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Kreuzfahrtschiff "MS Europa":Kreuzfahrt mit Kaviar

Kreuzfahrt MS Europa

Im "The Globe" liegt auf den Tellern ein Brief vom Chef.

(Foto: Hapag-Lloyd-Cruises)

Die "MS Europa", die zu den besten ihrer Klasse zählt, wurde saniert. An Bord des Schiffes geht es jetzt legerer zu - und zugleich feiner. Wird die Reise auch grüner?

Wer die Mitte des Lebens bereits überschritten hat, erinnert sich vielleicht, dass er oder sie sich in dieser Phase neu erfunden hat - etwa mit einer neuen Frisur, mehr Sport, gesünderer Lebensweise. Auch die MS Europa der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd Cruises (HLC), Baujahr 1999, hat in etwa ihre Lebensmitte erreicht - und kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. In den zwei Jahrzehnten hat sie vom Berlitz Cruise Guide, der jährlich die besten Schiffe der Welt bewertet, in der Kategorie "Kleine Schiffe" (251 bis 750 Passagiere) 13 Mal die Bestnote erhalten. Bis sie vor sieben Jahren von ihrer jüngeren Schwester MS Europa II von Platz eins auf zwei verwiesen wurde. Immerhin bleibt der Spitzenplatz in der Familie.

Um auch künftig ganz oben mitzuschwimmen, war die Europa Anfang Oktober bei Blohm & Voss im Trockendock. Ein Werftenaufenthalt sei alle zwei Jahre routinemäßig bei allen Schiffen der Flotte vorgesehen, zu erneuern gebe es immer etwas, sagt die HLC-Sprecherin Negar Etminan - die Gäste erwarteten dies. Im Durchschnitt sind 60 Prozent der Passagiere Stammgäste. Mal werden, wie vor zwei Jahren, die Kabinen renoviert, mal wird die Stromversorgung optimiert oder der Spa-Bereich modernisiert. "Doch dieses Mal", sagt Etminan, "waren die Arbeiten auf dem Schiff aufwendiger und tief greifender als in den Vorjahren." Unter der Leitung von Jochen Hagen vom Hamburger Planungsbüro Cubik³ arbeiteten mehr als 1000 Handwerker von 62 Firmen zwei Wochen lang an dem Schiff. Am 14. Oktober waren sie fertig. Aktuell schwimmt die Europa im Suezkanal mit Kurs auf Dubai.

Was ist denn nun neu auf der Europa? Zunächst wurden ein paar überkommene Bräuche abgeschafft - die Reederei spricht lieber von einer "innovativen, moderneren Interpretation des Kreuzfahrterlebnisses". So wurden das Captain's Dinner und das Galadinner gestrichen; auch der Dresscode wurde gelockert. Die Kleidungsempfehlung lautet nun tagsüber sportlich-leger und abends sportlich-elegant. Lediglich beim Farewell Dinner, einer Art Captain's Dinner light, sollten die Damen ein elegantes Kleid, die Herren einen dunklen Anzug mit Krawatte tragen. Aber lange Abendroben und Dinnerjacketts werden nicht mehr erwartet. "Wir haben in einer Marktstudie Kunden, Reisebüros und Mitarbeiter befragt, was sie von einer modernen Luxuskreuzfahrt erwarten und welche Faktoren Buchungskriterien oder aber Hemmnisse sind", sagt Etminan. Als Negativfaktoren wurden am häufigsten die feste Tischplatzordnung und der zu strenge Dresscode genannt.

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Das erste Feedback sei überwiegend positiv, sagt Etminan, auch wenn sich einige wohl erst an die Neuerungen gewöhnen müssten. Anderen sei wichtig, dass die familiäre Atmosphäre an Bord trotz der Umbauten erhalten bleibe.

Deutlich sichtbare Veränderungen werden Stammkunden des Schiffes vor allem auf Deck vier bemerken, wo sich die meisten Restaurants befinden. Das mannshohe Blumengesteck im Rondell vor den Restauranteingängen ist einem lockeren Arrangement gewichen, durch das man jetzt bis zum Speisesaal Europa hindurchblicken kann. Dort sieht man nun, als Reaktion auf die Umfrage, viele Zweiertische und eine moderne Möblierung. Auch im Venezia fällt auf, dass der biedere Ristorante-Stil mit Wandtapete im Venedig-Print durch elegantes italienisches Design in Ferrari-Rot ersetzt wurde.

