Kolumne "Mitten in ..."Eine Hochzeit mit extra viel Herz

In Fridingen rückt zur Trauung schweres Gerät an. Und im Kaukasus ist die Kulisse fürs Foto perfekt - trotzdem fehlt etwas.

Mitten in ... Fridingen

Samstags wird Rasen gemäht und Auto gewaschen. Wer behauptet, das sei ein Klischee, der möge den Donauradweg nehmen: Väter mähen, Söhne wienern. Außerdem wird samstags geheiratet. Glocken läuten, Autos hupen. Oder, wie in Mühlheim an der Donau: Das Brautpaar tritt aus der Kirche, und eine Gruppe Motorradfahrer lässt die Maschinen röhren. Ein unbeschreiblicher Lärm, der aber von Herzen kommt. Da hat Fridingen, ein paar Kilometer weiter, mehr zu bieten. Vor der Martinuskirche, wo das Brautpaar unter Kastanienbäumen die Glückwünsche entgegennimmt, winden sich die Gelenkarme zweier riesiger Betonpumpen in den Himmel und treffen sich in der Mitte. Sie gehören einer Baufirma, der Bräutigam ist der Chef. Aber was sollen sie darstellen? Ein Tor ins neue Leben? Ein Schaulustiger löst das Rätsel: Die Maschinenarme formen ein gigantisches Herz.

Wolfgang Janisch

SZ vom 2. August 2019

Bild: Marc Herold 11. August 2019, 09:152019-08-11 09:15:01 © SZ/edi/cat