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Kultur und Folklore auf Reisen:Wenn Beerdigungsriten als Touristenattraktion gelten

Vielmehr hat man es im Ethnotourismus meistens mit hybriden Kulturen zu tun: "Da werden Pflanzen im Busch gesucht wie ehedem - und dann mit Instant-Pulver aufgekocht", sagt Jennifer Scheffler. Sie hat beobachtet, dass einige Touristen gerade diese Vermischung als authentisch ansehen. Weil es viel glaubhafter sei, dass die Menschen so leben. Puristisch präsentierte Traditionen wirken dagegen schnell aufgesetzt.

Oft ist gar nicht die Zeit, tiefer in eine Kultur einzutauchen. "Selbst bei Studienreisen muss alles recht schnell gehen", sagt Rainer Hartmann. "Das ist schwierig." Deshalb hat vieles im Ethnotourismus einen Vorführungscharakter. Gut informierte Individualreisende mit ausreichend Zeit sind eine zu kleine ökonomische Basis, um darauf ein touristisches Angebot aufzubauen. Dennoch ist ein kleiner kultureller Austausch möglich. "Veranstalter und Reiseleiter spielen als Vermittler eine entscheidende Rolle", sagt Hartmann - weshalb man sie sorgfältig auswählen sollte.

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Beinahe unvermeidlich ist es, dass Nichteinheimische eine Rolle im Ethnotourismus spielen. Scheffler kennt kein Projekt, das komplett in San-sprachiger Hand ist: Als Makler, NGO-Mitarbeiter oder derlei sei immer ein Europäischstämmiger dabei, sagt sie. "Meist haben die Mitwirkenden in privat geführten Ethnotourismus-Angeboten weniger Gestaltungsmacht als bei den gemeinschaftsbasierten."

Noch einmal anders ist die Situation in Tana Toraja, Indonesien. Dort gibt es opulente und kostspielige Beerdigungsriten, die seit etwa 40 Jahren auch eine Touristenattraktion sind. Auf den ersten Blick erscheinen daran Voyeurismus und Schmarotzertum problematisch: Es gibt schließlich in unserer westlichen Vorstellung kaum etwas Intimeres als den Abschied von einem Toten. Und als vergleichsweise vermögender Tourist sich bei den Feierlichkeiten feilhalten zu lassen, erscheint ebenfalls nicht in Ordnung.

Mechthild von Vacano hat eine Studie über dieses Beispiel des Ethnotourismus erstellt, sie teilt diese Einwände nicht. Denn viele Gäste zu haben, sei bei diesen Beerdigungsfeierlichkeiten eine Sache des Prestiges. Ähnliches gilt auch für die San im südlichen Afrika: Innerhalb der Länder, in denen sie leben, sind sie eine marginalisierte Bevölkerungsgruppe. Für sie ist es eine Genugtuung, dass Touristen sich speziell für ihre Kultur interessieren.

Was Urlaubern nicht exotisch genug erscheint, gilt schnell als unauthentisch

Beim Beerdigungs-Tourismus in Tana Toraja hat sich eine Form von Eintrittsgeld etabliert: eine Stange Zigaretten als Gastgeschenk. Aber die Kosten der Zeremonien sind so exorbitant hoch, dass ein paar Touristen kaum ins Gewicht fallen, so Vacano. Sie sieht die Schwierigkeiten an anderer Stelle: Touristen bekommen in Tana Toraja in der Regel nur die vermeintlichen Höhepunkte der Zeremonie gezeigt, etwa die blutige Opferung von Büffeln. "Das wird zu einem Erlebnis absoluter Fremdheit", sagt Vacano, "und das wird dann oft gleichgesetzt mit der gesamten Kultur." In Wahrheit bleibt vieles ausgeblendet oder wird, weil es nicht exotisch genug erscheint, als nicht authentisch abqualifiziert.

Um diese Feste ausrichten zu können, müssen große Vermögen mobilisiert werden. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle. Die Feiern abzuschaffen oder einzudämmen, wie in der dortigen Gesellschaft inzwischen diskutiert wird, wäre wirtschaftlich klug. Der Ethnotourismus befördert natürlich eher die Beibehaltung.

Die tendenziell verklärende Grundhaltung im Ethnotourismus kann jedoch auch ihr Gutes haben: "Vieles wird durch den Tourismus wieder lebendiger gemacht", sagt Jennifer Scheffler. Erst das Interesse der Fremden führt manchmal zu einer Rückbesinnung auf die eigenen, in den Hintergrund gerückten Traditionen.

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