MS EUROPA 2019

Bis ins Detail trägt Kevin Fehlings Restaurant „The Globe“ (rechts) auf der MS Europa dessen Handschrift.

(Foto: Christian Wyrwa/Hapag-Lloyd Cruises)

Ein Generationenwechsel hat sich in den Räumlichkeiten vollzogen, die dem Venezia gegenüber liegen. Dort löst der 42 Jahre alte Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling Dieter Müller ab. In dessen vormaligen Räumen hat nun Fehling sein eigenes Restaurant "The Globe by Kevin Fehling" eröffnet. Fehling war zwischen 2002 und 2003 als Souschef auf der MS Europa. "Diese Zeit hat mich geprägt, die Gewürze aus der ganzen Welt finden sich in meiner Küche." Zwanzig Tage im Jahr wird er selbst an Bord sein, in seiner Abwesenheit müssen seine Menüs exakt nach seinen Vorgaben zubereitet werden.

Fehlings Hobby ist die Astronomie, er habe seinerzeit gern auf Deck elf geschlafen. "So konnte ich vor dem Einschlafen die Milchstraße betrachten." Die Milchstraße funkelt auch im abgedunkelten Raum an einer Wand seines Restaurants, das er bis ins Detail mitgestaltet hat. Die Kugelform der Lampen, der Kristallglobus des Amuse-Gueule, die Blumenvasen - alles Referenzen auf die Planeten. Wichtig ist Fehling die Haptik: Teller haben eine Struktur, Armlehnen sind gepolstert, alles solle "dem kulinarischen Erlebnis zu seiner Entfaltung verhelfen". Das aktuelle Menü "Entdeckung" vereint unerwartete Aromen und Rezepte. Die Gänseleber "Pharao" in Form einer antiken Büste reicht er zum Beispiel mit Couscous und Auberginen-Dattelcrème, Minze und Kumquat.

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Auch auf Deck sieben, wo vorher das Fitnessstudio war, gibt es eine Neuerung, die schon jetzt bei der anspruchsvollen Klientel an Bord sehr gut ankommt: Im Seafood Restaurant "Pearls" wird ein Kaviarmenü serviert, das Michael Hofmann, Corporate Chef von HLC, konzipiert hat. Jeden Gang begleitet eine andere Kaviarsorte.

Was läge näher, als bei so viel Kulinarik auch ein wenig an die Gesundheit zu denken? Dem soll das Programm "Refresh Yourself" mit Yoga, Fitness und Entspannung Rechnung tragen. Wer möchte, kann mit ehemaligen Sportgrößen wie der Leichtathletin Heike Drechsler auf dem Sonnendeck joggen. Die Medizinerin Anne Fleck, einigen bekannt aus der TV-Sendung "Gesundheitsdocs", hält Vorträge zur richtigen Ernährung, die man im Büffetrestaurant "Lido" gleich ausprobieren kann.

Weniger sichtbar sind technische Umbauten. So wurden die Ballasttanks erneuert und an die neuen Erfordernisse der International Maritime Organization (IMO) angepasst. "Damit soll vermieden werden, dass Flora und Fauna von einem Fahrtgebiet ins andere verschleppt werden", erklärt Kapitän Olaf Hartmann. Ein umweltfreundlicheres Antriebssystem wurde indes nicht eingebaut. "Wir können auf der Europa keine neue Antriebstechnik einsetzen", sagt der Kapitän, "dafür ist das Schiff aufgrund seiner kleinen Größe nicht geeignet. Und daher ist das baulich nicht umsetzbar." Sprich, es fehlt der Platz für Scrubber, Batterien oder LNG-Tanks.

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Stattdessen kündigt die Reederei an, ab Juli 2020 nur noch Marinegasöl (MGO) mit dem geringsten Schwefelgehalt von 0,1 Prozent zu verwenden und unterbietet damit die bereits ab 1. Januar 2020 geltenden Vorschriften der IMO, nur noch MGO mit maximal 0,5 Prozent Schwefelgehalt zu verwenden. Marinegasöl ist sauberer als Schweröl, seine Zusammensetzung stimmt weitgehend mit der von Heizöl überein. Im Vergleich zu Schweröl emittiert es bei der Verbrennung deutlich weniger Schwefel-, Stickoxide und Feinstaub. So begrüßenswert der Umstieg auf Marinegasöl sein mag: Am klimaschädlichen CO₂-Ausstoß ändert das natürlich nichts. So ist die Europa zwar aufgehübscht worden. Aber die inneren Werte sind die gleichen geblieben.

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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