfikopf majestätisch zu nennen, ist angebracht. Er zieht Jahr für Jahr Adlige wie König Willem-Alexander und Königin Máxima aus den Niederlanden an. Und all die anderen Reichen und Schönen, denen Geld wenig Grenzen setzt. Die mögen es mittags erstaunlich bürgerlich.
Zuerst serviert Chefkoch Alexander Marent in der ungewöhnlich warmen Dezembersonne Grießnockerlsuppe, dann Wienerschnitzel. Die Sonnencreme kommt dafür auf dem Silbertablett. Natürlich, schließlich will das Chalet N nicht irgendein Hotel sein. Es will das beste, das schönste, das exklusivste sein.
Nicht irgendwo in Österreich, sondern in Oberlech am Arlberg, das sich für nichts weniger als den besten, schönsten und exklusivsten Skiort Österreichs hält.
Wo hätte das Hotel eines Mannes wie René Benko besser hingepasst? Kauft der Immobilienunternehmer aus Tirol, der in seiner Heimat "Austro-Milliardär" genannt wird, ein Warenhaus, dann ist es das Kaufhaus des Westens in Berlin, das größte auf dem europäischen Kontinent.
Errichtet er ein Einkaufszentrum in Wien, dann wird daraus das "Goldene Quartier". Baut er ein Hotel in Oberlech, sollte es das teuerste sein. Zumindest in den Alpen. 275.000 Euro muss ein Gast bezahlen, wenn er das Chalet N buchen will. Für eine Woche, weniger geht nicht.
Das sind etwa 39.000 Euro pro Tag, 1600 Euro pro Stunde. Bei dieser Summe fragt man sich: Sind die Wasserhähne mit Diamanten besetzt? Schwitzt man in der Sauna Champagner-Tropfen?
Von außen gibt sich das Chalet N berglerisch. Ein Mittelbau verbindet Zwillinge im Bauernhof-Holzlook. So passt sich das wuchtige Gebäude zwischen die Nachbarhäuser ein, von denen eines erstaunlich direkte Einblicke in das Badezimmer ermöglicht. Die modern durchgestylte Inneneinrichtung bildet einen Kontrast zum auch innen allgegenwärtigen Bauernhof-Holz.
Dafür hat ein Rudel silberner Bambis das Haus so in Beschlag genommen, dass man sich wünscht, Benko würde seine abschussstarke Jagd vom Karwendel ins Innere seines Hotels verlegen. Die in Krokoleder-Anmutung verzierte Innenwand im Foyer passt zum Wildbestand und auch der zebrahafte Bezug der Barhocker.
Wer soll darauf sitzen? Wer will den Noblen unten in Oberlech zeigen, dass es jemanden gibt, der noch besser wohnt?

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Interessenten gebe es genug, sagt Robert Leingruber, Sprecher des von Benko gegründeten Unternehmens Signa. Namen könne man nicht verraten, wegen der "Privacy", wie er es nennt. Und was bekommt der anonyme Oligarch, der CEO, die Show- oder Sportgröße fürs Geld?
Acht Suiten, die größte umfasst 400 Quadratmeter, mit insgesamt 22 Betten - da sind aber auch die vier Kinderkojen und das Nanny-Zimmer mitgerechnet. Gut 20 Bedienstete, inklusive 24-Stunden-Butler-Service, Weinkeller, Büro, Heimkino, Bar und zwei Restaurants. Die übers Chalet verteilten Flachbildschirme würden locker die Regale eines Elektromarktes füllen.
Und die Toilette öffnet den Deckel eigenständig, das elektronische Hygieneprogramm mit mehr Knöpfen als ein Herrenhemd bietet vollautomatische Reinigung. Goldene Wasserhähne stehen offenbar im Oligarchen-Chic gerade nicht hoch im Kurs. Dafür kann man in einem Sauna-Saal alleine sitzen. Allerdings schwitzt man dabei auch nur die gleiche salzige Flüssigkeit aus wie andernorts.
Trotz aller Geheimnistuerei lässt Leingruber durchblicken, wer hinter all den schusssicheren Fenstern urlauben wird: "Die Russen verstehen diesen Luxus. Die können auch diesen Preis nachvollziehen", sagt der Signa-Sprecher. Damit niemand auf billige Ideen kommt, sind die Suiten einzeln nicht zu mieten.

"Ganz oder gar nicht", sagt Leingruber. René Benko hat seinem Haus selbst sechs Sterne verliehen, sehr zum Missfallen der Wirtschaftskammer in Wien, was Benko offenbar wenig beeindruckt hat. Was soll's? Napoleon hat sich auch selbst gekrönt.
Das N beim Chalet aber steht für Nathalie, Benkos Ehefrau. Ein Haus mit so persönlicher Widmung muss trotz der Baukosten von etwa 40 Millionen Euro nicht unbedingt Rendite abwerfen. "Es reicht, wenn die laufenden Kosten hereinkommen", sagt Leingruber.
Und wie urteilt die Konkurrenz? Die sechs Sterne, mit denen Benko vehement wirbt, sind "wurscht", sagt Gregor Hoch, Regional-Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Das Chalet N kann sich auch "drei Stühle oder sechs Raketen verleihen. Das ist Phantasie."
Mit den paar Betten stelle es keine ernsthafte Konkurrenz im Ort dar, sagt Hoch, der selbst in Oberlech ein Hotel betreibt. Im Gegenteil: "So ein Haus passt zum Image des Ortes."
Informationen: Chalet N, Oberlech 50, 6764 Lech am Arlberg. 22 Betten, nur als Ganzes für eine Woche zu mieten, Preis: 275 000 Euro, www.chalet-n.com

