Julia beschäftigt heute eine Mannschaft von 15 ehrenamtlichen Sekretärinnen und einen Sekretär, einen Studenten aus Nigeria. Die Protagonistinnen heißen Veronika, Giovanna, Manuela oder Christina, aber eigentlich sind weder ihre Namen noch ihre Berufe oder ihr Alter relevant, denn sie antworten alle stellvertretend nur für eine: Julia. 5000 Briefe und 2000 E-Mails sind es inzwischen pro Jahr geworden. Da kommen mehr als 400 Antworten auf jede von ihnen.

"Club di Giulietta" heißt ihr Verein, der Präsident ist Giulio Tamassia. Der 77-Jährige hatte den Club 1975 ursprünglich als Freundeskreis für Kulturinteressierte der Stadt Verona gegründet, als er vom Kulturreferenten die Anfrage bekam, ob er sich nicht auch um die Julia-Briefe kümmern könne. "Es gibt ein paar Sponsoren, und die Stadt kommt für das Briefporto auf. Die meisten Julia-Sekretärinnen arbeiten aber vorwiegend von zu Hause aus", sagt Tamassia.

Auch seine Tochter Giovanna ist seit 16 Jahren damit beschäftigt, im Namen Julias Briefe zu beantworten. Länger als zwei bis vier Wochen müsse niemand auf eine Reaktion warten, sagt sie. Formschreiben gäbe es keine, denn jede Julia antworte individuell. Giovanna sitzt im ersten Stock der Via Cappello 21 mit Blick auf den Innenhof von Julias angeblichem ehemaligen Wohnhaus und sortiert neu eingegangene Briefe. Hier oben hat der Club der Sekretärinnen dafür ein kleines Gemeinschaftsbüro eingerichtet. Im Erdgeschoss hört man im Stakkato die Nähmaschinen des Souvenirshops Namen auf rote Stoffherzen hämmern: Maria und Livio, Claudia und Helmut. Zwei Namen und ein Herz in drei Minuten.

Bild: Christina, Manuela, Veronika und Giovanna (v.l.) Foto: Kohl 13. August 2010, 19:562010-08-13 19:56:30 © SZ vom 12.8.2010/kaeb