Leser-Erlebnisse auf dem Berg:Und dann auch noch Frau Merkel

"Bei bestem Wetter wanderten wir auf den Hundstein im Pinzgau. Gegen Nachmittag zog der Himmel zu und als wir in der Hütte saßen, war der Nebel so dicht, dass die Scheiben aussahen, als habe sie jemand mit weißer Farbe bemalt. Wir fragten den Hüttenwirt, ob er wisse, wie das Wetter am nächsten Tag wird. Der antwortete zwar nicht, ging aber zur Tür und schaute eine Weile nach draußen. Als er wiederkam, sagte er, dass das Wetter gut werden würde. Nach einem Moment unserer Freude ergänzte er: 'Aus Deutschland kommen zwei schlechte Sachen. Erstens: das Wetter. Zweitens: Frau Merkel.' Wir blieben etwas sprachlos zurück. Am nächsten Tag regnete es in Strömen." Sonja H., 28 Jahre

Luft schnappen in der Höhe

"Wir sind damals Mitte der 70er als Gruppe Jugendlicher, alle knapp über 20 Jahre alt, schon immer gern Skitouren gegangen, aber höchstens auf 3000er. Im jugendlichen Übermut und Tatendrang wollten wir aber einen Viertausender angehen: die Signalkuppe mit 4554 Metern.

Und die Gnifetti Hütte (etwa 3650 Meter) im Monte-Rosa-Massiv war mit einer Seilbahnstation 400 Meter darunter "leicht erreichbar" - so dachten wir wenigstens. Wir hatten uns schwer verschätzt: Statt eineinhalb Stunden Wegzeit haben wir uns trotz durchschnittlicher Kondition fast vier Stunden zur Gnifetti Hütte gequält. Eine weitere Demütigung erlebten wir kurz vor der Hütte. Im letzten Steilanstieg überholte uns ein weit über 60 Jahre alter Italiener, der aussah wie der Priester aus 'Don Camillo und Peppone' - hagere Gestalt, ein längliches Pferdegesicht und mitten drin große bleckende Zähne. Mit breitem Don-Camillo-Lächeln spurte er im Steilhang mit Schneeschuhen ohne Anstrengung an uns vorbei und sagte '35 Kilo', wobei er grinsend auf seinen prallen Rucksack deutete. Nachdem wir - obwohl es nicht mehr weit zur Hütte war - nach einer halben Stunde endlich die Hütte erreicht hatten, saß 'Don Camillo' längst bei einem Viertel Roten.

In der mehrstöckigen Hütte bewegten wir uns wie uralte Senioren mit 'Schaufensterkrankheit', verschnauften alle paar Stufen - nur lag es nicht an der Durchblutung, sondern an der fehlenden Akklimatisierung. Nach dem Essen gönnten wir uns auch ein einziges Viertel Rotwein, waren aber danach so zugedröhnt, als hätten wir ein paar Flaschen geleert.

Auch im Schlaflager lagen wir alle nach Luft schnappend im Halbdusel wie Karpfen, denen man das Wasser abgelassen hat, und murmelten in einem alptraumähnlichen Halbschlaf vor uns hin. Was wir daraus lernten: Man soll sich im jugendlichen Leichtsinn besonders im Hochgebirge nicht überschätzen. Für uns ist es auch wegen der guten Wetterlage glimpflich ausgegangen, war aber allen eine deutliche Warnung: Bis heute sind wir immer ohne Schaden aus den Bergen zurückgekommen. Wir amüsieren uns aber noch immer köstlich über unseren Gnifettiaufenthalt." Günther Gerhardt

Im Sternenregen

"Ich habe vergangenen Sommer eine Woche lang auf einer Alp in den Glarner Alpen in der Schweiz geholfen und durfte um 4.30 Uhr morgens die Sternschnuppen-Nacht miterleben, während wir die Kühe reinholten. Es war stockduster und dieser unglaubliche Nachthimmel wurde von der zarten Musik der Kuhglocken untermalt." Olivia Bern, 19 Jahre

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