Fußballkreuzfahrt im Mittelmeer:"Wie zu Hause" "Nein, da gibt es keinen Service"

Die Vorzüge eines Schiffs haben die jungen Passagiere schnell verinnerlicht. In der zwölften Etage steht ein Junge am Getränkeautomat und lässt Cola in ein Glas rauschen, trinkt es auf ex, füllt neu ein. Seitlich von ihm steht ein Steward, der plötzlich eine warnende Handbewegung macht. Zu spät. Der Vater biegt um die Ecke, stemmt die Hände in die Hüfte und sagt: "So sieht also Wasser aus, ja?"

Der Cruise Director Stephan Zimmermann kennt das Phänomen: "In den Ferien verbrauchen wir mehr Pommes, Ketchup und Cola - und alles, was sonst noch verboten ist." Das Personal deckt die Kinder. Aus 40 Nationen stammen die Stewards, und keiner von ihnen fragt die Kleinen, ob es ihnen denn erlaubt ist, den Teller mit zehn Stücken Pizza zu beladen. Stattdessen helfen sie tragen. Viele haben selbst Kinder - zu Hause. "Ich habe eine 75-Prozent-Frauenquote in meiner Familie", erzählt Kapitän Ioannis Anastasiou. Zwei Töchter hat er. Wie oft er sie sehe, fragt ein Kind. Täglich, über Skype, antwortet der Kapitän. Und wann ist er bei ihnen? Alle vier Monate hat er zwei Monate Heimaturlaub.

So ähnlich ist es bei Paul und mir jetzt auch. Wir sind zusammen unterwegs - und sehen uns gefühlte 15 Minuten am Tag. "Das ist so toll", sagt Paul am Abend des ersten Tages; ich hatte mir zuvor Lecce angeschaut, ohne ihn. "An Bord gibt es alles, was ich brauche: Fußball, Essen und Trinken." Er hat nach Priorität geordnet. "Wie zu Hause", antworte ich, aber Paul schüttelt den Kopf. "Nein, da gibt es keinen Service, da muss ich mein Zimmer selbst aufräumen." Von den Ländern, der Kultur, den antiken Städten - keine Rede. Pauls Welt endet dort, wo die winzigen Wellen auslaufen, die das Schiff produziert. "Lecce ist so schön", fange ich an. "Fußball spielen auch." Und so bleibt es, bis wir in der Bucht von Kotor in Montenegro ankern.

"Hast du mich im Kajak gesehen?", frage ich Paul, der in der Videospiel-Lounge ist, bei einem virtuellen Fußballspiel. Er schaut nicht einmal auf. "Die Sonne scheint, und ihr zockt hier", leiere ich meinen Spruch herunter. "Ja, weil die Sonne scheint", antworten vier Jungs vor einem Fernseher, der so groß ist wie ein Esstisch. "Viel zu sehr scheint die nämlich." Mein Kopf wummert ein bisschen und meine Beine sind schwer.

Am nächsten Morgen glüht mein Körper. Alles schwankt, obwohl wir festgezurrt im Hafen von Korfu liegen. "Sonnenstich!", sage ich zu Paul, der sich die Clownspaste aufstreicht. "Sonnencreme, Kappe, Wasser?", fragt er mich und holt mir etwas zu trinken aus dem Bistro, dann verschwindet er mit seinem Ball. "Wollen wir auch mal etwas zusammen machen?", frage ich, "was ganz anderes?"

Am Abend sitzen wir im Restaurant, haben Steinbutt-Lasagne auf unseren Tellern, und neben uns ist der Seifenfabrikant Klar gestorben. Nur, wer hat ihn umgebracht? Sechs Gänge hat das Menü, so lange wird zwischen den Stühlen ein Krimi aufgeführt, und wir rätseln mit, wer da wem das Gift in den Drink geschüttet hat und warum. "Sonnenstich, vielleicht?", mutmaßt Paul als Motiv und schaut mich an. Darauf ich: "Oder das Opfer hat den einzigen Fußball über Bord geschossen."

Informationen

Reisearrangement:Tui Cruises bietet die siebentägige Kreuzfahrt "Adria mit Kroatien" auf der Mein Schiff 3 ab Valetta/Malta an. In der Balkonkabine all-inclusive ab 1699 Euro pro Person, mit Flügen ab 2059 Euro pro Person. Ab dem dritten Bett reisen Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren kostenlos mit und zahlen nur den Flugpreis. Der Preis für das einwöchige Fußballcamp der FC St. Pauli Rabauken beträgt 189 Euro pro Person. Das Fußballcamp wird erst in den Sommerferien 2016 wieder auf der Mein Schiff 3 stattfinden. Buchungen über Tui Cruises: www.tuicruises.com. Informationen zur Fußballschule im Internet: www.rabauken.fcstpauli.com/fussballschule.

© SZ vom 03.09.2015/ihe
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