Kulturherbst in Köln:Ein Spektakel

Spahn kann sich Karneval im kommenden Winter nicht vorstellen

2020 war ein Totalausfall für die Jecken. 2021 dürfen sie wieder feiern - Beginn ist, natürlich, am 11.11. um 11 Uhr 11.

(Foto: Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa)

Vom Karneval bis zur japanischen Avantgarde: In Köln kann das kulturelle Leben wieder stattfinden. Ein kleiner Überblick.

Von Alexander Menden

Ein extrem wichtiger Aspekt des Kölner Kulturlebens - so mancher würde sagen: der wichtigste - ist der Karneval. Daher gleich vorweg die gute Nachricht: In diesem Jahr findet, nach dem Komplettausfall 2020, der Start der jecken Session am 11. November wieder als Massenveranstaltung statt. Dabei gilt die 2-G-Regel: Von 9 Uhr morgens an können 15 000 geimpfte oder genesene Jecken in einem abgesperrten Areal an Heumarkt und Alter Markt in den Sessionsbeginn um 11.11 Uhr hineinfeiern. Eintrittskarten verkauft die veranstaltende Willi-Ostermann-Gesellschaft für, natürlich, 11,11 Euro.

Musikalisch etwas ernsthafter geht es beim Deutschen Dirigentenpreis zu. Alle zwei Jahre richtet der Deutsche Musikrat ihn in Partnerschaft mit der Kölner Philharmonie, der Oper Köln, dem Gürzenich-Orchester und dem WDR-Sinfonieorchester aus. Vom 18. bis 23. Oktober werden zwölf Kandidatinnen und Kandidaten aus neun Ländern in der Philharmonie genreübergreifend ihr Können unter Beweis stellen. Der Eintritt zu den drei Wertungsrunden ist gratis. Ein weiteres Highlight im unter Kapellmeister François-Xavier Roth noch vielfältiger gewordenen Repertoire des Gürzenich-Orchesters ist ein Programm mit dem coronakompatiblen Titel "Maske". Am 14., 15. und 16. November kommen zwei Meisterwerke des frühen 20. Jahrhunderts zur Aufführung: Alexander von Zemlinskys Sinfonietta von 1934 und Erich Wolfgang Korngolds Sinfonietta H-Dur op. 5 von 1912. Die Leitung hat der ehemalige Gürzenich-Chefdirigent James Conlon.

Kulturherbst in Köln: Blick hinters Bild: Rembrandts Selbstbildnis wird einem Scanverfahren unterzogen. Welche Techniken die großen Meister beherrschten, zeigt die Ausstellung "Entdeckt! - Maltechniken von Martini bis Monet".

Blick hinters Bild: Rembrandts Selbstbildnis wird einem Scanverfahren unterzogen. Welche Techniken die großen Meister beherrschten, zeigt die Ausstellung "Entdeckt! - Maltechniken von Martini bis Monet".

(Foto: Abteilung Kunsttechnologie und Restaurierung im Wallraf-Richartz-Museum)

Das Wallraf-Richartz-Museum enthüllt derweil die Techniken von Meistern wie Cranach, Rubens, Rembrandt, Friedrich, Manet und Monet. Kunsttechnologen des Museums haben Gemälde mit Röntgenstrahlen, Infrarot und Stereomikroskopen untersucht und dabei hinter die Malschichten geblickt. Die so zustande gekommenen Forschungsergebnisse werden in der Ausstellung "Entdeckt!" epochenübergreifend präsentiert. Dabei wird nicht nur der Frage nachgegangen, welche Farben die Maler nutzten - selbst angerührte Tempera oder Industrieprodukte? Wie tragen sie diese Farben auf - mit Pinseln, Malmesser oder direkt aus der Tube? Und wie korrigieren sie Fehler? Interaktive Animationen geben den Besuchern einen Einblick in Untersuchungsmethoden und Ergebnisse.

Das Museum Ludwig zeigt vom 13.11. an in der siebten Ausgabe seiner Ausstellungreihe "Hier und jetzt" Arbeiten der japanischen Avantgarde der 1960er-Jahre. Was wie ein Nischenprogramm klingt, ist in Wahrheit die Geschichte aufsehenerregender öffentlicher Aktionen und wegweisender Innovation. Grup­pen wie Neo Da­da, Hi Red Center und Zero Dimension protestierten damals gegen die Stationierung der US-Armee in Japan und die Benachteiligung von Migranten. In einer Zeit großer gesellschaftlicher Umwälzungen in Japan trug die Avantgarde zu einer kompletten kulturellen Neuorientierung bei.

Gerade entsteht ein Museum für jüdische Kultur

Eine jüdische Gemeinde ist in Köln bereits im Jahr 321 belegt, es war damit die erste nördlich der Alpen, in der damaligen römischen Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Eine Stadtführung beleuchtet die komplexe und von zahlreichen Ausgrenzungen durchzogene Geschichte jüdischen Lebens in Köln. Am Kölner Rathaus wurde jahrelang das mittelalterliche jüdische Viertel ausgegraben. Dort entsteht nun u. a. ein Museum für die jüdische Kultur (MiQua). In dessen Zentrum wird die die mittelalterliche Mikwe, ein Ort ritueller Waschungen, stehen. Sie zählt zu den ältesten erhaltenen Mikwen in Deutschland (zurzeit nicht zugänglich). Warum die Juden Köln 1424 verlassen mussten und erst unter Napoleonischer Besatzung im 19. Jahrhundert zurückkehren konnten, welche Folgen dies hatte und wie sich das jüdische Leben in der Neuzeit entwickelte, wird in der Führung ebenfalls erklärt. Der nächste Termin ist der 24. Oktober, Tickets können über Köln Tourismus gebucht werden.

Das Schauspiel muss vorerst noch immer mit seinem Ausweichquartier im Stadtteil Kalk vorliebnehmen. Das hindert es aber nicht an ambitionierten Premieren und Uraufführungen. Bei der Produktion "Das Himmelreich wollen wir schon selbst finden" (Premiere am 17. Dezember) steht das wichtigste Wahrzeichen der Stadt im Mittelpunkt: der Dom. Der kroatische Regisseur Oliver Frljić, der am Schauspiel Köln zuletzt die "Hermannsschlacht" von Heinrich von Kleist inszenierte, erzählt Geschichten, die sich im Laufe der Jahrhunderte im Schatten des Doms zutrugen. Das Schauspiel verspricht nicht nur eine Kölner, sondern eine deutsche und internationale Betrachtung der Stadtgeschichte anhand dieses gotischen Meisterwerks.

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Mariele Millowitsch. Fotografin: Steffi Henn

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