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Urlaubsbuchung:Last minute reisen - auch im Corona-Sommer?

Reisende warten am Flughafen.

Die Reiselust wächst wieder: Fluggäste warten in Düsseldorf vor einem Check-in-Schalter.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Heute buchen, morgen fliegen: Wer kurzentschlossen reist, kann Geld sparen. Manchmal ist das Schnäppchen allerdings teuer erkauft.

Von Eva Dignös

Das Etikett "last minute" verheißt Schnäppchenpreise für kurzentschlossene Urlauber - ein verlockendes Versprechen, gerade jetzt, wenn langfristige Reisepläne wegen der Corona-Pandemie schwierig sind. Doch was können Reiselustige erwarten, wenn sie "last minute" buchen? Und worauf sollten sie achten?

Was ist eigentlich eine Last-minute-Reise?

Der Begriff ist weder geschützt noch eindeutig definiert. Auf dem deutschen Markt werden damit vor allem Reisen beworben, bei denen nicht mehr als zwei Wochen zwischen Buchung und Abreise liegen. Airlines und Veranstalter versuchen, leere Plätze im Flugzeug oder Hotel noch aufzufüllen, und gewähren deshalb einen Preisnachlass.

Wo können Last-minute-Reisen gebucht werden?

Die ersten Last-minute-Reisen wurden in den Achtzigerjahren direkt am Flughafen verkauft: Die Airlines offerierten dort kurzfristig ihre Restplätze, manche Reisende kamen mit gepacktem Koffer an die Verkaufsschalter, um gleich in den Flieger steigen zu können. Doch längst gibt es sie nicht mehr nur dort, sondern vor allem auf Online-Buchungsplattformen und im Reisebüro. Einige Portale haben sich auf kurzfristige Reisen spezialisiert, die großen Reiseveranstalter haben eigene Last-minute-Töchter.

Gibt es in diesem Jahr überhaupt Last-minute-Reisen?

Langfristig zu planen, ist im Corona-Jahr schwierig. Für viele beliebte Reiseländer außerhalb von Europa gilt nach wie vor eine Reisewarnung. Wer jetzt einen Urlaub plant, hat auch die Folgen des Lockdowns im Frühjahr hat noch vor Augen: Grenzen wurden geschlossen, Quarantänen verhängt, unzählige Reisen abgesagt. Mehr als 200 000 Menschen mussten aus dem Ausland nach Deutschland zurückgeholt werden. Seit Mitte Juni sei jedoch ein deutlicher Anstieg der Buchungen für die Monate Juli und August zu verzeichnen, berichtet der Deutsche Reiseverband (DRV). Der Anteil der Spontan- und Kurzfristbuchungen nehme zu. Besteht für die Veranstalter also gar kein Grund, mit vergünstigten Last-minute-Reisen um zusätzliche Kunden zu werben?

"Im Gegenteil", sagt Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR): "Last minute wird in diesem Sommer bis in den Herbst hinein eine große Rolle spielen: Die Veranstalter werden über den Preis versuchen, die Leute wieder zum Reisen zu bewegen." Die Kapazitäten seien vorhanden, auch wenn Hotels wegen der Hygieneauflagen zum Teil nicht voll belegt werden könnten. Ähnlich ist der Tenor bei den Reiseveranstaltern: "Das Sommergeschäft ist in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Situation generell stark geprägt von Last-minute-Buchungen", sagt Ralph Schiller, Group Managing Director bei FTI. Daher biete der Münchner Konzern kurzfristig buchbare Reisen derzeit nicht nur über seinen Last-minute-Veranstalter 5vorFlug an, sondern auch über FTI Touristik selbst. Und Anja Braun, Sprecherin von Tui Deutschland, wirbt nicht nur um zögerliche Kunden: "Es wird in dieser Sommersaison genügend Angebote geben und auch sehr attraktive Preise. Wir eröffnen sukzessive mehr und mehr Hotels und auch die Flugkapazität wird deutlich ausgebaut."

Für wen lohnen sich Last-minute-Reisen?

Vor allem flexible Reisende profitieren von Last-minute-Angeboten. Ist man dagegen auf einen bestimmten Airport, sein Lieblingshotel und auf den Tag genau auf einen bestimmten Reisezeitraum festgelegt, sinken die Chancen, ein Schnäppchen zu ergattern. Das gelte auch im Corona-Reisesommer, sagt Tui-Sprecherin Braun: "Je kurzfristiger gebucht wird, desto flexibler müssen Urlauber sein, was Reiseziel, Hotel und Abflughafen angeht."

Worauf müssen Verbraucher achten?

