Kolumne: Einmal im LebenUnterwegs auf der Via Appia

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Mehr als 2000 Jahre Verkehrsgeschichte: Die Via Appia war zweispurig: Wagen sollten sich im Gegenverkehr passieren können.
Mehr als 2000 Jahre Verkehrsgeschichte: Die Via Appia war zweispurig: Wagen sollten sich im Gegenverkehr passieren können. (Foto: Adam Eastland/imago images)

Wo einst römische Legionäre und amerikanische Soldaten marschierten, können heute Wanderer herrliche Natur genießen.

Von Marc Beise, Rom

Mit Ostern sind die Touristen nach Rom gekommen, die Stadt ist voll und bleibt es nun auch. Kolosseum und Vatikan sind ausgebucht, also auf zur Via Appia! Die Fernstraße in den Süden, angelegt ab 312 v. Chr. unter Konsul Appius Claudius Caecus, begann eigentlich erst an der Porta Capena an der inneren Stadtmauer. Als Perfektionist nimmt man einen früheren Anlauf, startet am Circus Maximus.

Es braucht seine Zeit, vorbei an den Caracalla-Thermen, durch die Porta San Sebastiano in der großen, der Aurelianischen Mauer und noch ein ganzes Stück weiter, bis die Via Appia ihren Reiz entfaltet. Die Gedanken fliegen. Sagt man nicht, dass hier Jesus dem aus Rom fliehenden Petrus begegnet ist und ihn zur Umkehr bewogen hat? Man zieht mit der Hand die Jahrtausende alten Rillen der Wagenräder im Stein nach. Lässt frühchristliche Katakomben rechts liegen und das Grabmal der Caecilia Metella links und will nicht mehr aufhören zu laufen, Stunde um Stunde, jetzt gut beschirmt durch die breit ausgreifenden Pinien.

Wer die Augen schließt, hört vielleicht das Stampfen der Legionen, die auf der "Regina Viarum", der Königin der Straßen, nach Rom zogen, später war es der oströmische General Belisar mit seiner Elitetruppe im Kampf gegen die Goten, und 1943 rollten hier US-Panzer in die vom Faschismus befreite Stadt. Der Blick geht weit ins Land. Die Wildblumen blühen, die Nachtigall singt, Schafe queren, die Mitwanderer sind längst zurückgeblieben. Weg und Hitze zehren an den Kräften, als sich hinter einer Hecke unverhofft eine Wiese auftut mit dem Kantinenwagen von Federica Gianni. Nie schmeckte ein Sandwich besser als jetzt.

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