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Kalifornien: Huntington Beach:Welle auf der Stelle

Im harten Wettbewerb um die an Strand und Wellen interessierten Touristen zehrt Huntington Beach in Kalifornien vom Ruhm alter Zeiten, denn Profi-Surfer kommen schon lange nicht mehr. Doch die kleine Stadt kämpft.

Katharina Riehl

Die gewisse Tragik der kalifornischen Küste wurde schon deutlich, als der Dokumentarfilmer Bruce Brown Anfang der sechziger Jahre zwei Surfbretter um die Welt verfolgte. Sein Film "The Endless Summer" erzählt die Geschichte der beiden Surfer Mike Hynson und Robert August, die dem endlosen Sommer ein Jahr lang um den Globus nachjagen. Denn dem echten Surfer, für den Wellenreiten mehr ist als eine Urlaubsbeschäftigung, können Kaliforniens Küsten kaum alles bieten, was er sucht: die perfekte Welle und das immer warme Wasser.

In Huntington Beach, einem Badeort südlich von Los Angeles, besaß der Surfer Robert August einst einen kleinen Laden, natürlich für Surfbretter. Heute gehört der Bretter-Shop einem von der Sonne gegerbten Typen mit dem knappen Namen "Fig", seinen schwarzen Strubbelkopf hat er unter einer Kappe versteckt.

Er ist 54, sagt er, weist aber gleich darauf hin, dass er natürlich deutlich jünger aussieht. Was er, auch klar, diesem ziemlich entspannten Lifestyle zuschreibt, über den in Huntington Beach überhaupt sehr gerne gesprochen wird.

Huntington Beach ist ein Ort, der hart an seiner eigenen Legendenbildung arbeitet. Hier, an den Stränden der Sonnenregion Orange County, ist das stressfreie Leben mit und auf dem Surfbrett eine Art touristischer Topos, den die Urlauber für ihre Aufenthalte gleich mitbuchen können. Und Huntington Beach, eine Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, die außer ihren Wellen und ihrem gleichnamigen, breiten Streifen Sand kaum Attraktionen zu bieten hat, kämpft um ihren Status als Surfer-Hauptstadt.

Weshalb man sich den vielversprechenden Namen "Surf City" verpasst hat und Fig auch gleich den "Endless Summer" erwähnt. Stolz erzählt er, dass noch heute in Huntington Beach jedes Jahr die US-Open of Surfing stattfinden.

Zwischen der recht schmucklosen Strandpromenade und dem aufgewühlten Wasser wird gerade ein rot-schwarzes Zirkuszelt aufgebaut: In diesen Tagen gibt es in Huntington die Pier Classics, den Surf-Contest eines Schuh-Produzenten. Und auf der Hauptstraße haben sich die lokalen Wellen-Größen auf einem Surfing Walk of Fame verewigt.

Huntington Beach, im Jahr 1909 aus einer Häusersiedlung im Besitz des Immobilienhändlers Henry Huntington entstanden, lebt neben dem Tourismus und dem Surfsport vor allem vom Erdöl. Noch vor ein paar Jahrzehnten, so erzählt es zumindest Fig, gab es in der Stadt eine fest eingeschworene Beach-Community. Damals, in seinen jungen Jahren, stand der Strand voller kleiner Hütten, die Surfer billig mieten konnten.

In dieser Zeit, sagt er, kamen die Surfer aus ganz Amerika an seinen Strand. "Sie sahen, wie wir hier lebten, und blieben. Jeder hat es hier geliebt." Seit dieser Zeit hat sich Huntington Beach ziemlich verändert.

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