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Kanada - Die Prärie:Einmal Cowboy sein

Wilder Westen allerorten

Nicht überall in der kanadischen Prärie geht es so wild zu wie bei der Stampede in Calgary - aber der Wilde Westen ist trotzdem überall in den Provinzen Alberta, Sasketchewan und Manitoba zu spüren. Für alle, die selbst als Cowboy im Sattel sitzen wollen, gibt es Urlaub auf einer "Guest Ranch". Die Gäste reiten über einsame Pfade, treiben Vieh und lernen von den einheimischen Familien viel über den Lebensstil der Cowboys - und wer sich nicht vor den Mühen scheut, kann als "Volunteer", als Freiwilliger, auf einer Farm mitarbeiten. Als Gegenleistung für die Arbeit erhält man freie Unterkunft und Verpflegung.

Auf der 700 Kilometer langen Strecke von Mayerthorpe bis Cardston zeigt sich das echte Rancherleben - Cowboys, die ihre Kälber einfangen, Viehmärkte und Kleinstadt-Rodeos. Durch die Nähe zu den kanadischen Rockies ist die Landschaft nicht mehr so eben, sondern abwechslungsreicher.

Dinosaurier aus der letzten Eiszeit

Im Süden der - vor allem wegen der Ölvorräte - reichsten Provinz Kanadas liegt der Dinosaur Provincial Park, die zweitgrößte Dinosaurierfundstelle der Welt. Die urzeitlichen Tiere lebten vor über 70 Millionen Jahren in dieser Region. Ihre Skelette sind eingebettet in die bizarren Gesteinsformationen der kanadischen Badlands. Nach der letzten Eiszeit spülte das Schmelzwasser der Gletscher hier unzählige Dinosaurier-Knochen frei. Heute spüren Touristen den Überresten der Urzeitgiganten nach.

Der Provinzpark liegt nahe des kleinen Ortes Patricia. Der Blick schweift hier kilometerweit über flaches Land. Bäume gibt es nicht, nur hin und wieder niedrige Sträucher und die Masten der Stromleitungen, die zu den wenigen Farmen mit ihren großen, runden Getreidesilos aus glänzendem Metall führen.

Zwei Tage, so heißt es, braucht man mindestens, um den Dinosauriern hier näher zu kommen und die Dimensionen des Parks und seine Bedeutung für die Forschung zu erfassen. Beiderseits des Red-Deer-Flusses durchbricht die Mondlandschaft der so genannten Badlands die Monotonie der Prärie. Gut 80 Meter tief fällt die Ebene zum Fluss hin ab. Die bizarr wirkenden Felsen in dem hier bis zu 6,5 Kilometer breiten Flusstal sind das Ergebnis einer Erosion, die schon seit mehr als 12.000 Jahren voranschreitet.

Die Weizen-Provinz

Noch ein bisschen mehr Land, ganz unberührt von der Bergkette der Rocky Mountains, lässt sich in der östlich an Alberta angrenzenden Provinz Saskatchewan erleben. Unzählige Seen, sanfthügelige Gras- und Waldlandschaften, die sich bis zum Horizont erstrecken. Nicht zu vergessen: Felder, so weit das Auge reicht. Aus Sasketchewan kommt 54 Prozent des in Kanada angebauten Weizens. "Wenn hier einer abzuhauen versucht, kann man ihn übermorgen immer noch rennen sehen", sagen die Kanadier - das Äquivalent zum friesischen Spruch, man könne schon am Mittwoch sehen, wer am Sonntag zum Kaffee kommt.

Das trifft besonders auf den Grassland Nationalpark im Süden der Provinz zu. Die hügelige Prärielandschaft bot einst Sitting Bull nach der Schlacht am Little Big Horn Zuflucht und zeigt Besuchern heute Einblick in das einzigartige Ökosystem der nordamerikanischen Prärie. Der Cyprus Hills Interprovincial Park im Westen, an der Grenze zur Nachbarprovinz Alberta, hebt sich wie eine Insel aus der Prärie. Steile Felsklippen und sanfte Täler bilden zusammen mit großen Waldgebieten ein ideales Terrain für Wanderungen.

Wo die Mounties lernen

Im Süden Saskatchewans liegt Regina, die Heimatstadt der Royal Canadian Mounted Police (RCMP). Noch heute werden im einzigen Ausbildungszentrum Kanadas die zukünftigen "Mounties" geschult und trainiert. Ein neues Museum öffnete im Mai 2007 seine Pforten und führt Besucher durch die Geschichte der RCMP.

Die östlichste der Prärieprovinzen ist Manitoba - auch hier gibt es viel Landschaft, zudem aber tatsächlich einzigartige Möglichkeiten zur Beobachtung von Wildtieren und weit mehr als 100.000 Seen. Ein ganz besonderes Schauspiel sehen Besucher des kleinen Städtchens Churchill. Wo der gleichnamige Fluss in die Hudson Bay mündet, finden sich im Sommer mehrere Tausend Belugawale ein. Im Herbst sammeln sich dann um Churchill Eisbären und warten auf das Zufrieren der Hudson Bay, um dort auf die Jagd zu gehen.