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Kirschblütenfest in Japan:Ein Land im Rausch

In Japan hat die Kirschblüte begonnen, und manche feiern das so ausgelassen, dass ihnen das Naturschauspiel schlichtweg entgeht.

Christoph Neidhart

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Viele Japaner beschäftigt dieser Tage vor allem eine Frage: Wo ist die Kirschblüten-Prognose? Seit 1955 haben die Staatsmeteorologen jedes Frühjahr vorausgesagt, wann die Kirschbäume wo ihre Knospen öffnen. Die Zeitungen veröffentlichten Karten, aus denen man ersehen konnte, wie das Frühjahr langsam aus dem südwestlichen Kyushu nach Nordosten vorstieß, bis es im Mai die Nordinsel Hokkaido erreichte.

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In Tokio blühen die Kirschen in den letzten März- und ersten Apriltagen; die ersten Knopsen haben sich am Wochenende geöffnet. Die staatlichen Prognosen gibt es nun nicht mehr, und das sorgt für Schwierigkeiten. Denn aufgrund der Vorhersagen setzen Reiseveranstalter ihre Kirschblütentouren an. Familien, Firmen und alte Schulfreunde legen danach das Datum ihrer Hanami-Party fest.

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Hanami heißt: "Blüten schauen." Doch weil ein paar kalte, bewölkte Tage die Blüte verzögern können, sitzen jedes Jahr Leute unter kahlen Bäumen, ohne eine Blüte zu sehen.

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Eigentlich ist eine Hanami-Party bloß ein Picknick unter einem Kirschbaum - allerdings ist dieses sehr aufwendig. Vor allem Leckerbissen wie Nigiri, Reisbällchen mit Füllung und Sushi dürfen nicht fehlen. Dazu wird viel Bier und Sake getrunken. Oft so viel, dass die Feiernden keine Blüte mehr sehen, auch wenn sie offen sind. Während der Party ist die sonst streng gewahrte Hierarchie aufgehoben.

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Am kommenden Wochenende werden die großen Parks von Tokio so voll sein wie die Strände in den Sommerferien. Gefeiert wird zudem werktags und abends, mancherorts, am Sengawa-Flüßchen etwa, vor den Toren der Tokioter Filmstudios, werden die Blüten mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Das sieht aus, als wäre die Zeit während eines Schneesturms angehalten worden. Tokios Ueno-Park wird für Hanami mit Papierlaternen geschmückt. Und weil jede Gesellschaft die beste Stelle will, schickt man eine Vorhut, die ein Plätzchen reserviert mit den blauen Planen, auf denen die Japaner ihre Picknicks zu sich nehmen. Dabei gibt es allein in Tokio 500.000 Kirschbäume.

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Kirschblüte in Japan, dpa

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Die Kirschbäume öffnen ihre Blüten, bevor die Blätter sprießen. Die weiße Pracht, Sakura genannt, kommt meist über Nacht. Sie kontrastiert mit der grauschwarzen Rinde der Äste: ein überwältigender Anblick, zumal in Japan die Bäume auf prächtige Blüten gezüchtet werden. Die meisten Bäume tragen Weiß, einige auch Hell- und Dunkelrosa. Und ganz wenige haben Blüten in allen drei Farben.

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Kirschblüten-Parties gibt es seit 1100 Jahren, Kaiser Saga hat im 9. Jahrhunderts am Hof damit begonnen. Schon damals wurde Sake serviert. Bis ins 18. Jahrhundert durften freilich nur Adelige Hanami-Parties feiern. Die Kirschblüte ist dabei eine Metapher für Vergänglichkeit.

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In der Literatur wird die Kirschblüte tausendfach zitiert, vor allem in der Poesie. Ein Sprichwort spottet allerdings, schon immer sei das Essen wichtiger gewesen als die Blüten. Im Zweiten Weltkrieg verglich die Propaganda Kamikaze-Piloten mit Kirschblüten: Fast noch Kinder, fielen sie in der Blüte ihres Lebens vom Himmel. Und löschten sich aus. Daran will man heute nicht mehr erinnert werden. An die Flüchtigkeit alles Schönen lässt man sich dagegen gerne erinnern.

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Kirschblüte in Japan, dpa

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Die Partygänger sind darum nicht nur ausgelassen, sondern oft auch melancholisch.

Für das Problem mit den Prognosen ist inzwischen auch eine Lösung gefunden. Drei private Wetterdienste sind eingesprungen. Weil sie aber nicht über Referenzbäume verfügen, haben sie die Japaner aufgerufen, ihre eigenen Prognosen und Beobachtungen einzusenden. Bei einem der Dienste haben sich 15.000 selbsternannte Hanami-Experten gemeldet.

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(SZ vom 23.3.2010/kaeb)

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