Kolumne „Hin und weg“Endlich! Die Kreuzfahrt, die nirgendwo hinführt

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In China kann man jetzt eine „Cruise to Nowhere“ buchen.
In China kann man jetzt eine „Cruise to Nowhere“ buchen. Imago/Eibner

Es gibt wenig, das man auf einem Kreuzfahrtschiff nicht machen kann. Eine chinesische Reederei zieht daraus die überfälligen Konsequenzen.

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Man weiß ja gar nicht, wohin man zuerst soll auf einem Kreuzfahrtschiff: in den Pool oder auf eine Liege, an die Bar oder zu den Fitnessgeräten? Zum Bingo- oder zum Shuffleboard-Turnier? Vor zum Bug, nach hinten ans Heck? In welches Restaurant, zu welcher Show, auf welches Deck? Eine Kreuzfahrt ist ein Kraftakt.

Und kaum hat man sich entschieden, legt das Schiff schon wieder in einem Hafen an. Also alles stehen und liegen lassen, denn die Zeit ist knapp bemessen, in der man sich durch Barcelona-Marseille-Venedig-Dubrovnik schieben lassen kann. Auch hier: unzählige Optionen. Den Dom besichtigen oder shoppen, Souvenirs kaufen oder lieber ein Eis? Oder schafft man gar alles – wenn ja, in welcher Reihenfolge geht man die Dinge am besten an?

Speziell mit den Landgängen ist das so eine Sache: Die Städte sind noch voller als die Schiffe. Und beinahe alles, was es in deren Gassen gibt, bekommt man auch an Bord – Drinks, Snacks, Klamotten, Nippes. Wer nicht versessen darauf ist, Sehenswürdigkeiten über die Köpfe Hunderter anderer Touristen hinweg zu fotografieren oder sie gar zu besichtigen, könnte eigentlich besser auf dem Schiff bleiben. Der Stress wäre für viele Beteiligte geringer, unter den Passagieren genauso wie unter den Bewohnern der beliebten Hafenstädte.

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Eigentlich sind Urlauber auf einem Kreuzfahrtschiff also bestens verräumt. Wonach auch immer ihnen der Sinn steht – chillen oder feiern, essen oder trainieren, flirten oder influencen –, für alles gibt es Möglichkeiten genug und mithin keinen Grund, zwischendurch von Bord zu gehen. Außerdem sind die Feriengäste auf hoher See unter sich und kommen sich nicht in die Quere mit Menschen, die gerade nicht im Touristenmodus unterwegs sind.

Insofern hat die chinesische Reederei Adora Cruises das Konzept Kreuzfahrt konsequent zu Ende gedacht: Im Juni wird die Adora Magic City von Shanghai aus zu einer „Cruise to Nowhere“ auslaufen. Zugegeben, ein Kurztrip, drei Tage dauert die Fahrt. Aber das Schiff wird unterwegs nirgends anlegen, sondern einfach aufs Meer hinausfahren und dort verweilen. Partys, Shows, Sport, dazu Bars und Restaurants, die durchweg geöffnet haben: ein Freizeit-Wochenende, an dem es die Passagiere krachen lassen können. Sei es bei „Team-Extreme-Challenges“ oder mit einem „Sea Tipsy Passport“, einer Cocktail-Flatrate.

In Europa könnten solche puren Kreuzfahrten einige zentrale Probleme der Branche eindämmen: den Overtourism in den Hafenstädten, auch die Umweltverschmutzung, wenn Schiffe nicht mehr quer durchs Mittelmeer oder die Ostsee hetzen, sondern sich lediglich ein paar Seemeilen von der Küste entfernen. Und die Passagiere: Werden nicht mehr unentwegt aus der Parallelwelt, in der sie Ablenkung vom Alltag suchen, zurück in die Realität gerissen.

Stefan Fischer braucht im Urlaub nur mäßig viel Trubel.
Stefan Fischer braucht im Urlaub nur mäßig viel Trubel. Bernd Schifferdecker (Illustration)
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