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Kurioser Streit:Fluggast wartet auf Entschädigung - bis der Gerichtsvollzieher am Rollfeld steht

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Ein Flieger hat Verspätung oder fällt gar ganz aus: Das passiert regelmäßig. Ebenfalls üblich: Wer bei seiner Fluglinie Entschädigung geltend machen möchte, muss erst mal auf sein Geld warten. Manchmal geht dann aber doch alles sehr schnell - zumindest wenn man zu radikaleren Maßnahmen wie der Pfändung eines Jets greift.

Begonnen hat der kuriose Fall bereits vor vier Jahren. Damals, so berichtet Die Welt, hat der Flug MT5192 von Wien ins kubanische Varadero wegen eines technischen Defekts 22 Stunden Verspätung. Ein verärgerter Passagier verlangt von der Airline Condor den nach geltendem EU-Recht höchstmöglichen Entschädigungswert: 600 Euro.

"Als wir davon erfahren haben, haben wir sofort gezahlt"

Die Fluggesellschaft zahlt lange nicht, also schaltet der Betroffene das Fluggastrechte-Portal Flightright ein - deren Mitarbeiter gegen eine Provision ein aufwändiges Mahnverfahren in Gang setzen. Nichts passiert. Bis am vergangenen Donnerstag schließlich Gerichtsvollzieher Gerhard G. am Flughafen Salzburg auftaucht. Er müsse aufs Rollfeld und einen Jet der britischen Firma Thomas Cook Airlines beschlagnahmen, der im Auftrag von Condor unterwegs ist. Geschätzter Wert des Flugzeugs: ein zweistelliger Millionenbetrag.

Angesichts dieser Aussichten lenkt Condor dann sehr schnell ein: "Der Kunde hatte ohne Zweifel diesen Anspruch. Als wir davon erfahren haben, haben wir sofort gezahlt", sagte ein Sprecher im Gespräch mit der Welt. Kein Wunder - schließlich hätte die Pfändung des Ferienfliegers der Airline einen ganzen Schwung neuer Entschädigungsforderungen eingebracht.

Ist nun zu erwarten, dass regelmäßig Gerichtsvollzieher am Flughafen auftauchen und damit drohen, einer Maschine den "Kuckuck" aufzukleben? Wohl eher nicht. Der Fall habe sich ungewöhnlich lang hingezogen, so Flightright. Im Schnitt dauerten derlei Verfahren ein halbes Jahr.

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