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Kreuzfahrten in der Pandemie:Auf zur Mitternachtssonne

Hurtigruten rüstet bis zu neun Schiffe auf LNG-Antrieb um

Es geht wieder los: Die Reederei Hurtigruten gehört zu den ersten, die den Betrieb wiederaufnehmen können. Die Touren führen zu den norwegischen Fjorden.

(Foto: Hurtigruten/dpa-tmn)

Die ersten Kreuzfahrtschiffe dürfen wieder auslaufen - unter strengen Auflagen. Aber einige der beliebtesten Regionen sind noch tabu.

Von Monika Maier-Albang

Die erste Reise war umgehend ausgebucht, die Fans des hohen Nordens hatten offenbar sehnsüchtig darauf gewartet. Am Freitag dieser Woche wird Hurtigruten von Hamburg aus Richtung Norwegen starten - die Reederei, die unter norwegischer Flagge fährt, ist damit eine der ersten, die nach dem Corona-Lockdown zaghaft wieder den Kreuzfahrtbetrieb aufnimmt.

Das neue Hybrid-Expeditionsschiff MS Fridtjof Nansen hat 350 Passagiere an Bord, rund 180 weniger als es normalerweise aufnehmen kann. Das ist eine der Sicherheitsvorkehrungen, die verhindern sollen, dass sich das Virus an Bord ausbreitet. Hurtigruten hatte nach eigener Aussage selbst nie einen Covid-19-Fall an Bord, aber die Branche war nach zahlreichen Ausbrüchen auf Schiffen, die die Reedereien mal besser, oft schlechter in den Griff bekamen, in Verruf geraten. Entsprechend hoch sind nun die Hygiene-Regularien, mit denen man versucht, das Vertrauen der Passagiere zurückzugewinnen.

Hurtigruten hat nach eigenen Angaben auf dem Schiff die "Reinigungsfrequenz" erhöht. Zur Kontrolle von Oberflächen werde UV-Licht verwendet. Regelmäßig würden mikrobiologische Proben entnommen und untersucht. Und mehrmals täglich werde bei der Crew die Temperatur gemessen. Die Essenszeiten wurden entzerrt, Markierungen am Boden sollen für die Einhaltung der Abstandsregeln sorgen. Auch das Programm der Tour, die sechs Mal stattfindet, wurde an die Pandemiebedingungen angepasst. Geplant sind Ausfahrten im Kajak und im Tenderboot. Landausflüge wird es weniger geben als zuvor - und wenn, dann werden sie eher in unbewohntes Gebiet als in Ortschaften führen. Der Fokus der ersten Kreuzfahrten sei "naturorientiert", sagt Hurtigruten-Sprecherin Christin Dempewolf. Das ist schon deshalb nötig, weil Norwegen bei Einreisen über den Landweg noch eine zehntägige Quarantäne vorschreibt.

Die Routenfindung ist für eine Reederei wie Hurtigruten leichter, deren Publikum sich ohnehin für Fjordlandschaften, Mitternachtssonne und die Umrundung des Nordkaps begeistert. Möglich sind allerdings bereits wieder Kreuzfahrten, die Städtetouren beinhalten - zunächst allerdings in ausgewählter Nachbarschaft. Wien, Budapest, Amsterdam, Rotterdam oder Bratislava werden schon wieder angefahren. Der Sommer 2020 wird also wohl der Sommer der Nahziele - und der Flusskreuzfahrten.

Die Reederei A-Rosa beispielsweise bietet Reisen auf Donau, Rhein und Douro an. Ab 11. Juli soll Frankreich folgen. Der österreichische Anbieter Donau Touristik spricht von einer schwachen Nachfrage bei Tagesausflügen durch Wien oder die Wachau, hat aber ab Ende Juli die Radkreuzfahrt Passau-Budapest wieder ins Programm aufgenommen. Und wer das mag, kann mit A-Rosa jetzt neu die "idyllischen Hänge des Moseltals" entdecken oder das IJsselmeer in den Niederlanden. Auch Tui Cruises testet gerade Kurztrips auf der Nord- und Ostsee.

Touren übers Mittelmeer gibt es noch nicht. Und wer in die Karibik möchte, muss wohl noch länger warten. Frühestens im Herbst werden die großen Schiffe wieder von US-amerikanischen Häfen auslaufen können. Dort gilt noch bis zum 15. September ein Kreuzfahrtstopp für Schiffe mit mehr als 250 Passagieren und Crewmitgliedern. Aida Cruises, die US-Reederei Carnival und die britische Saga müssen ihre Kunden bis zum 1. August vertrösten. Wie es weitergeht mit der Branche, ist noch schwer abzuschätzen. Vermutlich werden sich Kreuzfahrten insgesamt verändern - schon weil die Länder dafür Sorge tragen müssen, dass ihre Bevölkerung durch das Ausschwärmen von Tausenden Kreuzfahrtgästen in die Hafenorte nicht noch einmal einem Infektionsrisiko ausgesetzt wird. Das Fachmagazin fvw hat "eine Kreuzfahrt, die nur aus Seetagen besteht, als wahrscheinlichste Lösung für den Neustart der Hochseekreuzfahrt" beschrieben. Mit einer Erholung des Marktes wird erst in einigen Jahren gerechnet.

© SZ vom 25.06.2020/ihe
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