bedeckt München 15°
vgwortpixel

Corona-Auswirkungen auf Kreuzfahrten:Alle Mann Fieber messen!

A passenger wearing face mask looks out from a cabin on the World Dream cruise ship, after it had been denied entry in Taiwan amid concerns of coronavirus infection on board, at the Kai Tak Cruise Terminal in Hong Kong

Passagier mit Schutzmaske auf einem Balkon der World Dream: Das Kreuzfahrtschiff liegt am Kai Tak Terminal vor Hongkong in Quarantäne.

(Foto: Reuters)

Coronavirus-Fälle an Land und an Bord: Reedereien leiten ihre Schiffe um und verschärfen die Sicherheitsvorkehrungen.

Gerade noch wurden rückblickend auf das Jahr 2019 Rekord-Passagierzahlen verkündet, doch nun könnte die Nervosität rund um das Coronavirus die Kreuzfahrtbranche empfindlich treffen. Nachdem das Schiff Diamond Princess im Hafen von Yokohama für 14 Tage unter Quarantäne gestellt wurde, weil bei 20 Passagieren das Coronavirus diagnostiziert wurde, reagieren viele Reedereien mit Routenänderungen und Restriktionen: So hat Aida Cruises beschlossen, bei einer im Februar stattfindenden Kreuzfahrt der Aida Vita nicht Hongkong, sondern stattdessen den vietnamesischen Hafen Cai Lan anzulaufen.

Reiserecht und Reiseservice "Kooperationspflicht der Reisenden"
Schiff unter Quarantäne

"Kooperationspflicht der Reisenden"

Schiffsquarantäne wegen des Coronavirus, geänderte Routen, Gesundheitschecks: Juristin Silvia Schattenkirchner erklärt, welche Rechte Kreuzfahrt-Passagiere haben - und wann ihnen Schmerzensgeld zusteht.   Interview von Joachim Becker

Passagiere, die in Hongkong zu- oder aussteigen wollen, müssen dies nun rund 800 Kilometer weiter westlich in der Halong-Bucht tun. "Sie erhalten umfassende Unterstützung bei der Anpassung ihrer An- und Abreisearrangements", heißt es dazu bei Aida. Wer für die zusätzlichen Kosten aufkommt, ist nicht klar. Bei Buchung einer Kreuzfahrt mit Anreise ist aber der Veranstalter beziehungsweise die Reederei in der Pflicht.

Tui Cruises will mit der Mein Schiff 6 am 11. März Hongkong anlaufen. Beim geringsten Sicherheitsrisiko werde aber die Route angepasst, hieß es.

Auch vor Hongkong sitzen Kreuzfahrtpassagiere fest

Zurzeit überprüfen die Behörden in Hongkong alle 3600 Passagiere und Besatzungsmitglieder des Schiffs World Dream. Bei drei Passagieren, die das Schiff bereits am 24. Januar verlassen haben, war das Coronavirus festgestellt worden. Zwei Kreuzfahrtterminals in Hongkong wurden geschlossen.

Viele Reederein verlangen von den Passagieren nun, dass sie Fragebögen zu ihrer Gesundheit ausfüllen, teilweise wird auch vor dem Einstieg Fieber gemessen, etwa bei MSC, wo dies mit kontaktlosen Wärmescannern geschieht. Wer mehr als 38 Grad hat, wird nicht an Bord gelassen.

Wer auf Chinas Festland war, darf nicht mit

Der internationale Kreuzfahrtverband Clia hat beschlossen, dass die Schiffe ab sofort keine Passagiere und Besatzungsmitglieder mehr an Bord nehmen, die in den 14 Tagen vor Reiseantritt auf dem chinesischen Festland unterwegs gewesen sind, egal wo. Zudem würden laut Clia in Abstimmung mit Gesundheitsbehörden und der WHO Reisen geändert, umgeleitet oder gestrichen.

MSC strich drei im Februar geplante Kreuzfahrten des Schiffs Splendida, die von China aus nach Japan führen sollten. Auch Costa Crociere, zu der das jüngst kurzzeitig in Civitavecchia unter Quarantäne gestellte Schiff gehört, hat alle von China ausgehenden Reisen abgesagt.

Öffentliche Gesundheit Ein Erreger, viele Fragen
Coronavirus

Ein Erreger, viele Fragen

Welche Symptome weisen auf eine Corona-Infektion hin? Wie ansteckend ist die Krankheit? Ist ein Mundschutz sinnvoll? Was über das neue Virus bekannt ist.   Von Hanno Charisius, Felix Hütten und Kathrin Zinkant

Dass die Corona-Nervosität zu starken Buchungsrückgängen führen wird, glaubt man bei Clia bisher nicht. "Bisher ist es eine überschaubare Zahl von Fällen", so der National Director von Clia Deutschland, Helge Grammerstorf. Zudem hätten die Reedereien schon Erfahrung, etwa im Umgang mit Noroviren. "Die ohnehin hohen Hygienemaßnahmen wurden noch einmal verschärft." Auf Schiffen gebe es immer medizinisches Personal, und Verdachtsfälle könnten gut isoliert werden.

Laut Clia ist der europäische Kreuzfahrtmarkt in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 5,4 Millionen Passagiere gewachsen, darunter mehr als zwei Millionen Deutsche.

© SZ vom 06.02.2020/kaeb/edi
Fernreise Was China-Reisende jetzt wissen müssen

Coronavirus

Was China-Reisende jetzt wissen müssen

Die Lufthansa streicht Flüge nach China, landet aber in Hongkong: Dürfen Kunden den Urlaub aus Angst vor Ansteckung kostenlos absagen? Und wer bekommt Geld zurück? Ein Überblick.   Von Katja Schnitzler