Die falschen Freunde

Sie sitzen alle im selben Boot: Der Nörgler, der immer etwas am Essen an Bord auszusetzen hat. Der selbsternannte Kreuzfahrtexperte, der Ihnen detailliert erzählt, was am Service auf seiner letzten Kreuzfahrt anders war. Der Möchtegernpolitiker, der beim Abendessen mit Ihnen über die Weltlage diskutiert, obwohl Sie doch nur abschalten wollen. Und der Angeber, der jeden Tag eine andere Rolex am Arm trägt und Ihnen von seiner Privatyacht in Monte Carlo vorschwärmt.

Wenn die Tischordnung Ihnen einen der genannten Typen zuweist, müssen Sie nicht gleich Ihre guten Manieren über Bord werfen. Ein kurzes, diskretes Gespräch mit dem Restaurantchef genügt und Ihre Mahlzeiten verlaufen an einem anderen Tisch wieder ungestört.

Sollten Sie durchhalten wollen oder einfach unempfindlich sein, ist es bei der festen Tischordnung nach wie vor üblich, sich namentlich bekannt zu machen. Schließlich trifft man sich regelmäßig bei jeder Mahlzeit wieder.

Sonst halten Sie es an Bord mit der Vorstellung wie bei allen anderen Urlaubsreisen auch: Erst bei häufigeren Kontakten und dem Wunsch nach näherer Bekanntschaft nennen Sie Ihren Namen. Ein freundlicher Gruß auf den Gängen ist hier genauso höflich wie in jedem Ferienhotel auch.

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28. Januar 2014, 16:302014-01-28 16:30:18 © Süddeutsche.de/dd