Kreuzfahrten für Heavy-Metal-Fans Konkurrenz durch Wacken

Der Heavy Metal, der in den achtziger Jahren mit immer schnelleren und lauteren Schlägen gegen das Bürgerliche und Spießige anhämmerte, ist längst im Mainstream angekommen. Selbst ein Mann wie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich im AC/DC-T-Shirt. Aber was heißt schon "der Heavy Metal"? Hardrock wie von AC/DC, Operngesang wie von Nightwish oder harter Gröhl-und-Grunz-Death-Metal wie von Cannibal Corpse, Black Metal, Thrash Metal, Symphonic Metal, Folk Metal: Letztendlich ist nur die Liebe zu Gitarren als gemeinsamer Nenner geblieben, die Musikrichtung hat sich stark ausdifferenziert.

Rockspektakel auf dem Sonnendeck der Majesty of the Seas.

(Foto: Marc Hansen, Michael Jagla)

Im Dezember hat es Piller mit einer zweiten Kreuzfahrt versucht, der "Barge to Hell". Ebenfalls von Miami aus ging es auf die Bahamas, mit deutlich härteren Bands an Bord. Ein Verlustgeschäft: Im Gegensatz zur schnell ausverkauften "70.000 Tons of Metal" war nur knapp mehr als die Hälfte der Kabinen gebucht. Die Fahrt in die Vorweihnachtszeit zu legen, sei wohl nicht so schlau gewesen, sagt Piller. Vor allem die Europäer, die sonst das Schiff bevölkerten, erhielten in der Zeit oft keinen Urlaub.

Im Mai bekommt Piller Konkurrenz: Die Macher des Wacken Open Air Heavy-Metal-Festivals veranstalten in der Nordsee eine "Full Metal Cruise" auf der Mein Schiff 1 von Tui. Dass er dadurch Fans verliert, glaubt Piller nicht. "Konkurrenz belebt das Geschäft. Und die Nordsee ist eben nicht die Karibik", sagt er und zeigt grinsend auf das glitzernde Meer. "Der Blick aufs Wasser macht einen immer wieder ruhig", sagt er. Mit erhobener Stimme, denn von der Bühne knallt der Sound der Band Anacrusis herüber.

Kuriose Klagen

Biene bremst Flugzeug aus

Generell ist bei der Heavy Metal-Cruise der Umgang der Fans miteinander, mit den Bands oder mit dem Schiff von Respekt geprägt. "Es sitzen halt alle in einem Boot", sagt Skipper Piller. Während auf anderen großen Festivals auch schon mal Wassermelonen und Dosensuppen in Zelte fliegen, das Dixi-Klo umgeschubst und mit Schlamm geworfen wird, sei hier noch nie etwas kaputt gegangen.

Unter Deck, in einer engen Viermann-Kabine ohne Fenster, faltet das brasilianische Zimmermädchen Christiamary akkurat die Handtücher zusammen. "Ihr seid ordentlicher als die Leute auf den normalen Kreuzfahrten", sagt sie und lacht. Sechs Monate am Stück lebt sie an Bord. Auf die Heavy-Metal-Cruise freuten sie und ihre Kollegen sich immer am meisten: Gute Stimmung - und keiner meckere herum. Während sich die Gäste durch die luxuriöse Umgebung deutlich gesitteter benehmen als bei einem normalen Festival, blühen die 900 Servicekräfte sichtlich auf, posieren mit den Fans für Fotos und erheben die Hand zum Metal-Gruß. Die leichte Scheu, die das Personal im ersten Festival-Jahr noch an den Tag gelegt hatte, ist bei vielen gewichen.

Schwarze T-Shirts auf weißen Liegestühlen, blutrünstige Tätowierungen in schicken Glas-Fahrstühlen, weiße Servietten auf Nieten-Shorts: Heavy Metal und ein Kreuzfahrtschiff, das passt nur auf den ersten Blick nicht zusammen. Zum Wacken-Open-Air kommen einige im gut eingerichteten Campingwagen. Sie bauen kleine Zeltdörfer oder sogar Jägerzäune, die Klassiker unter den Gartenzäunen. Die Fans sind mit den Bands älter geworden - und bequemer. Eigentlich sind Metal-Fans ebenso loyal und traditionsbewusst wie Rentner, die jedes Jahr im gleichen Hotel im Schwarzwald Urlaub machen: Sie hören seit 30 Jahren dieselben Lieder, tragen dieselben T-Shirts, dieselben Frisuren und fahren auf dieselben Festivals.