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Italien:Auf Reisen mit Leonardo da Vinci

Er erforschte die Anatomie des Menschen, konstruierte Katapulte und malte die Mona Lisa - der Künstler, der in keinen Rahmen passte, fasziniert bis heute. Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci. Ein Reiseführer zu den Stationen seines Lebens.

Von Eva Dignös

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500. Todestag von Leonardo da Vinci

Quelle: dpa

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Leonardo da Vinci trägt seinen Geburtsort im Namen: In Vinci kommt er am 15. April 1452 zur Welt, einem kleinen Ort in der Toskana, nicht weit von Florenz. Seine Mutter ist Magd, sein Vater Notar, es war wohl nur eine kurze Affäre: Vater wie Mutter heiraten später andere Partner. Ein einsames Steinhaus auf einem Hügel im Ortsteil Anchiano gilt als Geburtshaus, echte Belege dafür gibt es nicht - immerhin sollen einige Gebäudebestandteile aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Was gibt es zu sehen?

Das Museum im Geburtshaus, eine von drei Zweigstellen des Museo Leonardiano in Vinci, bietet eine Multimedia-Schau zu Leben und Werk. Da Vinci persönlich begrüßt die Besucher - als Hologramm.

Die Stadt des Meisters - Vinci in der Toskana

Quelle: dpa-tmn

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Knapp drei Kilometer sind es vom Geburtshaus hinab in die Stadt, schöner als die Straße ist der Wanderweg "Strada Verde" mit Blick auf Weinberge und Olivenhaine. In Vinci verbringt der kleine Leonardo die ersten Lebensjahre bei seinem Großvater, in der Kirche Santa Croce wird er getauft. Das Städtchen mit seinem hübschen historischen Ortskern ist sichtlich stolz auf seinen berühmten Sohn: Die Bar heißt "Leonardo", vor dem Metzgerladen lächelt die "Mona Lisa". Doch noch hält sich, verglichen mit anderen Reisezielen in der Toskana, der Rummel in Grenzen.

Was gibt es zu sehen?

Das Museo Leonardino verteilt sich hier auf zwei Gebäude. Vom Turm der alten Gemäuer eröffnet sich ein beeindruckender Rundumblick auf die Landschaft, in der da Vinci aufwuchs. Zu sehen sind viele technische Modelle nach Leonardos Entwürfen, ebenso Studien zur menschlichen Anatomie - und im Jubiläumsjahr als besondere Attraktion noch bis Mitte Oktober die "Arnolandschaft": Leonardo da Vincis früheste datierte Zeichnung aus dem Jahr 1473, eine Leihgabe der Uffizien in Florenz. Ein mehrsprachiger Museums-Guide kann als App heruntergeladen werden. Das Ticket fürs Museum gilt auch für das Geburtshaus sowie für die Villa il Ferrale, in der digitale Reproduktionen der berühmtesten Gemälde des Künstlers gezeigt werden.

Die Stadt des Meisters - Vinci in der Toskana

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Ab 1457 lebt Leonardo da Vinci bei der Familie seines Vaters, der in Florenz als Notar arbeitet, unter anderem für die mächtige Familie der Medici. Der Vater erkennt das nichteheliche Kind als leiblichen Sohn an. Er fördert dessen künstlerische Begabung, sein Interesse fürs Zeichnen und Modellieren. Und er sorgt dafür, dass der Bildhauer, Maler und Goldschmied Andrea del Verrocchio den jungen Leonardo als Schüler in seine Werkstatt aufnimmt. Wie es damals üblich war, übernimmt Leonardo die Gestaltung einzelner Objekte in den Werken seines Meisters, hier eine Hand, dort die Darstellung eines Tiers am Wegesrand. Nach der Ausbildung arbeitet Leonardo als freier Künstler. Schon als junger Mann entwickelt er seine Sfumato genannte Maltechnik aus vielen dünnen Lasurschichten, ein gemalter Weichzeichner-Filter. Es sind produktive Jahre, in denen Porträts und Zeichnungen entstehen, aber es sind auch schwierige Zeiten: Leonardo ist wegen seiner Homosexualität Anfeindungen ausgesetzt.

Was gibt es zu sehen?

Die Gemäldegalerie in den Uffizien beherbergt in ihrer Dauerausstellung neben vielen weiteren Schätzen der Renaissancemalerei auch drei der nur 15 Da-Vinci-Gemälde - sie sind auch online zu besichtigen, falls man die Warteschlangen vor der Kasse scheut. Die Bindungen des Künstlers an die Stadt Florenz untersucht eine Ausstellung im Palazzo Vecchio anhand von Manuskriptseiten aus dem "Codex Atlanticus". Bilder des Lehrmeisters Verrocchio zeigt der Palazzo Strozzi in einer Sonderausstellung.

