Kolumne "Mitten in ..."Mit Carlos im Dschungel

Im Nationalpark Corcovado ist zumindest der Tapir echt. Und in Freising haben Helikoptereltern Flügel.

Mitten in ... Corcovado

Ein Tapir hält selig seinen Wanst in den Schlamm, als die Touristen kommen. Sie waten durchs Wasser - in den Nationalpark Corcovado kommt man nur per Boot - und da steht Carlos, der Guide. Oder: das Medium. Séance am Meeresufer. Man solle seine Kinder, seinen Freund, alle Probleme vergessen und im Moment ankommen. Na gut. Carlos läuft durch den Dschungel, zeigt auf Nasenbären, Affen. Nach zwei Stunden, man hat eben die Schwelle vom Sekundär- zum Primärwald übertreten, setzt Carlos sich auf einen Stamm, Séance Nummer zwei, Thema: Carlos. Wie er von daheim weggelaufen, in den USA zur Schule gegangen sei, dann zur Armee: Mali, Irak, er war überall. Wie das Kartell den Bruder ermordet habe, wie er hier in Costa Rica für die Anti-Drogen-Behörde arbeite. Nebenbei hat er mit Jaguaren gelebt, Ökologie studiert... Aber der Tapir, der war echt.

Friederike Zoe Grasshoff

SZ vom 12. Juli 2019

Bild: Marc Herold 30. Juni 2019, 12:562019-06-30 12:56:00 © SZ/edi