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Italien: Sizilien:Schutzgeld an die Mafia

In einer Gelateria feiert eine Familie den Geburtstag oder vielleicht auch die Erstkommunion ihres Sohnes. Alle sind im Sonntagsstaat, selbst Oma läuft auf Stöckelschuhen. "Soll ich Ihnen etwas verraten?", raunt mir der Ober zu. "Das ist die Mafia. Alle, die hierher kommen, gehören zur Mafia." Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass er dies allen Touristen so erzählt, um ihre Reaktionen zu testen. Doch dann durchfährt es mich plötzlich: Der Vater des Kommunion-Jungen, schwarze Sonnenbrille, Macho-Haltung, zückt eine schwarze Pistole. Erst als er sie dem Sohn aushändigt, wird mir klar, dass es sich um eine Spielzeugwaffe handelt.

Die Mafia im Eissalon - Traumwandeln durch Palermo

Wegen der nackten Figuren des Brunnens wird die Piazza Pretoria auch Piazza Vergogna genannt, der Schamplatz.

(Foto: dpa-tmn)

Es hat wohl mit dem Ort zu tun, dass man hier Dinge für möglich hält, die man unter normalen Bedingungen sofort ausschließen würde. Palermo benebelt die Sinne. In der flirrenden Luft zerfließen die Konturen. Dazu die schweren Weine und der ständige Fäulnisgeruch - all das ist einem klaren Verstand nicht eben zuträglich.

21.00 Uhr abends. Jetzt erst füllen sich die Tische vor den Restaurants. Man isst ausschließlich draußen. In Palermo kann man die italienische Kellnerhierarchie noch in höchster Vollendung erleben. Der Oberkellner schreibt die Bestellung auf, reißt den Zettel vom Block und reicht ihn nach rechts. Dort nimmt ihn ein jüngerer Kellner in Empfang und trägt ihn in die Küche. Das ist seine einzige Aufgabe.

Für das Servieren der Speisen sind wieder zwei andere Kellner zuständig. Der Oberkellner selbst tut keinen Handgriff, er ist nur für die Konversation zuständig.

Als ich bezahle, frage ich mich, wie viel Prozent davon wohl für die Mafia sind. Etwa 80 Prozent aller Restaurant und Geschäfte zahlen hier den "Pizzo", das Schutzgeld, so heißt es. Mittlerweile gibt es aber Hunderte, die sich der Erpressung verweigern und die Aktion "Adiopizzo" (Tschüss Schutzgeld) unterstützen. Ein spezieller Stadtplan zeigt an, wo man sie findet. Ich nehme mir vor, ihn am nächsten Tag zu nutzen.

Der letzte Tag bringt Regen, aber keine Abkühlung. Dünne Wolkenbänder legen sich wie Saturn-Ringe um die Berge, die nun schwarz und bedrohlich wirken. Ich nehme den Bus zum Flughafen, meine Flucht geht zu Ende. Ich werde wenig zu berichten haben. Es ist wie oft nach dem Aufwachen: Von den wenigsten Träumen kann man erzählen.