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Katzenkrieg auf Mykonos:Kralle zeigen

Katzen gehören zu Griechenland wie die weißen Häuser. Doch die Einheimischen sind die Tiere leid, Touristen dagegen wollen sie schützen.

Die Wut steht ihr ins Gesicht geschrieben. Jahrelang, so schimpft die Griechin Elli, habe sie nun hier gewohnt, in Ruhe und Frieden. Doch dann seien die Fremden gekommen, und mit ihnen die Katzen. Genauer gesagt: Unmengen an Katzen.

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Die Kykladen

Keine possierlichen Haustierchen, sondern streunende, wilde Viecher, die ihrem Hund den Garaus gemacht hätten, sagt sie.

Und das alles nur, weil die Fremden die Katzen anfütterten, weshalb die Tiere sich seither wie die Karnickel vermehrten.

Elli lebt auf Mykonos. Und in einem Punkt ist ihr sicherlich zuzustimmen: Die Kykladen-Insel hat, wie viele andere griechischen Inseln auch, ein Katzenproblem.

Selbst der Bürgermeister der Insel, Christos Verounis, spricht davon. Es gebe schon sehr viele Straßenkatzen, sagt er, wenngleich er das Wort "Problem" nicht hören will. Denn offizielle Zahlen kann Verounis nicht nennen.

Aber immerhin, so räumt er ein, übernehme seine Gemeinde schon mal die Kosten für Katzensterilisationen und -kastrationen, welche drei Tierärzte der einheimischen Tierschutzorganisation "Friends of the Animals of Mykonos" vornähmen. Zudem seien die Mykonoten ein "tierliebendes Volk", viele fütterten die Katzen während des Winters, wenn die Fremden wieder abgereist seien.

Doch mindestens ebenso viele Inseleinheimische haben für kostenaufwändige Sterilisations- und Kastrationsprogramme kein Verständnis. Verounis' Tochter Eleni beispielsweise.

Sie füttert die streunenden Katzen an, hängt ihnen Halsbänder aus Papier um, um so den Eindruck zu erwecken, die Tiere hätten Besitzer, die sie gut versorgten. "Ich will nicht, dass ihr die Katzen sterilisiert, sie tun mir leid", sagt die Zehnjährige. Andere zeigen weniger Mitgefühl.

Es ist kein Geheimnis auf der Insel, dass Gift ausgestreut wird, um der Katzenplage Herr zu werden. Die Fremden berichten davon ebenso wie einheimische Katzenfreunde. Mina, zum Beispiel. Sechs Monate im Jahr verbringt sie auf der Insel und füttert die Streuner. "Eines Tages stand eine Katze mit gebrochenem Bein vor meiner Tür. Hätte ich sie verenden lassen sollen?" Seit sie füttere, werde sie angefeindet.

Von ihren griechischen Nachbarn. Einzig die Fremden, die hier wie sie Häuschen besäßen, zeigten Verständnis.

"Eine weibliche Katze und ihre Nachkommen erzeugen in sieben Jahren 420.000 weitere Katzen", ist bei "Friends of the Animals of Mykonos" zu erfahren. Allein diese Zahlen erklären, warum die Organisation nicht nur auf Geldspenden angewiesen ist, sondern die Katzenfreunde auf Mykonos um aktive Hilfe bittet.

Hilfe aus Deutschland zum Beispiel. Der Münchner Tierarzt und Zoodirektor Henning Wiesner ist einer der Freiwilligen, die nach Mykonos reisen, um weibliche Katzen zu kastrieren, also ihnen Eierstöcke und Gebärmutter zu entnehmen. ,"Das ist eine sicherere Methode als die Sterilisation", sagt Wiesner.

Zudem würden die Katzen wegen der durch die Operation herbeigeführten hormonellen Veränderung zugänglicher werden. Das sei wichtig, um die Tiere gegen den weitverbreiteten "Katzenschnupfen" behandeln zu können.

Diese Infektion werde durch verschiedene Erreger ausgelöst, unter anderem von Herpesviren, und löse bei vielen Menschen die Angst vor einer Ansteckung aus. Auch wenn diese Angst unberechtigt sei, führe auch sie oft dazu, dass die Menschen das Problem durch Gift aus der Welt schaffen wollten: "Dabei ist das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund nach dem Tierschutzgesetz illegal", so Wiesner.

Dass die hohe Zahl der infizierten Tiere zu einer Art natürlichen Selektion führt, glaubt Wiesner allerdings nicht: "Je mehr Einwohner, je dichter die Bebauung durch die Touristen, desto mehr Müll sammelt sich an - dadurch haben die Tiere hier zu wenig zum Leben, aber zu viel, um zu sterben."

Die Griechin Elli will von alldem nichts mehr wissen. Sie hat ihr Haus auf Mykonos verkauft.

Hier gibt es einfach viel zu viele Katzen.