Die Stadt des Meisters - Vinci in der Toskana

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Die Natur bleibt Leonardos Inspiration, auch als er in der Stadt lebt. Immer wieder zieht es ihn hinaus, oft sind die Landschaften seiner Kindheit sein Ziel, das Sumpfgebiet Padule di Fucecchio oder die Hügel von Montalbano. Am Monte Ceceri bei Florenz versucht er es den Vögeln nachzutun und unternimmt seine legendären Flugversuche. Er zeichnet Blumen, Blätter, Wurzeln, Äste, will nicht nur darstellen, sondern das Wesen der Lebewesen erfassen. Und er fordert auch seine Mitmenschen auf, "die natürliche Schönheit der Welt" zu erkunden.

Was gibt es zu sehen? Die Toskana ist nicht nur Kultur-, sondern auch Wanderland. Größere und kleinere Touren gibt es zuhauf, zum Beispiel zum Monte Ceceri.

Visitors look at ' The Last Supper' Leonardo da Vinci's masterpiece on a refectory wall of the church of Santa Maria delle Grazie in Milan

Quelle: REUTERS

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Doch Leonardo da Vinci ist nicht nur Künstler: Er ist Naturwissenschaftler, Erfinder, Konstrukteur, Architekt. Sein Nachlass umfasst Tausende Blätter mit Notizen und Skizzen, viele aus seiner Zeit in Mailand. 1482 erhält er eine Anstellung am Hof der Sforza, der Herzöge von Mailand, mit einem, man kann es nicht anders sagen, durchaus vielseitigen Aufgabenbereich: Er organisiert höfische Feste - und konstruiert Waffen, entwirft Panzer-Streitwagen, eine Riesen-Armbrust, Kanonen. Die meisten Projekte schaffen es nicht über das Zeichenpapier hinaus. Das gilt auch für ein gigantisches Reiterdenkmal. Die größte Bronzestatue der damaligen Zeit sollte es werden, Leonardo studiert dafür akribisch die Bewegungsabläufe von Pferden. Ein Tonmodell wird noch fertig, für die Bronzestatue soll dann das Material gefehlt haben: Aus dem Metall müssen stattdessen Kanonen gegossen werden. Immerhin ist dem virtuellen Projekt nun eine virtuelle Ausstellung gewidmet.

Zeit fürs Malen bleibt dennoch: Im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie entsteht "Das Abendmahl", ein Bild, das schon bei seiner Entstehung dem Zerfall geweiht ist: Die Farbe wurde nicht, wie bei Fresken, auf den feuchten Putz aufgetragen, sondern auf die trockene Wand und löste sich schon bald wieder vom Untergrund. Viele, viele Restaurierungsversuche später kann es mittlerweile wieder besichtigt werden, allerdings nur im Rahmen vorbestellter Führungen.

Was gibt es zu sehen? In der Bibliothek Ambrosiana wird der Codex Atlanticus verwahrt, die umfangreichste Sammlung von Schriften, Zeichnungen und Notizen des Renaissance-Multitalents. Das nationale Wissenschaftsmuseum zeigt Maschinen und Instrumente des Ingenieurs da Vinci und im Leonardo-Jahr zusätzlich eine Sonderschau mit Objekten und Fresken aus Kunst und Wissenschaft.

Venedig

Quelle: Mao Yuqing/Unsplash

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1499 verlässt Leonardo da Vinci Mailand: Der französische König Ludwig XII. hat seinen Auftraggeber Ludovico Sforza aus der Stadt vertrieben, da hält es auch ihn nicht mehr. Stattdessen bietet er in Venedig, damals bedeutende See- und Handelsmacht im Mittelmeer, seine Dienste als Ingenieur an. Doge Agostino Barbarigo, Staatsoberhaupt der Lagunenstadt, fürchtet einen Angriff türkischer Truppen und ist durchaus interessiert an den Ideen des unkonventionellen Erfinders, plant er doch, die feindlichen Flotten unter Wasser anzugreifen. Da Vinci entwirft U-Boote und lederne Taucheranzüge: Die Unterwassersoldaten sollen Löcher in die Schiffe der feindlichen Kriegsflotte bohren. Realisiert werden auch diese Entwürfe nie, Venedig gewinnt die Schlacht gegen die Türken trotzdem. Da Vinci zieht weiter, auf der Suche nach neuen Gönnern und Auftraggebern und kehrt zunächst nach Florenz, später wieder für einige Jahre nach Mailand zurück.

Was gibt es zu sehen?

