Kubanische Oldtimer Rauchzeichen aus Havanna

Sie waren Statussymbole des Kapitalismus, heute sind die Oldtimer aus vorrevolutionärer Zeit längst kubanisches Kulturgut - Eine Probefahrt.

Von Margit Kohl

Wo Kommunisten leben, sterben die Probleme, heißt einer dieser platten Propagandasprüche auf Kuba, die man bisweilen auf Werbetafeln am Straßenrand findet. Vermutlich fallen sie einem nur deshalb auf, weil das Land in kommerziellen Dingen sonst eine gänzlich werbefreie Zone ist.

Alltag auf Kuba

Havanna, mi amor

Aus der Kühlerhaube unseres Ford Victoria Baujahr 1953 steigt indes grauer Rauch auf, der mittlerweile direkt in den Fahrgastraum hineindrückt und einem nur deshalb nicht das Hirn vernebelt, weil es sich bei diesem Wagen um ein Cabriolet handelt.

Als Beifahrer würde man dennoch am liebsten aus dem Auto springen, aus Angst, das Gefährt könnte gleich in Flammen aufgehen. Schließlich liegt die letzte Panne erst eine Viertelstunde zurück, als der Taxifahrer nach einem kurzen Zwischenstopp seinen Ford nicht mehr zum Laufen brachte, ohne für eine kurze Montageaktion hinter der Kühlerhaube zu versinken.

Das wird's wohl jetzt gewesen sein mit der nostalgischen Oldtimerfahrt durch Alt-Havanna, denkt man als Fahrgast, doch der Taxi-Chauffeur verzieht noch immer keine Miene. Nein, er lächelt sogar. Immerhin fährt er langsam rechts ran und bedeutet einem, dass das bisschen Rauch kein Grund zur Panik sei. Na dann möchte man im real existierenden Sozialismus doch gern auch dieses Problemchen sterben sehen. Als hätte er einen laut denken hören, sagt der Fahrer: ,,Kubaner finden immer eine Lösung.''

Fürwahr, auf Kuba muss man schon allein wegen des Handelsembargos, das die USA seit 1961 verhängt haben, erfinderisch sein. Da werden abgeschnittene Strumpfhosenoberteile zu Mützen umfunktioniert, kleine Knöpfe als Paillettenersatz auf Abendkleider genäht und Omas Silbergabel aus vorrevolutionärer Zeit wird zum Armreif umfunktioniert. Auch unser Fahrer ist inzwischen unter der Kühlerhaube fündig geworden und hält grinsend die verkokelten Plastikgriffreste einer Beißzange in den Händen. Das Werkzeug hatte er bei der vorangegangenen Reparaturaktion doch glatt auf dem Motorblock liegen lassen, weshalb sich das Plastik nun gänzlich in Rauch aufgelöst hat. Problem gelöst, einsteigen, weiter geht die Fahrt durch Havannas Altstadt.

Sie galt einst als Perle unter den Städten der Karibik und lebt heute, zumindest in den Augen der Touristen, von ihrem morbiden Charme und einer einzigartigen Mischung aus Tropen und Sozialismus, Prachtbauten und Ruinen, russischen Ladas und amerikanischen Oldtimerlimousinen aus vorrevolutionärer Zeit. ,,Wenn es etwas in dieser Stadt im Überfluss gibt, dann sind es die Einstürze'', schreibt der kubanische Schriftsteller Abilio Estévez in ,,Los palacios distantes'' (Die fernen Paläste), einem Schlüsselroman über den Zerfall Havannas und seines politisch maroden Regimes. Der architektonische Stilmix aus Klassizismus, Barock, Empire und Jugendstil verbindet sich mit den mit Wäscheleinen, Vogelkäfigen und mit jeder Menge Gerümpel bestückten Balkonen zu einer höchst surrealen Kulisse. Während im Stadtteil von Habana Vieja die Sanierungsmaßnahmen unter Regie der Unesco in großen Teilen schon umgesetzt sind, recken nur ein paar Häuserblocks weiter Ruinen ihre Stümpfe wie ein kariöses Gebiss in den Himmel.

Zwar sehen manche windschiefe Gebäude so aus, als sollte man keine Zeit mehr verlieren und die Bewohner schnell in Sicherheit bringen; die Menschen wollen aber lieber bleiben - aus Furcht, sie könnten im Falle einer Sanierung für immer in einen Plattenbau an den Stadtrand verbannt werden.