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Italien: Obszöne Souvenirs:Weg mit dem schiefen Turm von Pisa!

Zumindest auf Unterhosen gedruckt möchte die Stadtverwaltung von Pisa ihre berühmteste Attraktion nicht mehr sehen. Auch andere Städte in der Toskana wehren sich gegen Souvenirs, die den öffentlichen Anstand verletzen könnten.

Sie sind an italienischen Souvenirständen ein vertrautes Bild: Kochschürzen mit dem nackten David in Großformat oder Handfächer, die detailreich antike Szenen aus dem Freudenhaus von Pompeji zeigen. Doch es waren Unterhosen, die das Fass zum Überlaufen brachten - genauer gesagt, Unterhosen mit dem schiefen Turm von Pisa.

Unterhosen mit dem schiefen Turm von Pisa als Aufdruck soll es künftig nicht mehr geben.

(Foto: AFP)

Einfallsreiche Souvenirproduzenten hatten dort den steil aufragenden Turm genau in den Schritt von Boxershorts gedruckt. Daneben prangt die Botschaft: "I love Pisa". Noch Humorbegabtere ließen rechts und links des Turms zwei Fußbälle platzieren. Touristen konnten das Mitbringsel für sieben Euro das Stück erwerben. Fünf Souvenirstand-Besitzer müssen für den Verkauf der Unterhosen nun 500 Euro Strafe bezahlen: Die Stadtverwaltung warf ihnen vor, den "öffentlichen Anstand" zu verletzen.

Der Bürgermeister von Pisa, Marco Filippeschi, verteidigte sein Vorgehen mit der Notwendigkeit, "Schmutz" von den Verkaufsständen am Platz rund um den Schiefen Turm zu entfernen. In seinem Bestreben ist er nicht alleine: Wie der Guardian berichtet, hat Dario Nardella, Bürgermeister von Florenz, noch in diesem Monat zu einem Treffen der Oberhäupter anderer toskanischer Städte eingeladen. Gemeinsam wollen die Bürgermeister von Pisa, San Gimignano, Pienza und Siena besprechen, wie sie der Flut von geschmacklosen Souvenirs in ihren von Touristen bevölkerten Städten Herr werden können.

In Florenz gibt es bereits einen Erlass, der den Verkauf von Souvenirs einschränkt. Kochschürzen, Unterhosen, Kaffeebecher oder Kühlschrankmagnete müssen ohne David auskommen. Die weltberühmte hüllenlose Marmorstatue von Michelangelo wird man als Aufdruck künftig vergebens suchen.

© sueddeutsche.de/dd/vs
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