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Krüger-Nationalpark in Südafrika:Die Hoffnung für die Nashörner: Hunde

Die Wilderer kommen mit Hubschraubern und Nachtsichtgeräten in den Busch. Die Ranger sind angehalten, Meldung zu machen, sobald sie einen Helikopter sehen - auch wenn damit meist nur Gäste eingeflogen werden. Wenn er jetzt Geier sehe, sagt Ross Couper, fahre er dorthin, wo es die Vögel hinzieht. Nachsehen, ob es diesmal eines seiner Nashörner erwischt hat.

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Ein Ranger der South African National Parks (SANParks) patroulliert 2011 zum Schutz der Nashörner im Krügerpark.

(Foto: AFP)

Sie können ja nichts tun, um die Nachfrage abzustellen, sie können nur versuchen, die Wilderer fernzuhalten. Die Armee ist lediglich im Krügerpark im Einsatz, die privaten Wild-Reservate müssen sehen, wo sie bleiben. Wer zahlungskräftige Touristen beherbergt, ist da klar im Vorteil.

Wie etwa die Singita-Gruppe, die unter anderem auf dem Gebiet des Wildreservats Sabi Sand Luxus-Lodges unterhält. Seit einem Jahr gibt es hier eine Hundestaffel. Seitdem habe man kein Nashorn verloren, sagt Mark Broodryk, der Sicherheitschef. Allerdings ist auch ihm klar, dass die Wilderer nicht verschwinden, sie weichen nur aus in andere, weniger gut geschützte Gebiete. "Softer targets", nennt sie Broodryk.

Die Hunde, sie sind in Südafrika ein neuer Verbündeter im Kampf gegen die Wilderei. Weimaraner und Belgische Schäferhunde setzen sie bei Singita ein; Hunde mit einem großen Spieltrieb, mit Ausdauer - und einer Anmutung, die einzuschüchtern vermag.

In den Dörfern rund um die Reservate würden die Menschen nur kleine Hunde kennen, "pets", Schmusetiere, sagt Conraad de Rosner, der Chef der Hundestaffel. Seine Hunde tragen Namen wie Anubis oder Landa, was in der Sprache der Zulu so viel bedeutet wie: fass!

De Rosner kann seine Hunde nach Nashörnern suchen lassen, "umkhombe" sagt er, wenn er ein Breitmaulnashorn meint, die mit etwa 20.000 in Afrika lebenden Exemplaren noch weiter verbreitete Art. Lässt er die Hunde nach einem Spitzmaulnashorn suchen, ruft er "umbegane". Nur noch etwa 4800 Spitzmaulnashörner gibt es auf dem afrikanischen Kontinent nach Schätzungen des WWF. Die Hunde können auch in der Nacht die Spur eines Wilderers verfolgen.

Sie kennen den Geruch des Horns, finden Häuser, in dem Munition lagert. Doch allein, ohne den Geleitschutz der Polizei, würde de Rosner nie mit seinen Hunden in ein Dorf gehen. Ein Weißer, der einen Schwarzen verhaften will? In dem Land, in dem jede Erinnerung an die Apartheid die Herzen aufwühlen und den Verstand ausschalten kann. "Das wäre lebensgefährlich", sagt de Rosner. Und lebensgefährlich ist jede Patrouille auch für die Hunde. "Sie sind ja die, die vorne dran sind."

Die Touristen in den Lodges bekommen von der Arbeit im Backoffice nichts mit. Wobei dieses Backoffice Zehntausende Hektar umfasst, eine Wildnis, schwer zu überblicken auch für die Ranger. De Rosner und sein Team sind 24 Stunden in Schichtarbeit unterwegs. Wer de Rosner treffen will, muss es um sieben Uhr morgens tun, wenn er gerade von der Nachtpatrouille zurück ist, mit müden Augen und einem Kaffee in der Hand. Eine Stunde später wird er seinen Kollegen aufwecken, der mit ihm ins Haus gekommen ist und sich gerade schlafen gelegt hat. "Alarm am Zaun", sagt de Rosner und deutet auf sein Handy.

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