Klage nach Sturz am Hotelpool:Selber schuld

Man lies by a hotel swimming pool during the 2014 World Cup in Manaus

Keine Sorge, dieser Herr an einem Hotelpool in Manaus genießt diesen unfallfrei.

(Foto: Reuters)

Rund um den Pool kann es schon mal rutschig werden. Das merkte auch ein Urlauber, der stürzte, sich verletzte - und Schadensersatz forderte: Schließlich habe ihn kein Schild gewarnt.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Gesunder Menschenverstand ist wichtiger als ein Warnschild: Das Amtsgericht München hat die Klage eines verunglückten Urlaubers gegen einen Münchner Reiseveranstalter abgewiesen, der am nassen Rand eines Hotelschwimmbeckens ausgerutscht war. Nicht das fehlende Schild sei die Ursache des Unfalls gewesen, meinte das Gericht zur Begründung, sondern mangelnde Aufmerksamkeit.

Der aus Bielefeld stammende Kunde hatte bei dem Reiseveranstalter Ferien in einer türkischen Hotelanlage gebucht. Als er ziemlich genau vor einem Jahr vom Liegestuhl zum Pool-WC gehe wollte, war er ausgerutscht und hatte sich eine blutende Platzwunde am Kopf zugezogen, die im örtlichen Krankenhaus genäht werden musste. Die Schuld daran gibt er dem Hotelpersonal, das die Verkehrssicherungspflicht missachtet habe.

Üblicherweise hätten an der Stelle, die ihm zum Verhängnis geworden war, rutschfeste Matten gelegen - an dem Tag, an dem der Unfall passierte, aber nicht. In diesem Fall hätten wenigstens Warnschilder auf die Rutschgefahr hinweisen müssen, warf er später dem Reiseveranstalter vor. Er verlangte rund 350 Euro Behandlungskosten und 750 Euro Schmerzensgeld.

Die Reise GmbH wies aber jegliche Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche zurück. Zu Recht, wie das Gericht feststellte. Die Richterin erklärte: "Der Sturz ist dem allgemeinen Lebensrisiko des Reisenden zuzuordnen, für das der Reiseveranstalter nicht haftet." Der Urlauber habe erkennen können, dass der Boden gefliest war.

"Nach allgemeiner Lebenserfahrung ist im unmittelbar angrenzenden Bodenbereich eines Schwimmbeckens mit einem nassen Fußboden zu rechnen, sodass dort bekanntermaßen eine erhöhte Rutschgefahr besteht."

Warum eine Bodenmatte, die im Verhältnis zur gesamten betroffenen Fläche nur einen minimalen Teil des Bodens abgedeckt hätte, das Ausrutschen hätte verhindern können, sei nicht ersichtlich, stellte die Richterin fest. "Das Fehlen eines Hinweisschildes war nicht Ursache für den Sturz, da für jedermann erkennbar war, dass der Boden gefliest ist und aufgrund der im Schwimmbadbereich gewöhnlicher Weise auftretenden Nässe rutschig sein kann."

Das Urteil (Az.: 182 C 1465/14) ist rechtskräftig.

© SZ vom 08.07.2014/kaeb
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