Kolumne „Hin und weg“Schlafen beim Regierungschef

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Der Kater Larry wohnt fest im Haus, die Premierminister indes wechseln.
Der Kater Larry wohnt fest im Haus, die Premierminister indes wechseln.
Foto:Alberto Pezzali/AP/dpa

Fast den kompletten Sommer stand 10 Downing Street und damit der Amtssitz des britischen Premierministers auf Booking.com. Daraus ergeben sich mehrere Lehren – auch für Friedrich Merz.

Von Dominik Prantl

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Diesen Sommer war auf der namhaften Buchungsplattform Booking.com mehr als zwei Monate lang das Zuhause des Katers Larry als Reiseunterkunft zu finden. Kater Larry wohnt seit 2011 nicht irgendwo, sondern in 10 Downing Street mitten im Londoner Regierungsviertel. Er ist dort Chief Mouser to the Cabinet Office und damit oberster Mäusefänger von England. Benannt ist er auf Lebenszeit, womit er eine Jobsicherheit genießt, wie es sonst höchstens der Papst oder Trainer des SC Freiburg tun. Außerdem bildet Larry in 10 Downing Street seit inzwischen 15 Jahren eine Wohngemeinschaft mit dem amtierenden britischen Premierminister oder der Premierministerin. Vor Kurzem ist zum Beispiel ein gewisser Andy Burnham in das gewaltige Gebäude mit rund hundert Räumen eingezogen.

Jedenfalls stellte die große britische Verbraucherorganisation Which? das Inserat „1 bedroom apartment in the heart of London“ mit der Adresse von Larry am 18. Juni auf Booking.com online und bot damit quasi den Regierungssitz des Vereinigten Königsreichs als Urlaubsdomizil feil; mit dabei war ein Bild der geradezu ikonischen Vordertür. Spätestens da hätte es bei Booking.com irgendwo klingeln müssen, dass da was nicht stimmen kann. Aber weil die KI des Webportals wohl gerade auf das Klingeln der Kasse hörte oder selbst Urlaub machte, generierte das Apartmentangebot sogar etliche Buchungsanfragen, als es dafür 20 Minuten lang von Which? freigegeben wurde.

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Es klingelte offenbar auch nichts, als gemäß den Verbraucherschützern eine Testbuchung samt Zahlung vorgenommen und das „Abhängen“ mit Kater Larry in einer Fake-Bewertung als Highlight bezeichnet wurde. Wahrscheinlich lachen sich die Verbraucherschützer von Which? jetzt noch ins Fäustchen, wie einfach es doch war, Sicherheitsmängel bei dem Reiseunternehmen aufzudecken. Am 27. August wurde das Angebot schließlich von der Seite genommen.

Aus dem Fall ergeben sich gleich mehrere Lehren – oder werden mal wieder bestätigt. Erstens ist das Internet nicht immer hundertprozentig vertrauenswürdig. Es lügt gelegentlich. Zweitens sollte man offenbar nicht allem trauen, was auf Booking.com steht. Drittens weisen selbst gefälschte Bewertungen auf eine deutlich verzerrte Wahrnehmung im Urlaub hin. So heißt es in der Rezension über 10 Downing Street, der Aufenthalt sei „außergewöhnlich“ gewesen, was sich jedoch nicht mit den Erfahrungen von Langzeitbewohnern deckt. Winston Churchill bezeichnete das Gebäude als „shaky and lightly built“, also wacklig und leicht gebaut. Margaret Thatcher fand die Räume trostlos. Tony Blair zog aus Platzgründen gleich in eine größere Wohnung in 11 Downing Street.

Vor allem aber stellt sich die Frage: Warum wird ein Teil von 10 Downing Street nicht tatsächlich vermietet? Die Premierminister geben sich dort seit einigen Jahren die Klinke in die Hand, ständige Bettenwechsel stehen also ohnehin auf der Tagesordnung. Zudem könnte das Volk den Regierenden endlich wieder auf die Finger schauen und dem angeschlagenen britischen Haushalt sogar ein wenig Geld in die Kasse spülen. Und wer weiß, ob das Modell nicht noch Schule macht: Dem Vernehmen nach nutzt Friedrich Merz die Kanzlerwohnung im Bundeskanzleramt schließlich eher selten.

Der Autor hat schon des Öfteren eine Unterkunft auf Booking.com gebucht. Betrogen wurde er noch nie, höchstens leicht angeschwindelt. 
Der Autor hat schon des Öfteren eine Unterkunft auf Booking.com gebucht. Betrogen wurde er noch nie, höchstens leicht angeschwindelt. 
Bernd Schifferdecker (Illustration)
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