Jaguare im Pantanal in Brasilien:Raubkatzen, die makellos aufräumen

Von Menschen hat der Jaguar hier nichts zu befürchten. Das war nicht immer so. Bis in die achtziger Jahre wurden Jaguare im Pantanal massiv gejagt. Als Kind kannte André Moratelli nur tote Jaguare. Voller Stolz hätten die Kinder der Farmer in der Schule Bilder der erlegten Raubkatzen gezeigt, erzählt Moratelli. "Mich haben die Bilder regelrecht krank gemacht. Dieses Posieren vor den Tieren. Ich fand es furchtbar." Natürlich sei vorgekommen, dass ein Jaguar auch einmal ein Rind gerissen habe. Aber das sei nicht der eigentliche Grund für das Töten gewesen. "Ein toter Jaguar war vor allem eine Trophäe."

Jaguare im Pantanal in Brasilien: Ursprünglich waren Jaguare auch im Süden der USA verbreitet, mittlerweile findet man sie nur noch in Mittel- und Südamerika.

Ursprünglich waren Jaguare auch im Süden der USA verbreitet, mittlerweile findet man sie nur noch in Mittel- und Südamerika.

(Foto: Mauricio Lima/AFP)

Als Kind empfand Moratelli Mitleid für die Tiere. Heute faszinieren ihn ihre Kraft und Effizienz. Im Gegensatz zu anderen Großkatzen wie Löwe, Tiger oder Leopard tötet der Jaguar sein Opfer nicht mit Prankenhieben oder Bissen in den Nacken, sondern durch einen einzigen Biss in den Kopf. Menschen empfänden solch einen Angriff oft als besonders grausam, sagt Moratelli. Dabei sei es für das Beutetier ein schneller Tod.

Diese Art des Tötens mag dazu beigetragen haben, dass der Jaguar in vielen präkolumbischen Kulturen zum Symbol für Macht und Stärke wurde. Zu den bekanntesten Figuren der Olmeken-Kultur, die um das Jahr 1500 vor Christus im mexikanischen Hochland entstand, zählt der Jaguarmensch, ein Mischwesen mit Menschenkörper und Jaguarkopf. Auch die Priester der Maya hüllten sich in Jaguarfelle und schmückten ihre Tempel mit Jaguardarstellungen. Bei den Azteken schließlich waren die Jaguarkrieger eine Eliteeinheit der Armee. Sie galten als besonders mutig, aber auch als besonders brutal.

Seit im Pantanal immer mehr Farmer auch vom Öko-Tourismus leben, haben Jaguare selbst auf den Ländereien der Rinderzüchter wenig zu fürchten. Dennoch gibt es Konflikte, betont André Moratelli. Die Fischer am Rio Paraguay fühlen sich durch die Jaguare bedroht. Meist feuerten sie nur Schüsse in die Luft ab, um die Tiere zu vertreiben, sagt Moratelli. Aber er habe auch schon beobachtet, dass die Fischer die Raubkatzen mit Fischabfällen anlocken und auf sie schießen.

Es ist ein gefährliches Spiel, auf das sich die Fischer einlassen. In den vergangenen Jahren gab es am Rio Paraguay drei Angriffe von Jaguaren auf Fischer. Ihre Scheu vor dem Menschen scheinen die Raubtiere verloren zu haben, ihre Aggressivität nicht. Den Biologen ist klar, dass das Anfüttern mit den Angriffen zusammenhängt.

Die Raubkatzen sind Sauberkeitsfanatiker. Wo sie liegen, stört jedes Blatt

Am Rio Cuiabá ist die Lage entspannter. Hier gibt es praktisch keine Menschen mehr, die vom Fischfang leben; die Bewohner haben den Fluss den Angeltouristen überlassen. Und den Teilnehmern der Jaguar-Safaris, die erst seit einigen Jahren an den Rio Cuiabá kommen.

Aber auch hier sollte man nicht vergessen, dass der Jaguar ein Raubtier ist. Solange man im Boot bleibe und einen Abstand von mindestens 15 Metern zu den Tieren halte, sei alles in Ordnung, versichert Moratelli. Kritisch werde es am Ufer. "Jaguare haben bevorzugte Plätze, die sie immer wieder aufsuchen." Diese zu entdecken, sei gar nicht so schwer. Als Sauberkeitsfanatiker dulden Jaguare weder störende Blätter noch aufgewühlte Erde an ihren Plätzen. Je makelloser und aufgeräumter eine Stelle in Ufernähe sei, umso vorsichtiger solle man sich dort bewegen. Lino Rocha entscheidet sich denn auch dagegen, seine Gäste zur Mittagsrast am idyllischen Ufer abzusetzen. Er fährt ein Stück weiter, wo es weniger einladend, dafür aber sicher ist. "Er weiß eben, was er tut", sagt Moratelli.

Informationen

Anreise: Flug mit KLM von Frankfurt über Amsterdam und São Paulo nach Cuiabá ca. 1050 Euro, www.klm.com; mit TAM von Frankfurt über São Paulo nach Cuiabá ca. 1200 Euro, www.tam.com

Übernachtung: Hotel Porto Jofre, DZ ca. 190 Euro, Vollpension, www.portojofre.com.br; Jaguar Eco Lodge, DZ ca. 90 Euro, Vollpension, www.jaguarreserve.com

Reisearrangements: Aventura do Brasil, ein deutscher Spezialanbieter, hat eine sechstägige Nordpantanal-Tour im Programm, ca. 1700 Euro pro Person, www.aventuradobrasil.de; Pantanal Jaguar Safaris bietet Touren mit André Moratelli an, sechstägiges Jaguar-Tracking inklusive drei Tage Boot-Safari auf dem Rio Cuiabá, ca. 1800 Euro pro Person, www.pantanaljaguarsafaris.com

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