Kolumne "Ende der Reise"Vom Nomadentum zum Thermomix

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Alles wird immer größer, auch die Wohmobile. Warum eigentlich?
Alles wird immer größer, auch die Wohmobile. Warum eigentlich? Nik Shuliahin/dpa/obs

Eine kurze Geschichte des Campings zeigt: Der Mensch entwickelt sich nicht immer zum Besseren.

Von Hans Gasser

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Dass die menschliche Entwicklung nicht linear zum Besseren verläuft, wir mitunter krass falsch abbiegen, hat zuletzt der Historiker Yuval Noah Harari eindrucksvoll gezeigt. Nachdem der Homo sapiens Zehntausende Jahre als halbnomadischer Wildbeuter lebte, sich mal hier den Bauch mit reifen Feigen vollschlug, mal dort einen Hirsch erlegte und dann wieder weiterzog, weil es woanders bessere Früchte und Paarhufer gab, insgesamt also ein relativ freies, selbstbestimmtes Leben mit einer exzellenten Work-Life-Balance führte, schwenkten ein paar Übereifrige um. Sie begannen Getreide anzubauen und Ziegen zu halten und blieben das ganze Jahr an einem Ort. Seitdem viele diesem Beispiel folgten, geht es abwärts: Die Nahrung und der Alltag wurden eintönig, von früh bis spät musste man sich bücken und hart arbeiten.

Da ist es kein Wunder, dass nach reichlich 12 000 Jahren dieser Fron immer mehr Menschen darauf kamen, wieder zu ihrer natürlichen, halbnomadischen Lebensform zurückzukehren. Sie nannten es Camping, und die ersten Generationen praktizierten es durchaus ähnlich wie ihre Vorfahren: Sie schliefen in Zelten, manchmal auch in Höhlen, trugen kaum etwas am Leib und ernährten sich von selbst gefangenen Fischen oder gesammelten Feigen. Sie lebten mit der Natur.

Ja, und dann muss irgendjemand wieder falsch abgebogen sein. Ob das jetzt der Erwin Hymer oder der Helmut Knaus war - geschenkt. Es führte jedenfalls dazu, dass der Homo sapiens mit immer größeren und schwereren Gespannen in die Ferne aufbrach. Statt alle zwei Tage die Höhle, beziehungsweise den Campingplatz zu wechseln, wurden er und sie wochenlang (manche auch lebenslang) sesshaft auf ein und demselben Platz. Statt Fische zu fangen, führten sie eine Mikrowelle, zuletzt auch den Thermomix mit, und wärmten sich irgendwelches Fertigzeugs auf, wodurch nicht nur die Wagen, sondern auch die Menschen selbst immer schwerer wurden.

Und hier macht sich nun eine Organisation verdient, die gefühlt seit der Jungsteinzeit besteht: der ADAC. Der holt seit Menschengedenken nicht nur gestrandete Gespanne von den Straßen, jetzt untersucht er sie auch, bevor es los geht. Der Club lud unlängst zum öffentlichen Wiegen in der Stadt Laatzen in Niedersachsen.

Man habe nämlich festgestellt, dass 30 Prozent der Wohnmobile und Wohnwagen überladen seien, was einerseits verboten ist, andererseits sich auch auf die Fahreigenschaften, vor allem beim Bremsen auswirke. Von den 80 Fahrzeugen, die zum Wiegen kamen, hatten denn auch 30 Prozent Übergewicht. Ob mit oder ohne Insassen wurde nicht kommuniziert.

Bei derselben Aktion vor einem Jahr habe ein Wohnmobil "frisch vom Händler", besetzt mit zwei Personen, gerade noch 50 Kilogramm zulässige Zuladung gehabt. Und dann geht der Streit los, ob die zwei Kästen Bier oder der Thermomix zu Hause bleiben müssen.

Die Moral von der Geschicht' : Weniger ist mehr! Denn je leichter das Gepäck, desto schöner die Reise. Das hat sich seit dem Neolithikum nicht geändert.

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