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Flughafen Hamburg:Probezeit für Körperscanner verlängert

Sechs Monate lang sollten zwei Körperscanner in Fuhlsbüttel getestet werden, doch die Zeit reichte nicht. Eine Ursache: Falten in der Kleidung.

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Jahresrueckblick September 2010: Test des bundesweit ersten Koerperscanners in Hamburg

Quelle: dapd

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An deutschen Flughäfen ist dieser Anblick noch ungewohnt: Passagiere stehen in einem Gerät, das entfernt an eine Duschkabine erinnert und heben einige Sekunden lang die Arme über den Kopf. Danach werden sie oft noch per Hand nachkontrolliert - zu oft. Daher erklärte das Bundesinnenministerium, dass die Testphase für die zwei Körperscanner am Hamburger Flughafen um vier Monate bis Ende Juli verlängert werden muss. Ursprünglich sollte die im vergangenen September angelaufene Probephase nur bis Ende März gehen. In den vergangenen Monaten hatte es aber Meldungen gegeben, dass die Körperscanner noch fehlerhaft arbeiten.

Den Kontrolleuren leuchtete es nach dem Scannen am Bildschirm zu oft rot entgegen - so werden Körperpartien markiert, die nachkontrolliert werden müssen. Vor allem Kleiderfalten lösten derartige Meldungen aus. Der Hersteller habe eine verbesserte Software-Version zugesagt, erklärte das Ministerium. Ziel sei es, mehr Passagiere pro Stunde zu überprüfen und mit weniger Nachkontrollen auszukommen. Die Geräte sollen helfen, am Körper verborgenen Sprengstoff oder Waffen aufzuspüren. Bislang hätten rund 480.000 Fluggäste die beiden Körperscanner benutzt.

Muss ich oder kann ich? Wie gefährlich sind die Strahlen und was ist zu erkennen? Acht Fakten zum Körperscanner auf den folgenden Seiten ...

sueddeutsche.de/dpa/kaeb

Flugsicherheit Körperscanner, dapd

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Ist die Kontrolle im Körperscanner verpflichtend?

Für die Fluggäste in Hamburg ist die Nutzung der Geräte freiwillig. Wer nicht will, kann sich wie bisher per Metalldetektor überprüfen lassen. Die Testphase sollte eigentlich sechs Monate dauern, wurde aber um vier Monate bis Ende Juli 2011 verlängert.

flugsicherheit Körperscanner Flughafen Hamburg, dpa

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Warum wird der Körperscanner in Hamburg getestet?

Dem Probebetrieb am Hamburger Flughafen voraus gingen Testläufe an der Forschungs- und Erprobungsstelle der Bundespolizei-Akademie in Lübeck, die allerdings nur unter Laborbedingungen stattfanden. Der Flughafen Hamburg wurde ausgewählt, weil er der am nächsten gelegene große Airport ist. Mit 12 Millionen beförderten Passagieren ist Hamburg-Fuhlsbüttel der fünftgrößte Flughafen in Deutschland.

Flugsicherheit Körperscanner, dapd

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Wie funktioniert der Körperscanner?

Ein Körperscanner arbeitet ähnlich wie eine hochauflösende Wärmebildkamera. Die Geräte nutzen Millimeterwellen, also elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge nahe an der von Infrarotlicht. Millimeterwellen werden vom menschlichen Körper durch Eigenwärme selbst produziert. Die Scanner müssen die Passagiere aber zusätzlich aktiv mit Millimeterwellen beschießen, um aussagekräftige Bilder zu erhalten. Dafür stellen sich die Fluggäste für wenige Sekunden mit erhobenen Armen in einen Glaszylinder.

Körperscanner auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol

Flugsicherheit Körperscanner, dapd

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Ist der Körperscanner gesundheitsschädlich?

Das Bundesinnenministerium betont die Unbedenklichkeit der Millimeterwellen, die in einem Bereich von 20 bis 30 Gigahertz strahlen. "Die Experten haben sorgfältig gemessen und festgestellt, dass von der Strahlung im Körperscanner keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht" - zumindest nach aktuellem Kenntnisstand.

Flugsicherheit Körperscanner, dapd

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Was erkennt der Körperscanner?

Dank der hochkomplexen Technik können die Geräte anhand der aufgenommenen Millimeterwellen-Bilder am Körper oder in der Kleidung versteckte Sprengstoffe oder Waffen identifizieren, auf die an Flughäfen eingesetzte Metalldetektoren nicht anspringen - zum Beispiel Messer aus Keramik. Das Bundesinnenministerium erhofft sich daher vom Scanner-Einsatz eine effektivere und zudem schnellere Sicherheitskontrolle von Passagieren. Das Abtasten durch das Sicherheitspersonal soll damit entfallen - in der Mehrzahl. Die Gewerkschaft der Polizei wies vor der Testphase darauf hin, dass der Scanner ein geschultes Auge nicht ersetzen könne. Das Gerät solle den Sicherheistdienst ergänzen, Nachkontrollen seien im Einzelfall trotzdem nötig.

Flugsicherheit Körperscanner, dapd

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Was ist auf dem Bildschirm des Körperscanners zu sehen?

Innenministerium und Hersteller betonen, dass die nun zum Praxistest vorgesehenen Geräte entgegen mancher Schlagzeile keine "Nacktscanner" seien. Anders als der Begriff nahelegt, bilden die beiden Scanner den Körper nicht im Original ab. Vielmehr stellen die Geräte die Passagiere nur als stilisierte Computer-Strichmännchen dar, auf denen verdächtige Gegenstände grafisch hervorgehoben werden.

Metallische Gegenstände, wie zum Beispiel Piercings im Intimbereich, sind in der Regel zu klein, als dass der Scanner sie anzeigen würde. Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, gab allerdings zu bedenken, dass sich beim Einsatz der Geräte mehr Menschen als bisher einer Nachkontrolle unterziehen müssten - "und dies häufig in sehr sensiblen Bereichen". Besonders betroffen seien Menschen mit künstlichen Darmausgängen oder Kranke, die Windeln benötigen. Diese seien nicht konkret erkennbar und würden als potenziell gefährlicher Gegenstand in der entsprechenden Körpergegend ausgewiesen und farblich markiert.

Gibt es bei einem Fluggast keine Verdachtsmeldung, erscheint gar kein Bild. Der Scanner zeigt einen grünen Bildschirm mit einem großen "OK". Die Daten werden nicht gespeichert, sondern laut Innenminister Thomas de Maizière "sofort nach der Kontrolle gelöscht".

Flugsicherheit Körperscanner, Reuters

Quelle: REUTERS

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Wie sind die Erfahrungen in anderen Ländern?

In anderen Ländern werden Körperscanner bereits eingesetzt oder erprobt, wobei die Erfahrungen offenbar unterschiedlich eingeschätzt werden. Die USA verkündeten vor einigen Monaten, den Einsatz der Geräte massiv auszuweiten. Auch in Großbritannien  (im Bild: Kontrolle auf dem Flughafen in Manchester) und den Niederlanden arbeiten die Scanner an Flughäfen bereits im Testbestrieb. Italien dagegen will seine Testläufe mit Körperscannern nach einem halben Jahr wieder einstellen, weil diese keine zufriedenstellenden Ergebnisse erbracht hätten.

© sueddeutsche.de/dd/kaeb
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