Kolumne: Hotel Fatal Wo ist das Bett?

Die Schlafstätten in Hotelzimmern bergen oft gewaltige Überraschungen: Mal lässt sich vom Bett aus die Zimmertür öffnen, mal sollte der Gast nachts lieber den Fahrradhelm auflassen.

Von Max Scharnigg

Ein Bett ist das Einzige, was man in einem Hotelzimmer fast nie suchen muss. Das ist gut so, denn nichts ersehnt der müde Gast mehr, als freie Bahn auf die gebuchte Ruhestätte. In ordentlichen Hotels ist das Bett auch im Dunkeln und selbst nach einem erfolgreichen Klassentreffen noch instinktiv zu erreichen. Und in nicht so ordentlichen Hotels ist es meist auch nicht zu verfehlen - weil es das Zimmer ist.

In teuren Suiten, wie hier in der Royal-Suite im Burj Al Arab in Dubai, kann man schon mal die Übersicht verlieren. Sonst eher nicht.

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Wer England je mit schmalem Budget (also weniger als 60 Pfund pro Nacht) bereist hat, wird nicht umhinkommen, den britischen Hoteliers für ihre Kreativität im Bezug auf effiziente Zimmereinrichtung Respekt zu zollen. Im mittelenglischen Porzellanstädtchen Stoke-on-Trent beispielsweise, kann man mit etwas Fügung ein Zimmer bewohnen, das auf den Hotelgast zugeschnitten ist, wie ein Anzug aus der Savile Row. Allerdings slimfit.

Man kann darin vom Bett aus nicht nur die Zimmertür öffnen, sondern auch Wasserkocher, Hosenbügler und das entzückend schlecht schließende Fenster bedienen. Um das Bett herum verläuft zwar noch ein Anstandsgraben von etwa 20 Zentimetern Breite, für den es sich aber empfiehlt, ihn mit nassen Klamotten (es regnet hier oft) und Tüten des ortsansässigen Wedgwood-Outlets aufzuschütten.

Diese Schanze ermöglicht dann ein angenehmes seitliches Abrollen vom Bett ins Bad. Überflüssig zu sagen, dass es kaum einen bequemeren Zimmeraufenthalt gibt. Einmal im Bett, zwingt einen hier nichts mehr heraus, selbst das Zimmermädchen lässt sich am nächsten Morgen lässig mit einer Hand unter der Klinke abhalten. Keine noch so ausgereifte Multifunktionsfernbedienung kann das ersetzen.

Putzraum oder Präsidentensuite

Wenn sich das Bett einmal selbst nach erfolgreicher Inbetriebnahme der Zimmerbeleuchtung nicht gleich findet, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist man mit seiner Chipkarte gerade in den Putzraum eingebrochen. Oder man wurde mal wieder versehentlich in die Präsidentensuite gebucht. Trifft Letzteres zu, so sollte man nicht zögern, nach dem Butler zu brüllen, der hinter dem Blumenbouquet vortreten und den Weg weisen wird. Steht man tatsächlich im Putz- und Versorgungsraum, empfiehlt sich ein vergleichsweise stummer Rückzug - freilich nicht ohne dabei zwei von diesen Kissenschokoladentäfelchen einzustecken.

Eine niederösterreichische Möglichkeit gibt es auch noch - dann hat man gerade ein Zimmer in einer gewissen Pension in Ybbs an der Donau betreten. In diesem Fall trägt man vermutlich einen Fahrradhelm, denn Ybbs ist Etappe des Donauradweges von Passau nach Wien. Den Helm sollte man hier ruhig auflassen, denn nach kurzer Suche wird man Bekanntschaft mit einem der wenigen, noch touristisch eingesetzten Schrankbetten der Region machen. So ein in die Wand geklapptes Schrankbett bezieht seinen Reiz seit jeher aus enormer Durchschlagskraft bei gleichzeitig gewahrtem Überraschungsmoment. Glücklich derjenige, der nach Betätigen der Mechanik darauf, und nicht darunter liegt.

The George Hotel Swan Square, Burslem, Stoke-on-Trent Staffordshire, England, ST6 2AE, Telefon: +44 (0)1782 577 544 Zimmer ab 70 Euro pro Nacht Lassen Sie sich vom tristen Industriecharme der Stadt nicht unterkriegen. In wenigen Minuten erreichen Sie vom Hotel die ersten Factory-Outlets, in denen Produkte aller namhaften britischen Porzellanfirmen angeboten werden.

Max Scharnigg, 28, arbeitet als Journalist in München und ist Mitglied der jetzt.de-Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Seine Wochenenden verbringt er am liebsten in interessanten Hotelzimmern mit Bad oder Dusche.