bedeckt München 29°

Landeanflug:Gleiten statt Rumpeln

Es liegt nicht allein an der Kunst des Piloten, dass manche Flugzeuge sanfter und leiser landen als andere. Eine neue Technik macht es möglich - allerdings nicht überall.

Wer nachts auf der Autobahn A3 am Frankfurter Flughafen in Richtung Süden vorbeifährt, erblickt bei klarer Sicht ein imposantes Bild am Himmel. Wie Lampions, die an einer Schnur aufgefädelt sind, gleitet ein Flugzeug hinter dem anderen auf Frankfurt zu. Mit jedem Kilometer, den man sich vom Flughafen entfernt, erscheinen neue Landescheinwerfer auf dieser Schnur. Es ist ein Blick in die Zukunft des Luftverkehrs.

Landeanflug, dpa

Nachts landen mehr Maschinen mit dem schonenderen Verfahren.

(Foto: Foto: dpa)

Die Maschinen halten sich dort nicht mehr an die üblichen Regeln für den Anflug auf einen großen Airport. Nachts landen sie im sogenannten CDA-Verfahren (Continuous Descent Approach). Dieser kontinuierliche Sinkflug ist leiser als herkömmliche Landungen, spart Treibstoff und schont Triebwerke wie Umwelt, weil weniger CO2 und Schadstoffe ausgestoßen werden.

Der Unterschied zu einem normalen Landeanflug ist für jeden Passagier erkennbar, der die Flügelstellungen und Triebwerksgeräusche vor einer üblichen Landung kennt. Dort ändert sich die Stellung der Landeklappen, die Triebwerke heulen auf, der Pilot steigert das Tempo, um im nächsten Augenblick den Schub zurückzunehmen, während die Maschine an Höhe verliert.

Diese Wechsel zwischen Beschleunigung und Absinken sind charakteristisch für eine gewöhnliche Landung, bei der die Flugzeuge schrittweise von der Reiseflughöhe bis zum Flughafen sinken. Die ständige Änderung der Klappenstellung und des Schubs steigern jedoch Lärmbelastung und Treibstoffverbrauch.

Bei einer CDA-Landung hingegen wird ein Passagier all das nicht wahrnehmen. Im Idealfall beginnt der Anflug von der Reiseflughöhe auf circa 35.000 Fuß (11 Kilometer). Die Triebwerke werden auf Leerlauf geschaltet, und das Flugzeug sinkt kontinuierlich, ähnlich einem Segelflieger, bis zur Landebahn. Dadurch reduziert sich vor allem der Lärm für Anwohner, die im Umkreis von 15 bis 45 Kilometern vom Flughafen entfernt wohnen. Beim CDA haben die Maschinen in dieser Entfernung nämlich eine größere Höhe als beim normalen Anflug, ihre Triebwerke heulen auch nicht auf.

Die Fluglinien interessiert vor allem der geringere Verbrauch an Kerosin. "Für ein kommerzielles Flugzeug sehen wir Einsparungen zwischen 150 und 500Kilogramm Treibstoff pro Landung", sagt John-Paul Clarke, Direktor des Air Transportation Laboratory am Georgia Institute of Technology in Atlanta. Schätzungen zufolge könnte eine große Fluggesellschaft auf diesem Weg etwa 80Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Die Lärmbelastung der Anwohner dürfte zugleich um sechs Dezibel sinken. Eine Verringerung der Lautstärke um zehn Dezibel empfinden Menschen als Halbierung der Lautstärke.

Clarke forscht unter anderem daran, wie das CDA-Verfahren auf amerikanischen Großflughäfen eingeführt werden kann. Zuletzt testete er den kontinuierlichen Sinkflug auf dem Flughafen Atlanta, der weltweit das größte Passagieraufkommen hat. Solche Tests sind notwendig, weil CDA ganz andere Anforderungen an die Boden-Kontrolle stellt als herkömmliche Landungen.

Wo Sie demnächst in den Genuss der sanften Landung kommen könnten, lesen Sie auf der folgenden Seite.