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Kuriose Fakten:Was Sie noch nicht über diese Sehenswürdigkeiten wissen

Sehenswürdigkeiten in aller Welt bergen überraschende Geschichten.

(Foto: iStock/dpa/AFP)

Was haben preußische Hieroglyphen an den Pyramiden von Gizeh verloren? Wer darf Big Ben besichtigen? Wie verkaufte ein Betrüger den Eiffelturm? Wissenswertes über berühmte Wahrzeichen.

Big Ben, Kolosseum oder Eiffelturm - manche Sehenswürdigkeiten hat jeder schon einmal gesehen. Wenn nicht das Original, dann zumindest auf Postkarten, auf Bildern oder als Souvenir. Touristen posieren vor diesen Attraktionen, um zu zeigen: Ja, auch ich war da. Die Sehenswürdigkeiten sind Symbole für eine Stadt, manchmal sogar für ein Land, eine ganze Kultur. Umso mehr lohnt sich der Blick auf die kleinen Geschichten hinter einem Bauwerk, das jeder in- und auswendig zu kennen glaubt.

Das Kolosseum

Kolosseum in Rom, Antike, Sehenswürdigkeit

Das Kolosseum bei Nacht (Archivaufnahme).

(Foto: ag.dpa)

Solange das Kolosseum steht, wird Rom stehen und solange Rom steht, wird die Welt bestehen, wusste schon der Benediktinermönch Beda Verabilis. Gut für die Welt: Beides ist noch da - auch wenn von der gigantischen, fast 190 Meter langen Arena nur noch Ruinen übrig sind und immer wieder eine mangelhafte Pflege des Denkmals kritisiert wird. Das tut der Popularität des Wahrzeichens der ewigen Stadt jedoch keinen Abbruch. Das Kolosseum ist als Inbegriff des alten Roms weiterhin eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der italienischen Hauptstadt und gerade seine Verfallenheit kündet von der großen Geschichte und so manchem dunklen Geheimnis.

Kolosseum in Rom verfällt weiterhin

Was für ein Schaden

  • In den alten Gemäuern finden sich heute mehr als 350 verschiedene Pflanzenarten, die zum Teil exotischen Ursprung haben. Vermutlich kamen deren Samen mit den wilden Tieren aus allen Teilen der damals bekannten Welt in die Arena - und konnten sich dort unter den geschützten Witterungsbedingungen ausbreiten.
  • Was große Fußballstadien heute können, war im Kolosseum bereits Standard: Ein Sonnensegel aus 80 Einzelteilen wurde über ein Seilsystem gespannt, um die Zuschauer vor Hitze zu schützen. Hundert Mann einer Spezialeinheit der römischen Flotte brachten das Ganze synchronisiert von Trommelschlag in Position.
  • Mit "panem et circenses" - Brot und Spielen - wurde das römische Volk von den Kaisern bei Laune gehalten. Es ging um Unterhaltung für die Massen, quasi das "Dschungelcamp" der alten Römer. Nur, dass damals eine Staffel nicht über 15 Folgen ging, sondern zum Teil mehr als 100 Tage lang. Und auch was die Gesamtspielzeit angeht, hat RTL noch einen weiten Weg vor sich: 450 Jahre lang war das Kolosseum als Arena in Betrieb.
  • Insgesamt 42 Herrscher sahen sich im Laufe der Zeit die Gemetzel in dem Amphitheater an.
  • Schon zur Zeit des alten Roms war das Konzept der VIP-Lounge bestens etabliert. Vier der insgesamt 80 Eingänge waren für Stars und Sternchen des gesellschaftlichen Lebens reserviert. Der Kaiser und weitere hochrangige Politiker hatten ein eigenes Podium für sich, das besonders geschützt war.
  • Mindestens 50 000 Zuschauer hatten im Kolosseum Platz - so viele wie in den Stadien von Frankfurt, Köln oder Nürnberg. Und für das ausgeklügelte Rundsystem, das die Sitzreihen über Korridore und Treppen zugänglich macht, können sich auch heute noch Rettungskräfte und Gebäudemanager begeistern. Ermöglicht es doch, die Arena in nur fünf Minuten zu räumen oder in 15 Minuten komplett zu füllen - solange niemand bummelt oder schubst. Bei den Architekten von damals hieß das System wenig nobel "Vomitoria" - das lateinische "vomitare" bedeutet "sich erbrechen".
  • Dass das Kolosseum längst als geradezu romantisches Fotomotiv gilt, ist reichlich makaber. Historiker gehen davon aus, dass eine halbe Million Menschen bei Gladiatorenkämpfen und Hinrichtungen in der Arena starben. Heute dient die Arena deshalb auch als Mahnmal gegen die Todesstrafe. Immer, wenn ein Staat die Todesstrafe abschafft oder eine Hinrichtung ausgesetzt wird, erstrahlt das Kolosseum für 48 Stunden in bunten Farben.

Zeitreise durch Rom

Vom Wolf zum Ufo

  • Auch Millionen Tiere ließen im Kolosseum ihr Leben. Aus dem gesamten Machtbereich des römischen Reichs wurden alle erdenklichen Arten herangekarrt. Zum Teil wurden durch diese Praxis regional ganze Arten ausgerottet. Das Nilpferd war angesichts der Tierfänger aus Rom die längste Zeit in der Nilregion Ägyptens heimisch. Auch Elefanten und Löwen verschwanden unter anderem aus diesem Grund aus weiten Teilen Afrikas.
  • Im Jahr 435 fanden die letzten Gladiatorenkämpfe im Kolosseum statt, die letzte Tierhatz gab es noch einmal knapp 100 Jahre später, 523 n. Chr. Der Grund für das Ende der blutigen Veranstaltungen: Der Aufwand war schlicht zu kostspielig geworden für die schwindende Bevölkerung im zerfallenden römischen Reich.
  • Über mehrere Jahrhunderte, vom Mittelalter bis in die Zeit der Renaissance, war das Kolosseum vor allem eines: ein gigantischer Steinbruch, aus dem sich die Einheimischen hemmungslos bedienten. So stammen Steine, die im Petersdom oder im Palazzo Barberini verbaut wurden, ursprünglich aus dem Amphitheater. Erst im 18. Jahrhundert begeisterte man sich wieder für die alte Geschichte.
  • Bei seiner Erbauung hieß das Kolosseum noch ganz offiziell "Amphitheatrum Flavium" - die Arena wurde schließlich von den Kaisern der flavischen Dynastie errichtet. Der Name Kolosseum trat erst im Mittelalter auf. Vermutlich geht die Bezeichnung auf eine mehr als 30 Meter hohe Kolossal-Statue für Kaiser Nero zurück, die direkt neben dem Amphitheater stand. Doch einer düsteren Legende nach soll im Kolosseum ein Teufelskult schwarze Messen abgehalten haben. Am Ende einer solchen Zeremonie fragte der Priester dann angeblich seine Gefolgschaft: "Colis eum?" Übersetzt: "Huldigst du diesem?" Daraus wurde dann der Sage nach das "Coliseum", wie die italienische Bezeichnung auch lautet.
  • In den Anfangszeiten des Kolosseums waren Seeschlachten en vogue. Sieben Stunden, so hat es ein Professor aus Edinburgh nachgerechnet, dauerte es wohl, die Arena zu fluten. Später wurde sie unterkellert und mit Falltüren und allerlei Spezialtechnik ausgestattet, sodass plötzlich während eines Kampfes inmitten einer Staubwolke ein wildes Raubtier wie von Zauberhand erschien.
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