Eine Ausstellung in der Galleria dell' Accademia widmet sich noch bis Mitte Juli dem "Vitruvianischen Menschen". Die Zeichnung eines nackten Mannes mit ausgebreiteten Armen und Beinen, nach da Vincis Berechnungen der perfekt proportionierte Mensch, befindet sich seit 1822 in dem Museum am Canal Grande. Sie wird aber, um sie zu schützen, nur zu besonderen Anlässen gezeigt. Aber immerhin ist sie für alle, die es nicht rechtzeitig in die Ausstellung schaffen, bei einem Urlaub in Italien in Form der Ein-Euro-Münzen stets zur Hand.

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Quelle: Alberto Lingria/AFP

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Ob es ihn gefreut hätte? Der internationale Flughafen der italienischen Hauptstadt trägt den Namen des Mannes, der schon im 16. Jahrhundert vom Fliegen träumte, eine große Bronzestatue erinnert an ihn. Ab 1513 lebt Leonardo in Diensten des Vatikans in Rom, glücklich wird er dort nicht. Er vermisst die Wertschätzung, in der Gunst des Papstes stehen jüngere Künstler wie Raffael und Michelangelo höher. Nur knapp drei Jahre bleibt er in Rom, beschäftigt sich vor allem mit anatomischen Studien und entwickelt Reflektoren, um Sonnenenergie in Wärme zu verwandeln.

Was gibt es zu sehen? Der Naturwissenschaftler Leonardo da Vinci steht im Zentrum einer Sonderausstellung mit dem Titel "Die Wissenschaft vor der Wissenschaft" in den "Scuderie del Quriniale". Die Vatikanischen Museen zeigen noch bis 22. Juni in einer Sonderschau direkt am Petersplatz das unvollendete Gemälde "Der heilige Hieronymus in der Wüste". Kleines Jubiläumsgeschenk: Der Eintritt ist frei.

500. Todestag von Leonardo da Vinci

Quelle: dpa

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Ein junger Herrscher bietet dem alternden Künstler und Wissenschaftler das, was er in Rom vermisst: Anerkennung und einen sicheren Lebensabend. 1516 trifft Leonardo in Florenz auf Franz I. von Frankreich, der gerade erst den Thron bestiegen hat. Der Italiener nimmt das Angebot an, nach Amboise in Frankreich überzusiedeln. Mit im Gepäck hat er die Mona Lisa, das Porträt einer jungen Florentinerin mit leicht entrücktem Lächeln. Oder stand doch sein junger Liebhaber Franz Salaì Modell - die Wissenschaft hat diese Frage bislang nicht endgültig klären können. Gewiss ist nur, dass da Vinci das Bild, das er um 1503 malte, nicht bei seinem Auftraggeber ablieferte, sondern stattdessen bei sich behielt, auch beim Umzug nach Frankreich.

Seine letzten Lebensjahre verbringt er im Herrenhaus "Clos Lucé", der König sorgt für finanzielle Sicherheit, für Diener und Gärtner. Das Königsschloss Amboise an der Loire ist nur ein paar Hundert Meter entfernt, Franz I. sucht regelmäßig Leonardos Gesellschaft. Der inzwischen über 60-jährige Leonardo arbeitet weiter, vielseitig wie eh und je: Er organisiert Feste bei Hof und beschäftigt sich mit Fragen der Wasserwirtschaft. Am 2. Mai 1519 stirbt er an seinem Alterssitz (im Bild das Sterbebett). Auch die Mona Lisa wird in Frankreich bleiben: Der König kauft sie aus dem Nachlass.

Was gibt es zu sehen? Leonardos Alterssitz Clos Lucé ist heute ein Museum, natürlich seinem berühmtesten Bewohner gewidmet. Das Schloss Amboise zeigt die Sonderausstellung "1519: der Tod Leonardo da Vincis - die Geburt eines Mythos".

Besucher fotografieren 'Mona Lisa'

Quelle: dpa

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Gelebt hat Leonardo da Vinci nie in Paris, durch die Mona Lisa ist die Stadt dennoch untrennbar mit seinem Namen verbunden. Im Louvre schützt eine Panzerglasscheibe das weltberühmte Gemälde, von dem viele der täglich bis zu 20 000 Besucher nur einen Handy-Schnappschuss aus der Ferne ergattern - oder ihm gleich den Rücken zuwenden, fürs Selfie mit der Schönen.

Was gibt es zu sehen? Neben der Mona Lisa präsentiert der Louvre im Herbst eine große Da-Vinci-Retrospektive mit Leihgaben aus aller Welt. Ob auch aus Italien Bilder und andere Dokumente nach Paris reisen, ist noch Gegenstand von Verhandlungen. Italien ziert sich - vor allem aus politischen Gründen.

© SZ.de/kaeb

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