Kolumne "Mitten in ..."Helga - eine tolle Mischung

In London erkennt man echte Weltbürger nicht unbedingt am Namen. Und in München ist der Supermarkt eine sichere Bank.

Mitten in ... London

Kürzlich habe ich eine Frau kennengelernt, die Helga heißt. Das ist nicht weiter verwunderlich; in London laufen sehr, sehr viele Ausländer herum, unter ihnen auch viele Deutsche. Helga aber kommt aus Puerto Rico. Und hat mandelförmige Augen. Ihre Mutter ist nämlich Puertoricanerin, ihr Vater Chinese. Sie hat mit ihrem Mann, einem Amerikaner, lange in Japan gelebt. Neulich fragte ihr Sohn, was - und wer - er eigentlich sei: Lateinamerikaner, Asiate oder irgendwie mittlerweile Europäer, weil er doch in der EU lebt? Seine Mutter antwortete: "Wer du bist? Eine tolle Mischung. Und was du bist? Ein geliebtes Kind." Ich wagte die Frage, warum sie eigentlich Helga heiße. Sie rollte die Augen. "Meine Eltern wollten etwas, was europäisch klang. Sie glaubten, Helga sei europäisch elegant. Und nein, meine Eltern waren keine Nazis. Sie wollten eine tolle Mischung."

Cathrin Kahlweit

SZ vom 5. Juli 2019

Bild: Marc Herold 30. Juni 2019, 12:562019-06-30 12:56:00 © SZ/edi