Kreuzfahrt Boom an Bord

Pro Tag können an den drei Terminals 15000 Passagiere abgefertigt werden. Viele Urlauber bleiben noch - und beleben so das Geschäft.

Von Ingrid Brunner

Beste Lage: Das Kreuzfahrtterminal "Hafen City" hat eine besondere Kulisse

(Foto: mauritius)

Name: Cruise Center Hafen City - CC1

Adresse: Großer Grasbrook/Chicagokai

In Betrieb: seit 2006

Lage: zu Fuß erreichbar von der U-Bahn-Haltestelle Überseequartier

Maximaler Tiefgang: 11 Meter

Länge Liegeplatz: 345 Meter

Landstrom: nein, vermutlich ab 2021

Passagierkapazität: 1000

Schiffsanläufe: 33

Entwurf: Arch. Renner, Hainke, Wirth

Barcelona, Civitavecchia, Southampton - das sind die großen Kreuzfahrthäfen in Europa. Gleichwohl ist die Entwicklung der Kreuzfahrtbranche in Hamburg eine Erfolgsgeschichte. Bis Ende des Jahres sollen circa 220 Kreuzfahrtschiffe an einem der drei Hamburger Kreuzfahrtterminals angelegt haben - mit 880 000 Passagieren. Ein neuer Rekord, nach 197 Anläufen und 810 000 Passagieren im Jahr 2017 sowie 170 Anläufen und 722 000 Passagieren im Jahr 2016. Doch die Hansestadt ist eine kleine Nummer, verglichen mit den Big Three, den drei größten Kreuzfahrthäfen weltweit: Port Miami mit mehr als fünf Millionen Passagieren 2018, gefolgt von Port Canaveral und Port Everglades. Bei den Wachstumszahlen liegt hingegen das vergleichsweise kleine Hamburg mit 12,6 Prozent vor Häfen wie Sydney (plus 8,6 Prozent) oder Miami (plus 5,8 Prozent). Gut möglich also, dass Hamburg im kommenden Jahr an der Schallmauer von einer Million Passagieren kratzt. Ihren Anfang genommen hat diese Entwicklung mit dem Kreuzfahrtterminal Hafen City - ohne Frage ein wunderbarer Ort, um an Bord zu gehen und vorbei an der Elbphilharmonie aus dem Hafen auszufahren. Aktuell entsteht im südlichen Überseequartier ein neues Cruise Center mit einem Mix aus Hotels, Restaurants, Entertainment, Geschäften, Büros und Wohnungen. 2021 soll es eröffnet werden, dann ist das CC1 Opfer des eigenen Erfolges geworden.

Guter Anschluss: Das Terminal "Altona" ist zukunftsweisend

(Foto: Lukas Schulze / dpa)

Name: Cruise Center Altona - CC2

Adresse: Van-der-Smissen-Straße 5

In Betrieb: seit 2011

Anfahrt: über Bhf. Altona, mit dem Bus 111, der S-Bahn oder Hafenfähre

Maximaler Tiefgang: 10,5 Meter

Länge Liegeplatz: 300 Meter

Landstrom: ja

Passagierkapazität: 6000

Schiffsanläufe: 86

Entwurf: Arch. Renner, Hainke, Wirth Superverbindung: Über den Bahnhof Altona reist der Gast mit öffentlichen Verkehrsmitteln direkt bis zum Cruise Terminal Altona. Es ist das bevorzugte Terminal für mittelgroße Transitschiffe und Turnaround-Abfertigungen. Letzteres ist so etwas wie ein Bettenwechsel: Die einen steigen aus, während am gleichen Tag neu ankommende Gäste an Bord gehen. Auch eine andere zukunftsweisende Superverbindung hat Altona zu bieten. Es ist das einzige Terminal weltweit, an dem Kreuzfahrtschiffe mit Landstromversorgung im Hafen liegen können (siehe Artikel unten). Ein Ziel, für das Sacha Rougier, Geschäftsführerin der Cruise Gate Hamburg, auch in anderen Häfen dieser Welt wirbt. Kreuzfahrten und die Schifffahrt generell müssten nachhaltiger werden, findet sie. Für die Hamburger Wirtschaft habe die Kreuzfahrt eine große Bedeutung. Und es sei absehbar, dass in den nächsten Jahren neue Schiffe mit großen Kapazitäten auf den Markt kommen werden. "Wir bieten in Hamburg mit unseren drei Terminals den Reedern die dafür passende Infrastruktur", sagt Rougier. "Und das überzeugt auch immer mehr internationale Reedereien, die mit ihren Schiffen und Gästen nach Hamburg kommen." Das Cruise Center Altona mit seiner Landstromanlage ist wichtig, um Erfahrungen zu sammeln - für Hamburg und die Häfen dieser Welt. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Cruise Terminals bald an den Stecker gehen.

