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Kuriose Fakten:13 Tatsachen über den Big Ben

Big Ben, London, England

Reinigungskräfte mit Klettererfahrung gesucht: Spezialisten machen die Ziffernblätter des Big Ben sauber. Etwa alle vier Jahre ist so eine Prodzedur notwendig.

(Foto: AFP)

Sie gehören zusammen: London und der Big Ben, die berühmteste Turmuhr der Welt. Mit dem Glockenschlag spricht "The Voice of Britain", die Stimme Großbritanniens, sagt man. Filmemacher müssen nur das prägnante Ziffernblatt zeigen (und vielleicht noch einen roten Doppeldecker-Bus) und innerhalb weniger Augenblicke weiß der Zuschauer, in welcher Stadt die Szene spielt - dabei sieht man "Big Ben" von außen eigentlich gar nicht.

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Big Ben, Buckingham Palace und Tower Bridge: Das Pflichtprogramm für London steht fest. Doch wo sind die Sehenswürdigkeiten, die nicht in jedem Reiseführer stehen? London-Korrespondenten der SZ verraten ihre persönlichen Favoriten - auf einer interaktiven Karte.

  • Wenn man es genau nimmt, bezeichnet "Big Ben" lediglich die schwerste der insgesamt fünf Glocken des Uhrturms am Palace of Westminster. Wie diese "Great Bell" zu ihrem Spitznamen kam, ist nicht ganz klar. Ein möglicher Namensgeber ist Sir Benjamin Hall, zur Zeit der Glocken-Installation 1857 oberster Baubeauftragter der britischen Regierung - und der Legende nach von stattlicher Größe. Eine andere Theorie führt Ben Caunt als Namenspaten an, einen Schwergewichtsboxer. Dieser absolvierte am 22. September 1857 seinen letzten Kampf - als Big Ben.
  • Der Name Big Ben ist im Lauf der Zeit von der Glocke auch auf Uhr und Turm übergegangen. Letzterer hieß offiziell und wenig einfallsreich "Clock Tower", jedenfalls bis 2012. Vor zwei Jahren wurde Big Ben mit einer weiteren britischen Institution vereint: der Queen. Zu deren diamantenem Thronjubiläum wurde das Bauwerk offiziell in "Elizabeth Tower" umgetauft. Royaler Größenwahn? Nicht doch. Schließlich hat auch schon Königin Victoria zu ihrem 60. Jubiläum einen Turm bekommen: den höchsten am Palace of Westminster, der etwa zwei Meter höher ist als der Elizabeth Tower.
  • Eigentlich war der Turm gar nicht vorgesehen: Nach dem schweren Brand 1834 wurde Westminster Palace neu aufgebaut. Im Siegerentwurf hatte Architekt Sir Charles Barry aber keinen Glockenturm geplant - Barry fügte diesen erst nachträglich ein.
  • "Fest gemauert in der Erden / Steht die Form aus Lehm gebrannt": Wer noch Schillers "Lied von der Glocke" auswendig lernen musste, weiß, dass deren Herstellung eine echte Plackerei ist. Umso ärgerlicher, wenn das gute Stück dann bei der Generalprobe zu Bruch geht. Wegen einer Fehlkalkulation war der Schlaghammer viel zu schwer geraten für die große Glocke. Bei den ersten Tests sorgte das prompt für einen meterlangen Riss. So mussten die 17 Tonnen eingeschmolzen und in neue Form gebracht werden. Doch auch die neue Glocke bekam einen Riss. Diesmal drehte man das gute Stück einfach ein bisschen, sodass der Hammer nicht mehr direkt auf die beschädigte Stelle traf - allerdings kam man erst nach vier Jahren auf diese Lösung.
  • Die Glocken schwingen nicht, sie sind fixiert - der Hammer schlägt sie von außen an. Den Ton hört man neun Meilen weit, das sind mehr als 14 Kilometer.
  • Wer den Turm von Innen besichtigen will, muss zwei Bedingungen erfüllen: körperliche Fitness und britische Staatsangehörigkeit. Die 334 Stufen bis zur Spitze müssen zu Fuß überwunden werden, einen Fahrstuhl gibt es nicht. Und weil die Sicherheitsprüfung von Ausländern zu langwierig und teuer war, dürfen seit 2010 aus Angst vor einem Terroranschlag nur noch Einheimische nach aufwändiger Registrierung Big Ben erklimmen (anderen bleibt nur die virtuelle Tour).
  • Der Turm wurde niemals festlich eingeweiht, vielleicht weil eine um fünf Jahre verspätete Fertigstellung kein Grund zum Feiern war.
  • Nicht nur den Londonern klingt das Glockenspiel des Big Ben wohlvertraut in den Ohren, auch den Hörern von BBC Radio 4. Der Sender eröffnet mit dem Gebimmel die Nachrichtensendungen um sechs Uhr abends und um Mitternacht. Zudem ist das Läuten als "Westminsterschlag" mittlerweile eine der meistverwendeten Melodien für Uhren, aber auch für Türklingeln und Schulglocken. Wer genau die eingängige E-Dur-Variation aus e, fis, gis und h komponiert hat, ist nicht abschließend geklärt. Möglicherweise wurde sie inspiriert von einer Arie aus Händels "Messiah". (Auf der Homepage des britischen Parliament wird die Big-Ben-Melodie zum Download angeboten - als Klingelton fürs Handy)
  • Der Minutenzeiger wiegt 100, der Stundenzeiger 300 Kilogramm (allerdings beide mitsamt Gegengewichten) - der Minutenzeiger musste gegen eine leichtere Version ausgetauscht werden, bevor er seine Runden aufnahm.
  • Schlägt es vier Uhr in London, deutet der Zeiger auf eine römische IV - normalerweise wird die Zahl auf Uhren IIII angezeigt.
  • Der Big Ben ist eine beliebte Filmbesetzung. Speziell die Szene aus dem Film "Die 39 Stufen", in der Ingenieur Richard Hannay sich an den Minutenzeiger hängt, um das Zünden einer Bombe zu stoppen, hat sich ins kollektive Filmgedächtnis eingebrannt.
  • Wenn die Sommerzeit endet und die Uhren eine Stunde zurückgestellt werden, ist höchste Konzentration und Disziplin bei den Uhrenmeistern des Westminster-Palace nötig. Nicht nur, dass die komplexe Prozedur, um das Uhrwerk zurückzustellen, fast vier Stunden dauert, an diesem Wochenende findet auch die Wartung und Justierung statt. Die erfolgt übrigens noch immer mit einem Penny. Läuft die Uhr zu schnell, wird eine Münze mehr auf das Pendel gelegt, läuft sie zu langsam, wird eine entfernt. (Hier sehen Sie Bilder vom Abend der Zeitumstellung)
  • Eine Schar Vögel sorgte bei der berühmten Uhr 1949 für eine mehrminütige Verspätung: Es ließen sich so viele Stare auf einem der Minutenzeiger nieder, dass er nicht mehr vorrücken konnte.
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