Es war die Zeit des Vietnamkriegs; Kanadier und Amerikaner waren die ersten, die kamen. Sie kampierten am Strand von Valle Gran Rey, lebten monatelang in den zerklüfteten Felswänden der Schweinebucht. "Unsere Vollmondpartys waren legendär, sehr bewusstseinserweiternd", erzählt die Londonerin Diana Clayton. Wenn sie in Erinnerungen schwelgt, lächelt sie selig. Clayton, eine zierliche Frau mit toupiertem Pferdeschwanz, kam 1970 auf die Insel. Ihr Abenteuer begann sie im Alter von 17 Jahren. "Das Postboot fuhr mitten in der Nacht aus Teneriffa ab, erst acht Stunden später erreichte ich San Sebastián", erzählt sie. Damals gab es keine Häfen, Passagiere wurden mit einem Kran an Land gehievt. Der Weg von der Inselhauptstadt ins Valle Gran Rey war steinig. Es ging über hohe Berge und durch tiefe, von Kleinbauern bewirtschaftete Terrassentäler. "Wir waren auf der Suche nach Ursprünglichkeit, nach einem Leben fernab der Zivilisation", sagt Clayton. Auf der Insel gab es verwunschene Lorbeerwälder und exotische Bananenplantagen, Schluchten, ausgedorrte Landstriche und Steinwüsten. Heute finden Touristen abgesteckte Wanderwege und gut geteerte Straßen mit Steinschlag-Warnungen vor. Damals war das anders: Auf dem einstigen Hippie-Trail sind noch Kreuze zu sehen, die an tote Pilger erinnern.

Bild: dpa-tmn 18. Februar 2011, 09:362011-02-18 09:36:13 © Ina Brzoska, dpa/tmn/kaeb