Luftfahrtbundesamt prüft Air Berlin lässt trotz Ölgestanks weiterfliegen

Die Besatzung klagte über Kopfschmerzen und Übelkeit, an Bord roch es nach Öl - dennoch tauschte Air Berlin die Turbine des Passagierflugzeugs erst zwei Tage später aus.

Das Luftfahrtbundesamt überprüft, ob die Fluggesellschaft Air Berlin unzulässig eine Passagiermaschine mit schadhaftem Motor sowie mit Ölgestank im Innenraum hat fliegen lassen.

Ein Behördensprecher bestätigte entsprechende Berichte des Spiegel und des NDR. Den Berichten zufolge war bei dem Flug eines Airbus von München nach Kenia am 8. April der Ölgestank erstmals aufgetreten. Am Tag darauf sei die Maschine nach Bangkok in Thailand geflogen, auch dabei habe es nach Triebwerksöl gestunken. In Bangkok soll sich nach Angaben von Augenzeugen eine Öllache unter dem rechten Triebwerk gebildet haben.

Mechaniker in Bangkok sollen Air Berlin laut Spiegel deshalb geraten haben, den Motor auszutauschen. Doch dies sei erst zwei Tage später nach Rückkehr der Maschine geschehen. Dem Behördensprecher zufolge war offenbar eine Öldichtung im Motor defekt und das Schmiermittel deshalb durch das Triebwerk geflossen.

Weil dort systembedingt auch die Atemluft für die Passagiere abgezapft wird, sei das Öl in das Klimasystem des Flugzeugs gelangt. Die Besatzung habe einen heftigen Ölgeruch wahrgenommen und über Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt.

Das Luftfahrtbundesamt prüft nun, ob sich die Ölleckage noch im Rahmen des Üblichen bewegte und Air Berlin zur Schadensbehebung nach Deutschland fliegen durfte. Eine Air-Berlin-Sprecherin bestätigte beiden Medien die Probleme mit dem Ölgeruch. Eine Sicherheitsgefahr für die Passagiere habe aber zu keiner Zeit bestanden, meinte die Sprecherin. Deshalb habe die Turbine nicht früher ausgetauscht werden müssen: Geringe Leckagen dieser Art seien konstruktionsbedingt zulässig.

Störungsmeldungen gingen an das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig und die Bundesstelle für Flugunfallsicherung (BFU). "Wir haben bisher keinen Anlass zu glauben, dass bei Air Berlin etwas schief gelaufen ist", sagte LBA-Sprecher Benno Schmaljohann. Air Berlin hatte eigene Techniker nach Bangkok geschickt, um das Flugzeug zu kontrollieren. Die Mitarbeiter hätten dokumentiert, dass sich der Ölverbrauch innerhalb des vom Triebwerkshersteller vorgegebenen zulässigen Bereichs befand, erklärte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft

Über die Triebwerke wird auch die Luft für die Passagierkabine angesaugt, so dass bei Fehlern auch verbranntes Triebwerksöl eingeatmet werden kann, das Nervengift enthält. Weltweit machen Hunderte Piloten und Flugbegleiter Giftstoffe in der Kabinenluft für akute Beschwerden und auch langfristige neurologische Erkrankungen verantwortlich. Flugzeugbauer und Airlines hingegen halten einen Zusammenhang zwischen Öldämpfen und den aufgetretenen Krankheiten für nicht erwiesen.

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