Große Pötte: Das Terminal "Steinwerder" fertigt die Megaliner ab

(Foto: Daniel Reinhardt / dpa)

Name: Cruise Center Steinwerder - CC3

Adresse: Buchheisterstraße 16

In Betrieb: seit 2015

Lage: Bus 156/Fähre 73 bis Argentinienbrücke, Shuttlebus ab Werder

Maximaler Tiefgang: 13 Meter

Länge Liegeplatz: 405 Meter

Landstrom: nein

Passagierkapazität: 8000

Schiffsanläufe: 97

Entwurf: Harder Menzel Architekten

Wenn in Willkom-Höft die MSC Meraviglia, das neue Flaggschiff der Reederei MSC, begrüßt wird, dann steuert sie Steinwerder an. Denn dieser Anleger ist für die größten Kreuzfahrtschiffe konzipiert. Und dazu zählt die Meraviglia, auf der maximal 5714 Passagiere Platz finden. Insgesamt 14 Mal legt das Schiff in der Saison 2018 in Steinwerder an, um nach Großbritannien und Irland oder Island, zu den norwegischen Fjorden oder nach Spitzbergen aufzubrechen. Um solche Megaliner schnell abzufertigen, arbeiten bis zu 100 Personen am Terminal. Zu den Mitarbeitern von Cruise Gate Hamburg kommen Festmacher, Wasserschutzpolizei, Zoll, Sicherheitsfirmen sowie das Personal des jeweiligen Hafenagenten und Abfertigers der Reederei. Selbst die größten Schiffe der Welt, aktuell sind dies die Symphony of the Seas und die Harmony of the Seas der Reederei Royal Caribbean, fänden Platz in Steinwerder. Doch die pendeln ganzjährig zwischen Miami und der Karibik. Immerhin: Am 29. Mai und am 28. August legte ein etwas kleineres Schiff aus der Royal-Caribbean-Familie in Steinwerder an, die Navigator of the Seas. Mit "nur" 311 Metern Länge und einer Passagierkapazität von 3138 war deren Abfertigung kein Problem. So flott auch viele Passagiere an Bord gehen können, so umständlich ist es für Reisende ohne Auto, überhaupt nach Steinwerder zu kommen. Bushaltestelle und Fähranleger liegen einen Kilometer vom Terminal entfernt.

Sauber am Kai: Es dauert, bis Landstrom Normalität wird

Seltener Anblick, noch: So sieht es aus, wenn am Cruise Terminal Hamburg Altona ein Schiff an den Landstrom angeschlossen wird.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Die Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal Altona hat zehn Millionen Euro gekostet. Doch nur ein Schiff, die Aidasol, ist 2017, im ersten Jahr des Regelbetriebs, dort ans Stromnetz gegangen. Aber immerhin hat sie neunmal angelegt. In diesem Jahr wird die Aidasol voraussichtlich 22 Mal kommen. Nicht genügend, kritisieren Umweltschützer. Eine Verschwendung von Steuergeldern, die sich nie rechnen wird, schimpfen andere, zum Beispiel die Opposition im Hamburger Senat. Manfred Lebmeier, bei der Hamburg Port Authority (HPA) zuständig für Umwelt und Nachhaltigkeit, sieht das ganz anders. Er findet, die HPA leiste Pionierarbeit. Die Landstromanlage in Altona ist die erste für Kreuzfahrtschiffe weltweit. "Das ist ein Schritt, der Signalwirkung hat über Hamburg hinaus." Internationale Delegationen reisten an, um die neue Technologie kennenzulernen.

Klar ist: Landstromversorgung wird sich nur dann durchsetzen, wenn möglichst viele Häfen mitmachen und vergleichbare technische Standards haben. Die Gründe für die fehlende Akzeptanz des Landstroms sind vielfältig: MSC Cruises etwa würde nach eigenen Angaben gerne ans Netz gehen, die Schiffe der Reederei sind landstromfähig, aber zu groß für das Terminal Altona. Geplant ist nun eine zweite Anlage in der Hafencity. 2021 soll es dort so weit sein. Dann kann auch die beliebte Queen Mary 2 endlich sauber im Hafen liegen. Auch Hapag-Lloyd Cruises rüstet seine Flotte sukzessive nach, um künftig Landstrom zu beziehen. Eine weitere Hürde ist der Strompreis: Nach wie vor ist es günstiger, während der Liegezeiten die Dieselgeneratoren laufen zu lassen. "Es steht im Koalitionsvertrag, dass die EEG-Umlage für Landstrom reduziert wird", sagt Lebmeier. Sei das Gesetz erst mal verabschiedet, ist es wirtschaftlicher, anzudocken. Spitzenmengen an Elektrizität kurzfristig bereitzustellen, sei für die HPA kein Problem - grünen Strom wohlgemerkt: Aida Cruises habe sich das sogar vertraglich zusichern lassen.

Für die HPA sind Kreuzfahrtschiffe nur ein erster Schritt. Auch Frachtschiffe sollen ans Kabel, die circa 40 000 Frachtschiffe repräsentieren mehr als 90 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs. Rund die Hälfte der großen Containerschiffe seien bereits landstromfähig. Es ist noch viel zu tun, bis alle Schiffe sauber am Kai liegen.