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Reise-Knigge: Indien:Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Bei der Begrüßung, beim Essen, auf der Straße: Möglichkeiten, sich auf einer Indien-Reise zu blamieren, gibt es genug. Sie können es aber auch richtig machen.

Daniela Dau

Nicht mit links

Reise-Knigge: Indien, AFP
(Foto: Foto: AFP)

Die linke Hand gilt in Indien als unrein und wird, wenn überhaupt, nur zur Reinigung auf der Toilette benutzt. Wer mit links auf andere Personen zeigt, jemandem die Hand geben oder Speisen weiterreichen will, riskiert versteinerte Blicke - und einen Krampf im Unterarm.

Apropos Handgeben, jüngeren Indern ist das eine inzwischen vertraute Geste. Auf der sicheren Seite ist man aber mit dem tradtionellen indischen Gruß: Handflächen vor der Brust aneinanderlegen, den Kopf leicht nach vorne neigen und "Namaste" sagen - "Guten Tag". Das passt immer, auch nachts.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Nein heißt Ja

Der Kopf ist in Indien der Sitz der Seele, streicheln Sie also niemals indischen Kindern übers Haar oder berühren Erwachsene oberhalb des Halses.

Schüttelt ein Inder auf eine Frage hin den Kopf, heißt das nicht "Nein", im Gegenteil. Je länger der Kopf hin und her schwingt, um so heftiger ist die wortlose Zustimmung und um so größer die Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners.

Für Fortgeschrittene: Ein kurzer Pendelschlag drückt ein zweifelndes "Na ja" aus, erst ein noch kürzeres Wackeln, kombiniert mit einem Zungenschlag, bedeutet "Nein".

Aber als höflicher Mensch würde ein Inder ohnehin selten mit einer klaren Verneinung antworten, am besten bringt man ihn gar nicht erst in die Verlegenheit.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Feste feiern

Keine Indien-Reise ohne Feiertagskalender, nahezu täglich herrscht in irgendeiner Ecke des Landes der Ausnahmezustand. Die vielen verschiedenen Religionen haben ihre eigenen Festtage, die je nach Bundesland gelegentlich auch noch an unterschiedlichen Terminen gefeiert werden.

Extra feinmachen muss man sich für die oft tagelang dauernden, ausgelassenen Feste nicht unbedingt. Beim "Holi-Fest" etwa bewerfen sich Inder im ganzen Land gegenseitig mit buntem Farbpulver und begrüßen so den Frühling.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Ein bisschen pünktlich reicht

Kommen Sie ja nicht auf die Minute genau zu einer privaten Einladung - es sei denn, Sie wollen dem erstaunten Gastgeber erst einmal eine Weile alleine gegenüberstehen. Richtwerte fürs Zuspätkommen gibt es keine, aber bis alle Gäste da sind, können Stunden vergehen.

Sprechen Sie in dieser Zeit nicht zu sehr den angebotenen Getränken und Snacks zu: Bis das eigentlich Dinner beginnt, kann es auch mal 22.30 Uhr werden und ein Zurückweisen der Speisen wird als Beleidigung empfunden. (Wenn sie partout nichts mehr essen können, schützen Sie eine Erkrankung oder Nahrungsmittelallergie vor.)

Geht es um einen Termin auf einer Behörde oder in einem Ministerium, wird pünktliches Erscheinen gerade von Westeuropäern erwartet - selbst wenn dann doch ein wenig Wartezeit vergeht...

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Anziehen - aber richtig

Enge T-Shirts und schlabbrige Shorts sind abseits der Strände nicht nur ein stylistischer Unfall, sie kosten auch den Respekt. Die indische Kleiderordnung ist konservativ: sauber, züchtig, faltenfrei.

Frauen sollten ihre Schultern und Beine bedeckt halten, zuviel Haut zu zeigen gilt als anstößig. Ebenso verpönt sind Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit. Halten sich dagegen zwei Männer an den Händen, muss niemand auf falsche Gedanken kommen - dies gilt als Zeichen der Freundschaft.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Zähne zeigen

Inder sind zwar äußerst gastfreundlich, kommunikativ und freundlich, aber keine Freunde von Höflichkeitsfloskeln. Das Wort "Danke" wird einem eher selten entgegenschallen, stattdessen erntet man oft ein breites Lächeln, so die Erklärung auf reiseknigge.eu. Am besten passt man sich an - oder wird im anderen Fall für hoffnungslos überkandidelt gehalten.

Auch bei den Tischsitten sollten Sie Ihre Erwartungen herunterschrauben: Nach dem Essen zu rülpsen, auszuspucken oder sich gut sichtbar den Rachenraum zu reinigen, gilt als ganz normal. Völlig unmöglich finden es Inder allerdings, wenn sich Mitteleuropäer bei Tisch ins Taschentuch schnäuzen.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Kampfplatz Straße

Wer schon im Straßenverkehr in Südeuropa ins Schwitzen kommt, sollte sich in Indien nur einheimischen Fahrern anvertrauen - und das Beste hoffen. Indische Autos sind alles andere als verkehrssicher. Das einzige, was in der Regel tadellos und ohrenbetäubend funktioniert, ist die Hupe.

Als Fußgänger können Sie sich nicht darauf verlassen, dass der Wagen, vor dem Sie die Straße überqueren, auch tatsächlich anhält. Solche naiven Experimente enden leicht im Krankenhaus.

Eine weitere Besonderheit: Senkt sich an einem Bahnübergang die Schranke, reihen sich Fahrzeuge nicht hintereinander ein, sondern nebeneinander auf. Nach der Durchfahrt des Zuges stehen sich Autos, Busse und Lkw wie die Frontlinien einer Football-Mannschaft gegenüber, um sich abrupt zu einem chaotischen Blechknäuel zu verkeilen. Gelegentlich müssen Polizisten mit Schlagstöcken für neuen Verkehrsfluss sorgen.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Fragen kostet nichts

Das Fotografieren von Flughäfen, Bahnhöfen, Brücken und militärischen Anlagen ist verboten. Auch bei einigen religiösen Zeremonien, in vielen Tempeln und archäologischen Stätten darf nicht fotografiert werden, manchmal gibt es eine Erlaubnis gegen Bares.

Viele Inder lassen sich gerne fotografieren und werfen sich sogar richtig in Pose. Trotzdem sollte man immer ihr Einverständnis einholen. Absolut tabu ist das Fotografieren von Gläubigen gleich welcher Religion im Allerheiligsten eines Tempels.

Rülpsen erwünscht, Schnäuzen unmöglich

Barfuss ist besser

Die hygienischen Zustände in Indien sind nicht mit unseren zu vergleichen. Sie müssen nicht gleich in einen Reinigungszwang verfallen, trotzdem hilft häufiges Händewaschen Krankheiten vermeiden. Für Essbares gilt die alte Tropenregel: Wenn man es nicht schälen oder kochen kann - Finger weg!

In Tempeln, aber auch beim Betreten eines Privathauses zieht der höfliche Gast die Schuhe aus. Dies ist zum einen der Hygiene geschuldet, zum anderen dem Respekt vor dem Hausherrn beziehungsweise der Religion.

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Kein Geld für Kinder

Auch wenn es noch so schwer fällt: Bettelnden Kindern sollte man in Indien kein Geld geben. Hinter dem Kind steckt in der Regel ein Verwandter oder ein Bandenchef, der abkassiert. Einigermaßen sicher sein kann man sich bei alten Frauen und Kranken - die betteln in der Regel für sich selbst.

© sueddeutsche.de

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