Niemand verpflichtet einen Reiseveranstalter, eine Last-minute-Reise tatsächlich günstiger anzubieten. "Verbraucher sollten immer vorher prüfen, ob es sich tatsächlich um das beste Angebot handelt", sagt Reiserechtsexperte Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen. Wichtig ist nicht nur der Preisvergleich, sondern auch die Frage, was für das Geld geboten wird. Manchmal muss für den niedrigeren Preis auf den Transfer vom Flughafen verzichtet werden, manchmal ist die Ersparnis mit einem längeren Umsteigeflug erkauft. "Und bei manchem Schnäppchen handelt es sich schlicht um Ladenhüter", sagt Verbraucherrechtler Cegielka, zum Beispiel um ältere oder schlechter gelegene Hotels. Last-minute hängt immer auch von dem Angebot und der Nachfrage ab - man sollte gut abwägen, zu welchen Kompromissen man im Urlaub tatsächlich bereit ist.

Haben Last-minute-Urlauber dieselben Rechte?

Sofern es sich um eine Pauschalreise handelt - also eine kombinierte Buchung von mindestens zwei Reiseleistungen, zum Beispiel Flug und Hotelzimmer -, genießen Urlauber die vergleichsweise gute Absicherung durch das Pauschalreisegesetz. Ob "last minute" oder schon vor Monaten gebucht wurde, spielt dabei keine Rolle. Sie können eine Entschädigung verlangen, wenn die Reise nicht so verläuft wie angekündigt, wenn der Strand viel weiter entfernt ist als versprochen oder das Hotel einer Baustelle gleicht. Umso wichtiger ist eine möglichst detaillierte Reisebeschreibung. Pauschalurlauber genießen Insolvenzschutz, falls der Veranstalter pleitegeht, und bekommen ihr Geld zurück, wenn die Reise storniert wird - zumindest in der Theorie: In der Praxis war dies nach den Absagen wegen der Corona-Lockdowns zunächst oft nicht der Fall. Der Sicherungsschein ist für Ansprüche nach dem Pauschalreisegesetz ein wichtiges Dokument, er sollte auch mit in den Urlaub genommen werden. Bezahlt wird die Reise erst, wenn er ausgestellt worden ist: "Auf keinen Fall in Vorkasse gehen", warnt Verbraucherjurist Gerrit Cegielka.

Was ist wegen der Corona-Pandemie zu beachten?

"Nur noch zwei Plätze frei": Mit solchen rot blinkenden Marketing-Tricks wird auf Online-Buchungsportalen gern Druck gemacht. Schnäppchengier zahlt sich aber in Corona-Zeiten noch weniger aus als sonst. Vor dem endgültigen Buchungsklick sollten auch Informationen über die Infektionslage am Reiseziel eingeholt werden: Welche Auflagen gelten im Restaurant, am Strand, im Wellnessbereich? Sind die Sehenswürdigkeiten geöffnet? Wie ist die Gesundheitsversorgung? Und: Wie haben sich die Ansteckungsraten entwickelt? Steigen die Zahlen, droht möglicherweise nach der Rückkehr eine Quarantäne zu Hause. "Es gibt viele Ziele, in denen man gut Abstand halten kann. Oft ist es weniger eng als derzeit an den deutschen Küsten", sagt Marija Linnhoff vom Reisebüro-Verband. Über die Situation vor Ort informiert beispielsweise das Auswärtige Amt, ebenso über Einreisebestimmungen: In manchen beliebten Reiseländern wie Griechenland oder Zypern muss man sich vor dem Abflug registrieren und Kontaktdaten hinterlegen. Auch die Reisebüros sind in der Regel über die aktuellen Bestimmungen auf dem Laufenden.

Gibt es Last-minute-Angebote auch für Individualreisende?

Auch manche Hotels schnüren Pakete für Kurzentschlossene. Das Pauschalreiserecht gilt dann allerdings nicht. Last-minute-Ferienhausschnäppchen, die in der Hauptsaison mit superbilligen Traumhäusern in dazu passender Traumlage locken, sind mit Vorsicht zu genießen. So mancher Betrüger will mit der Urlaubssehnsucht Kasse machen. "Wir haben aber keine Anhaltspunkte, dass das in diesem Sommer verstärkt passiert", sagt Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen.

Welche Sparmöglichkeiten hat man außerdem?

Bei vielen Reiseveranstaltern können schon Reisen für den Sommer 2021 gebucht werden, eher als sonst üblich und oft mit Frühbucherrabatt. "Die Preise sind derzeit sehr stabil, davon profitieren auch Reisende, die für das nächste Jahr planen", beobachtet Marija Linnhoff vom Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros. In einigen Monaten könnte das anders aussehen, mutmaßt sie: "Reisen wird teurer werden, wenn sich der Markt konsolidiert hat."

© SZ.de/kaeb
A Berber man leading his dromedary camels into the sand dunes of Erg Chebbi near Merzouga on the periphery of the Sahar

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