Italien-Reisen: Stadtporträt Spitzenplatz hinsichtlich Lebensqualität

Schon ohne das Piano-Viertel belegt Trento regelmäßig einen Spitzenplatz unter Italiens Städten hinsichtlich der Lebensqualität. Die meistgelesene Wirtschaftszeitung Italiens, Il Sole 24 Ore, kürte es 2007 zum lebenswertesten Ort des Landes, das Wirtschaftsblatt Italia Oggi 2010 zur Metropole mit der höchsten Lebensqualität aller 103 italienischen Provinzhauptstädte. Trento hat eine gesunde Wirtschaft, ein Bruttosozialprodukt, das doppelt so hoch ist wie das Palermos, und eine Arbeitslosenquote, die nach heiler Welt klingt: drei Prozent. Die autonome Provinz profitiert wie ihr nördlicher Nachbar Südtirol von Zahlungen aus Rom.

Romeo grüßt Palladio

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Die Dolomiten sind genauso nah wie der Gardasee

So weit zur Sicht der Statistiker. Die natürlichen Reize erschließen sich ohne Tabellenstudium: Berge und Grün umgeben die Stadt, deren Kern einem frisch geputzten Puppenhäuschen gleicht. Lokale Erzeuger verkaufen Bioprodukte, die nicht nur so heißen, sondern auch danach schmecken. Die Wege sind kurz, Studenten bewältigen fast alles mit dem Rad. Und die Dolomiten sind genauso nah wie der Gardasee.

Unter den Römern war Trento Garnisonsstadt, heute ist es ein offenes Tor zwischen den Kulturen des Nordens und Südens. Italienische Leichtigkeit und Lebensfreude vereinen sich mit nördlichem Ordnungssinn und Zuverlässigkeit. Trentiner sind im Herzen Italiener, heißt es, denken aber wie Deutsche. Anders als in Bozen, wo auf den Straßen überwiegend Deutsch gesprochen wird, beherrschen in Trento das Italienische und mediterrane Gewohnheiten den Alltag: Der Aperitivo wird direkt nach der Arbeit oder zum Auftakt des Abendprogramms bestellt; in den Bars trifft sich ein Publikum mit grauen Schläfen und Woody-Allen-Brillen wie in Rom.

Aber wenn die Ampel auf Rot schaltet, bleiben Trentiner stehen. Sie parken selten in der zweiten Reihe, und die Müllabfuhr arbeitet ohne nennenswerte Ausfälle. Will heißen: In Trento funktionieren die Dinge.

Auf der Autobahn achtlos an der Stadt vorbeizufahren Richtung Gardasee, hält Signora Franca Passardi für einen Fehler, wenn nicht für skandalös. Die 60-jährige Fremdenführerin spaziert in engen Kleidern über den hell beleuchteten Domplatz und strahlt eine Grandezza aus, die so groß ist wie ihre Brillengläser. Woanders gelebt hat die hauptberufliche Lehrerin nur während ihres Studiums in Bologna. Als Kennerin Trentos führt sie mehrmals pro Woche Besucher durch die Altstadt.

An der Nordseite des Doms deutet sie auf die Querschiffmauer, wo in der Mitte Fortuna am Rad des Schicksals dreht, an dessen Rand zwölf Gestalten aufsteigen oder abstürzen. "Das Glück kommt und geht", deutet Signora Passardi das mittelalterliche Kunstwerk, "in Trento kommt es oft und bleibt lang."

Strand leer, Eintritt frei

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