Kreuzfahrten Ein bisschen Bora Bora

Früher galt die teure Uhr oder das teure Auto als Luxus - heute ist es die Fahrt mit dem Traumschiff. Kinderbetreuung, Sushi und kein Anzug im Restaurant: Wie die Anbieter von Kreuzfahrten Berufstätige an Bord locken wollen.

Von Kristina Läsker

Wunderkerzen beim Kapitänsdinner, Harald Schmidt als Kreuzfahrtdirektor und ein Schiffsdoktor, der Vater und Tochter nach Jahren des Zorns versöhnt: Die Bilder aus Polynesien konnten kaum kitschiger sein - doch sie brachten Quote. Etwa 8,95 Millionen Zuschauer begleiteten das Traumschiff am 1. Januar ins Südseeparadies Bora Bora. Der Luxusliner des ZDF lockte die meisten Zuschauer: Jeder Vierte verbrachte seinen Neujahrsabend beim Traumschiff.

Das Kreuzfahrtschiff MS Europa fährt durch den Hafen von Hamburg. Der Urlaub auf den Luxusdampfern wird immer beliebter - doch leisten können es sich nur wenige: ein neues 5-Sterne-Schiff soll mindestens 500 Euro am Tag kosten.

(Foto: dpa)

Die Deutschen und die Kreuzfahrten - das ist eine besondere Liebe. Eine, mit der sich Geld verdienen lässt, Nicht nur beim Zweiten Deutschen Fernsehen. Immer mehr Menschen lassen sich von der Vision betören, selbst ein bisschen Bora Bora zu werden. So stieg die Zahl der deutschen Kreuzfahrtpassagiere in den letzten zehn Jahren von 0,5 auf 1,4 Millionen. "Ein sehr profitables Geschäft", schwärmt Sebastian Ahrens, Chef von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Er setzt darauf, dass sich die Luxusreisen hierzulande schon bald verdreifachen.

Dafür setzen Anbieter auf die Reichen und ihre Leidenschaft für Luxus. Damit könnten sie richtig liegen, das zeigen jüngste Studien. Demnach galten früher materielle Werte wie teure Uhren, Gemälde oder Autos als wahrer Luxus. Heute zählen - gerade für die Mittelschicht - auch teure Dienstleistungen wie Kreuzfahrten zum wünschenswerten Luxus.

Das ließ sich bereits beim Traumschiff im pazifischen Ozean erahnen. An Bord waren nicht nur - wie auf vielen Schiffen üblich - begüterte Rentner, sondern auch Familie Hoffmann: ein viel telefonierender Manager samt Frau und Tochter. Für solche Gutverdiener lässt Hapag-Lloyd Kreuzfahrten nun eine Neuauflage der MS Europa bauen.

Das 5-Sterne-Schiff Europa 2 soll alles bieten, was sich für "Best-Ager" in einen Kurztrip pressen lässt. Vorgesehen sind neben Penthouse-Suiten sieben Restaurants samt Sushi-Bar, eine Wellnesszone, ein Pool mit Bühne, der unter einem Glasdach verschwinden kann und Betreuung für die Kinder. Ein "ganz luxuriöses Ambiente", so Ahrens. "Da können Urlauber mit Lounge-Musik chillen."

Leisten können sich das nur wenige: Die Reisen werden mindestens 500 Euro am Tag kosten. Wer solch spendable Urlauber locken will, muss auf angestaubte Rituale verzichten. Auf der Europa 2 soll alles wegfallen, was nach zu viel Knigge aussieht: kein Anzug mehr beim Dinner, kein Kapitänstisch mit handverlesenen Gästen, keine feste Sitzordnung, kein Farewell-Essen mit Wunderkerzen. Ade, Du schöne Traumschiffwelt.

Knigge für die Kreuzfahrt

Kurs auf Manieren