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USA:Verliebt in L.A.

Los Angeles Cabrio

Die Stadt, die Filmemacher lieben, erkundet man am besten im offenen Cabrio und mit lauter Musik.

(Foto: Beck Starr/FilmMagic/Getty Images)

Los Angeles spielt in vielen Kinofilmen und Popsongs die Hauptrolle - doch Touristen sind oft von der Stadt enttäuscht. Wo sie wirklich großartig ist, weiß unser Autor.

Natürlich muss ein Wochenende auf dem Sunset Boulevard so beginnen, im offenen Ford Mustang Cabriolet und mit lauter Musik. Quentin Tarantino schlägt in seinem Film "Once Upon a Time in Hollywood" vor, einfach das Radio anzuschalten, weil dann "Hush" von Deep Purple läuft, "Choo Choo Train" von den Box Tops oder "Ramblin' Gamblin' Man" von Bob Seger. Das kann sein, das beste Lied auf dieser wunderbaren Straße, die man entweder bei Sonnenuntergang oder gegen Mitternacht befahren muss, ist allerdings "Angela Surf City" von den Walkmen - zu erleben im herrlich durchgeknallten Film "Seven Psychopaths", wenn Woody Harrelson im offenen Cabrio durch Los Angeles heizt.

Die Metropole an der Westküste wird immer wieder mal liebkost von Filmemachern, gerade von Tarantino oder davor von Damien Chazelle in "La La Land". Es sind jedoch meist Hommagen an das "Old Hollywood", an die vermeintlich glamourösen Zeiten, die in diesen Filmen zwischen fünf und 50 Jahren zurückliegen. Wenn Touristen heute nach Los Angeles kommen, sind sie oft enttäuscht, weil sie der Reiseführer zum Walk of Fame (ein Gehsteig mit Sternen darauf), zum Hollywood-Zeichen (Buchstaben auf einem Berg) oder zum Ort der Oscarverleihung (ein Einkaufszentrum für Touristen) schickt.

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Zoom - Die Kinopremiere

Der Film des Kinosommers: "Once Upon a Time in Hollywood"

Als würde man an Tarantinos Hand durch Hollywood spazieren - der Regisseur erinnert sich an das Jahr 1969 in Los Angeles und macht daraus seinen besten Film seit langem.

Sie bemerken, dass man zur Playboy-Villa noch nicht einmal hinfahren kann und dass die Stars nicht andauernd vor ihren Villen hocken und Besuchern zuwinken. Sie steigen dann ins Taxi, regen sich bei der Heimfahrt ins Hotel über den Verkehr und die Abendessenpreise im Ocean Prime neben dem Rodeo Drive auf, und dann erzählen sie den Leuten daheim, dass dieses Los Angeles eine ziemlich unattraktive Stadt ist - was die Einwohner übrigens gar nicht so schlimm finden, weil dann weniger motzende deutsche Touristen in die Stadt kommen. Die Angelenos nämlich mögen ihre Stadt genau so, wie sie ist.

Besucher sollten sich lieber an Filmen und Liedern orientieren, deretwegen sie gekommen sind. Es gibt Leute, die suchen nach dem Topf voller Gold am Ende des Regenbogens, und es gibt solche, denen ist der Regenbogen wichtiger. Los Angeles ist eine Stadt für Regenbogen-Menschen, weil es für die meisten den Topf am Ende nicht geben wird. Und ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, wie viel die Protagonisten in Filmen über Los Angeles im Auto sitzen und irgendwo rumfahren? Wichtiger als Ankommen ist das Unterwegssein, man muss diese Stadt im wahrsten Sinne des Wortes erfahren - jede Ausfahrt führt in eine völlig neue Welt.

Also: Cabrio leihen, zu "Angela Surf City" über den Sunset Boulevard cruisen, am Rodeo Drive links abbiegen, rauf in die Hollywood Hills, zu "Bring a Little Lovin" von Los Bravos über den Mulholland Drive nach Sherman Oaks zum mexikanischen Restaurant Casa Vega.

Brad Pitt und Leonardo DiCaprio zechen dort im Tarantino-Film (an Tisch C 6 übrigens). Im wahren Leben kommen fast jeden Abend Hollywoodstars, weil sie im minimal beleuchteten Restaurant kaum erkannt werden.