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Jaguare im Pantanal in Brasilien:Ganz nah am Katzenglück

Jaguar in Brasilien

Jaguare lieben Wasser, und sie sind extrem gute Schwimmer.

(Foto: imago)

Nirgendwo sonst gibt es so viele Jaguare wie in den Feuchtgebieten im Südwesten Brasiliens. Auch Touristen können sie beobachten. Dabei gilt: Je aufgeräumter eine Stelle in Ufernähe ist, desto näher sind vermutlich die sauberkeitsfanatischen Raubkatzen.

Die staubige Piste voller Schlaglöcher und Holzplanken endet am Fluss. Neben einem Motorboot wartet Lino Rocha, der die Gäste tiefer in den Sumpf bringt. Die erste Kontaktaufnahme ist schwierig. Es fehlt die gemeinsame Sprache. Aber es geht auch so. Rocha zeigt auf ein paar Schwimmwesten. "Muss man die anziehen?" Er zuckt mit den Achseln. Also nicht. Der Motor heult auf. Das Wasser spritzt. Auf ins Pantanal.

Nur zehn Minuten dauert die Fahrt durch das 230 000 Quadratkilometer große Feuchtgebiet im Südwesten Brasiliens, dann drosselt Rocha auch schon abrupt den Motor. Während sich seine Passagiere noch erschrocken fragen, ob etwas passiert ist, deutet er auf die Sandbank am Ufer. Dicke Pranken, massiger Körper, selbstbewusst wirkender Gang: So schreitet ein Jaguar aus der Böschung ans Ufer. Zehn Meter vor ein paar badenden Wasserschweinen lässt er sich nieder. Im Boot herrscht Aufregung. Und Ernüchterung: Keiner hat seine Kamera parat.

Am Ende des Tages werden es drei Jaguare sein, die Lino Rocha an den Ufern des Rio Cuiabá und dessen Seitenarmen aufstöbert. Drei Jaguare! Das sind doch scheue Tiere, schwer zu sichten, heißt es immer. Was war das also: Glück, Zufall? "Nein, das war kein Glück, und eigentlich war das auch nichts Besonderes", versichert der Biologe und Touristenführer André Moratelli. Er selbst habe an einem Morgen am Rio Cuiabá fünf Jaguare gesichtet, erzählt er. Ein Freund von ihm sogar neun an einem Tag. "Es gibt keinen besseren Ort in Südamerika, um Jaguare zu sehen."

Zwei Flüsse im Pantanal gelten als besonders gute Ausgangspunkte für eine Jaguar-Safari: der Rio Cuiabá, der gut zu erreichen ist über die Transpantaneira, eine aufgeschüttete Straße, die schnurgerade in die Pampa führt. Und der entlegene Rio Paraguay, der das Taiama Ecological Reserve begrenzt. Am Rio Cuiabá sind die Jaguare mittlerweile an Motorboote mit Touristen gewöhnt; sie lassen sie bis auf wenige Meter herankommen. Am Rio Paraguay sind die Tiere scheuer.

Im Auftrag der Universität des Bundesstaates Mato Grosso beobachtete André Moratelli die Jaguare 20 Jahre lang. Er stattete sie mit Senderhalsbänder aus, baute Fotofallen auf, las ihre Spuren. Er erforschte, wie Jaguare jagen, wie sie sich paaren, wie sie ihre Revierkämpfe austragen. Was André Moratelli aber selbst nach so langer Zeit immer noch nicht weiß, ist, wie viele Tiere es hier überhaupt gibt. "Das Pantanal ist etwa so ausgedehnt wie Großbritannien", erklärt er. "Man bräuchte viele Leute und viel Geld, um verlässliche Zahlen zu bekommen."

Wasserschweine und Kaimane im Überfluss

Auf dem amerikanischen Kontinent soll es zwischen 15 000 und 25 000 Jaguare geben. Die Tiere ähneln zwar Leoparden, sind aber eher mit Tigern vergleichbar. Männchen wiegen im Schnitt um die 100 Kilo. Ursprünglich waren Jaguare auch im Süden der USA verbreitet, mittlerweile findet man sie aber nur noch in Mittel- und Südamerika. Wie Tiger lieben Jaguare Wasser, und sie entfernen sich meist auch nicht allzu weit davon.

Nun gibt es viele Flüsse in den Weiten des Amazonasbeckens, und trotzdem ist es schwer, Jaguare darin zu entdecken. Forscher vermuten, dass die Tiere im Dschungel nicht nur nachts, sondern auch tagsüber jagen, um ihre weit verstreut lebende Beute aufzuspüren. Am Rio Cuiabá und am Rio Paraguay indes gibt es Wasserschweine und Kaimane im Überfluss, die Jaguare können hier ein weniger verstecktes Leben führen. Es reicht, wenn sie tagsüber jagen: Die Wasserschweine kommen zuverlässig am Morgen und am Nachmittag ans Ufer, die Raubkatzen müssen nur zuschlagen.