Kolumne "Ende der Reise":Bußgeld für Badegäste

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Kolumne "Ende der Reise": 200 Euro soll es an den Stränden von Baška auf der kroatischen Insel Krk bald kosten, wenn man eine Strandliege mit seinem Handtuch reserviert.

200 Euro soll es an den Stränden von Baška auf der kroatischen Insel Krk bald kosten, wenn man eine Strandliege mit seinem Handtuch reserviert.

(Foto: Hahne/Eibner-Pressefoto/imago images)

Wer Strandliegen mit Handtüchern reserviert, wird auf der kroatischen Insel Krk bald zur Kasse gebeten.

Glosse von Stefan Fischer

Und dann das! Man denkt ja immer: Kurzbehoste Landsleute am Mittelmeerstrand, die Socken in den Sandalen tragen, seien ein Klischee aus längst vergangenen Jahrzehnten. Oder dass es Deutsche auch im Süden überwiegend nach Eisbein mit Sauerkraut gelüsten würde. Das mag vielleicht in den Fünfzigerjahren so gewesen sein. Aber doch nicht in unserer laktose- und glutenfreien Veggie-Gegenwart. Schließlich noch die Mär von all den Pool- und Strandliegen, die schon frühmorgens mit Handtüchern reserviert werden - wer, bitteschön, tut das heute noch?!

Nun, offenbar eine ganze Heerschar von Touristen. Nicht das mit den Socken und mit dem Schweinernen, aber doch das mit den Liegen. Nachdem unlängst bereits ein einzelnes Hotel auf Teneriffa angekündigt hatte, sein knappes Personal vor allem dafür einzusetzen, Handtücher wieder einzusammeln, die von Gästen rund um den Pool als Reserviert!-Schilder ausgelegt worden waren, geht man in Kroatien einen verzweifelten Schritt weiter.

Auf der Insel Krk in der bei Urlaubern äußert beliebten Kvarner Bucht sieht man offenbar vor lauter Liegen und Handtüchern keinen Kiesel mehr am Strand. Menschen sieht man auch selten, jedenfalls morgens. Da schlafen die Touristen noch oder frühstücken. Ihre Liegen und Handtücher aber sind schon am Strand, teilweise würden sie von den Badegästen über Nacht dort gelassen, heißt es von Menschen, denen das ein Ärgernis ist. Denen, die sich damit ein Plätzchen sichern wollen, erspart das lästige Schlepperei - und vor allem die Suche nach einem freien Stück Strand, wenn man mal eine Viertelstunde später dran ist.

Die Verwaltung der Ortschaft Baška im Süden von Krk will diese Möblierung ihrer Küste nicht länger hinnehmen. Ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro soll künftig fällig werden, wenn Urlauber statt ihrer selbst die Handtücher zum Sonnen auslegen. Die Frage ist, wie das Abkassieren vonstatten gehen soll. Denn die Übeltäter werden in diesem Fall ja gerade dadurch überführt, dass man sie eben nicht in flagranti erwischt. Lauern Kontrolleure als Badegäste getarnt am Strand, bis notorische Handtuchausbreiter irgendwann aufkreuzen - und verschärfen so das Problem der Überfüllung nur noch?

Wahrscheinlich wird sich rasch ein neues Geschäftsmodell etablieren: Urlauber mit schmalem Budget werden gegen einen Bruchteil des Bußgeldes stellvertretend für die selbsternannten rechtmäßigen Inhaber deren Plätze an der Sonne einnehmen, bis diese sich an den Strand bequemen. Damit wäre dann fast allen geholfen.

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